Berlin Am Ende ist der Weg für ein Führungsduo frei. „Wir haben uns für die Möglichkeit einer Doppelspitze entschieden“, erklärt die kommissarische SPD-Chefin Malu Dreyer. Was bei den Grünen gerade so erfolgreich funktioniert, soll auch der SPD aus der Krise helfen. „Am Ende wird man sehen, die SPD ist quicklebendig“, sagt Dreyer, die Montagnachmittag gemeinsam mit ihren Co-Vorsitzenden Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel das Verfahren und den Fahrplan für die Wahl der neuen SPD-Spitze vorstellt.

Mehr als vier Stunden lang ringt die Parteiführung hoch oben im Willy-Brandt-Haus um eine Lösung für die Nahles-Nachfolge, berät drei Wochen nach dem Rücktritt von Parteichefin Andrea Nahles über das beste Verfahren. „Wir sind alle ein wenig erschöpft, aber glücklich und zufrieden“, erklärt Schäfer-Gümbel schließlich.

Die neue Führung, so der Plan, soll nach einer Mitgliederbefragung auf dem Bundesparteitag vom 6. bis 8. Dezember gewählt werden und geht es nach Präsidium und Vorstand möglichst aus zwei Köpfen – ein Mann und eine Frau – bestehen.

Nach dem Beschluss des Parteivorstands ist nun eine Bewerbungsfrist vom 1. Juli bis 1. September vorgesehen. Um antreten zu können, muss ein Kandidat die Unterstützung von mindestens fünf Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband nachweisen. Die Bewerber sollen sich dann im September und Oktober auf 20 bis 30 Regionalkonferenzen vorstellen.

Danach sollen die rund 438 000 SPD-Mitglieder per Brief oder online über die Kandidaten abstimmen. Das Ergebnis solle am 26. Oktober feststehen, sagt Schäfer-Gümbel. Den Gewinner werde der Vorstand beim Parteitag am 6. bis 8. Dezember vorschlagen. Bindend ist das Votum der Mitglieder also nicht – es wird aber damit gerechnet, dass es respektiert wird.

Namen werden zwar nicht offiziell genannt. Doch gibt es bereits Spekulationen. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und Franziska Giffey gelten als mögliches Nachfolge-Duo. Wäre da nur nicht die Plagiatsaffäre der Bundesfamilienministerin. Auch der Name von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil wird gehandelt. Außenminister Heiko Maas und Umweltministerin Svenja Schulze sind ebenfalls im Gespräch.

Auf wenig Begeisterung stieß dagegen ein Vorschlag von Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann. Er sprach sich dafür aus, auch Nichtmitglieder an den Abstimmungen über Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur zu beteiligen – für eine Kostenbeteiligung von fünf Euro. Die übergroße Mehrheit der Parteispitze sieht dies jedoch anders. Über den Parteivorsitz müssten die Mitglieder entscheiden, stellt Generalsekretär Klingbeil klar.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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