Berlin Die CDU-Spitze will schnell raus aus der Führungskrise. Noch in dieser Woche würden die Kandidaten für den CDU-Vorsitz erklären, ob sie antreten oder nicht, verspricht die scheidende Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer am Montag. Auf einem Sonderparteitag am 25. April in Berlin will die CDU dann über die Kandidaten abstimmen. Präsidium und Vorstand haben zuvor Grünes Licht für den Fahrplan gegeben.

Monatelang Krisenmodus

Ursprünglich wollte AKK erst auf dem regulären Parteitag im Dezember ihre Nachfolge regeln. Doch war der Druck zu groß. Die offene Führungsfrage sei „so belastend geworden, dass wir eine frühere Entscheidung treffen“, begründet AKK nun die Wende. „Das ist keine einfache Situation“, räumt sie am Tag nach der schweren Wahlschlappe von Hamburg ein, neben ihr steht der Hamburger Spitzenkandidat Marcus Weinberg mit zerknitterter Miene. „Ein ganz bitterer Abend“, sei das für die Partei gewesen, „ein historisch schlechtes Ergebnis“.

Nun soll es rausgehen aus dem Krisenmodus. Doch beim Sonderparteitag wird es voraussichtlich zu einer Kampfabstimmung kommen. Neben CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, der seine Kandidatur bereits offiziell angemeldet hat, gelten Ex-Fraktionschef Friedrich Merz, der seine Kandidatur am Dienstag bekanntgeben will, sowie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Jens Spahn als mögliche Bewerber. Dass sich diese noch auf eine Teamlösung verständigen, gilt als unwahrscheinlich, denn jeder sieht seine Rolle innerhalb dieses Teams anders.

Und was passiert, wenn nach einer Kampfkandidatur die CDU weiter tief gespalten ist, sich die Verlierer nicht einreihen und der Richtungsstreitweitergeht? Die möglichen Bewerber hätten ihr im persönlichen Gespräch „ganz klar erklärt, dass sie jedwedes Ergebnis akzeptieren und sich sichtbar und erkennbar einbringen werden“, erklärt AKK. Auch gehe sie davon aus, dass es eine gute Zusammenarbeit des CDU-Chefs mit der Bundestagsfraktion und der Bundesregierung geben werde.

Künftige Problemfelder

Als wenn die Führungskrise nicht genug sei, macht Kramp-Karrenbauer aber am Montag noch zwei weitere Felder auf, auf denen es noch schweren Streit geben dürfte. Mit ihrer unmissverständlichen Ansage, dass mit der Entscheidung über den Parteivorsitz ein wichtiges Signal für die Kanzlerkandidatur der CDU verbunden sei, verärgert sie CSU-Chef Markus Söder. „Sehr verwundert“ ist man in der CSU-Spitze über das nicht abgestimmte Vorgehen der CDU-Vorsitzenden. Die Suche nach einem gemeinsamen Kanzlerkandidaten sei nach wie vor Sache beider Parteichefs.

Mit einem regelrechten Wutausbruch gegen SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil dürfte Kramp-Karrenbauer auch zusätzliche Unwucht in die ohnehin nach wie vor schlingernde Große Koalition gebracht haben. Sie wirft ihm eine Schmutzkampagne und Diffamierung vor, weil er der CDU vorgeworfen habe, keine klare Haltung gegenüber der AfD zu haben. An der Position der Bundes-CDU zur AfD gebe es „überhaupt nichts zu deuteln“, erklärt sie. Klingbeil möge aufhören, die CDU wegen ihres Umgangs mit der AfD zu attackieren – oder mit seiner SPD die Große Koalition verlassen.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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