Berlin /Paris Die Menschheit lässt die Natur einem umfassenden Weltbericht zufolge in rasendem Tempo von der Erde verschwinden. Dafür gebe es inzwischen überwältigende Beweise, die ein unheilvolles Bild zeichneten, warnte der Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrates (IPBES­)­,­ Robert Watson, am Montag. „Wir erodieren global die eigentliche Basis unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, Nahrungsmittelsicherheit und Lebensqualität.“

In ihrem ersten globalen Bericht zum Zustand der Artenvielfalt reiht die Einrichtung der UN beängstigende Fakten aneinander: Von den geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit sei rund eine Million vom Aussterben bedroht. Das Ausmaß des Artensterbens war in der Geschichte der Menschheit noch nie so groß wie heute – und die Aussterberate nimmt weiter zu.

Derzeit sieht es in vielen Bereichen schlecht aus:

 Wald: Rund 100 Millionen Hektar (ha) Tropenwald, die dreifache Fläche Deutschlands, verschwanden laut IPBES­ bereits von 1980 bis 2000, etwa für Rinderherden in Lateinamerika (42 Mio ha) und Palmölplantagen in Südostasien (7,5 Mio ha) – letzteres steckt unter anderem in Lebensmitteln, Shampoo, Kosmetik und Biosprit. Die Krux: Palmöl hat einen sehr geringen Flächenverbrauch pro Liter. Würde Deutschland das Palmöl komplett gegen andere Öle tauschen, wären nach Berechnung der Umweltstiftung WWF rund 1,4 Millionen Hektar mehr Anbaufläche notwendig. Sie rät dennoch zur Zurückhaltung bei Palmöl-Produkten.

Deutschland ist zu 32 Prozent mit Wald bedeckt, auch wenn ein Urwald fehlt. „Allerdings ist derzeit auf 2,8 Prozent der Waldfläche eine natürliche Entwicklung ohne forstliche Nutzung dauerhaft gesichert“, sagt Peter Finck vom Bundesamt für Naturschutz. Tendenz steigend.

 Landwirtschaft: Von der Rapsmonokultur bis zum Schlammloch für das Bioschwein – über ein Drittel der globalen Landfläche ist Agrarland. Die Agrarproduktion hat sich laut IPBES seit 1970 vervierfacht. Wegen des weltweiten Verlustes von Bienen und anderen Bestäubern seien Ernteerträge im Wert von jährlich 235 bis 577 Milliarden Dollar (210 bis 515 Mrd Euro) in Gefahr.

In Deutschland ist sogar rund die Hälfte der Fläche Agrarland, etwa 17 Millionen Hektar. „Um den Bedarf an Agrarprodukten zu decken, beansprucht die Bundesrepublik zusätzlich 5,5 Millionen Hektar in anderen Ländern“, schreibt der WWF.

 Flüsse und Meere: In die Meere gelangt laut IPBES­ heute zehnmal so viel Plastik wie 1980. Es schädige mindestens 267 Tierarten und könne über die Nahrung auch zum Menschen kommen. Der Großteil davon fällt laut WWF zwar in Südostasien an. Doch erst kürzlich wurde bekannt, dass deutsche Unternehmen Plastikmüll in Länder wie Malaysia und Indonesien exportieren, wo sie zur Umweltverschmutzung beitragen. Laut IPBES gelangen zudem 300 bis 400 Millionen Tonnen Schwermetalle, Lösungsmittel und andere giftige Stoffe jährlich in die Flüsse der Welt.

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