Berlin Friedrich Merz wird deutlich: „Das ist eine völlig irre Diskussion. Punkt“, reagiert der CDU-Politiker gereizt auf den jüngsten Vorstoß von Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus in der Kanzlerkandidaten-Frage. Der hatte sich davon überzeugt gezeigt, dass Annegret Kramp-Karrenbauer die Union in die nächste Bundestagswahl führen werde. „Sie wird unsere nächste Kanzlerkandidatin sein“, hatte sich Brinkhaus klar für Annegret Kramp-Karrenbauer ausgesprochen, der Parteichefin den Rücken gestärkt und erhielt dafür sowohl Unterstützung als auch Widerspruch.

Die CDU-Chefin habe „selbstverständlich“ das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur, erklärte auch CDU-Vizechef Volker Bouffier. Alles Weitere werde „zu gegebener Zeit“ entschieden.

Auffällig: Brinkhaus’ Parlamentarischer Geschäftsführer in der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer bremste. Die K-Frage stelle sich erst, wenn es zu einer Neuwahl komme. Die Koalition habe noch zwei Jahre die Verpflichtung, vernünftig zu regieren.

Es gelte jetzt über wichtige Themen zu sprechen, „aber nicht über den Kanzlerkandidaten der Bundesrepublik Deutschland zu einem Zeitpunkt, wo wir keine Wahlen haben“, warnt AKK-Rivale Friedrich Merz vor einer Debatte zur Unzeit. Dagegen fordert die konservative Werteunion jetzt Klarheit über das Verfahren, will die Parteimitglieder über die Kanzlerkandidatur entscheiden lassen und spricht sich für eine Urwahl aus. Ein solches Verfahren müsse vorbereitet werden. Darüber gelte es, sich frühzeitig Gedanken zu machen.

Geht es nach Parteichefin Kramp-Karrenbauer, dann soll die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur erst im Herbst 2020 auf dem Bundesparteitag der CDU getroffen werden. Doch zuletzt war Kritik an der neuen CDU-Chefin laut geworden. Die historische Schlappe bei der Europawahl, das Kommunikations-Desaster um das Anti-CDU-Video des Youtubers Rezo, das Stimmengewirr beim Thema Klimaschutz, der Höhenflug der Grünen, die inzwischen in den Umfragen vor der Union liegen – der Druck auf Kramp-Karrenbauer wächst. Am Wochenende hatte CDU-Vizechef Armin Laschet die Parteichefin vor einem Kurswechsel gewarnt und eine eigene Kanzlerkandidatur zumindest nicht ausgeschlossen. Auch Friedrich Merz soll Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur haben.

Im Nordwesten würden CDU-Politiker wie Stephan Albani (Oldenburg) Personaldebatten lieber den anderen Parteien überlassen. Die Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen (Ahlhorn) kann sich aber eine Urwahl vorstellen, Silvia Breher (Cloppenburg) nicht. An der Vorsitzenden als potenzieller Kandidatin käme man ohnehin nicht vorbei, sagt Silvia Breher. Ähnlich sieht es auch die stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende Gitta Connemann (Leer). In Sachen Urwahl wäre sie offen, sagte sie auf Anfrage.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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