Berlin /Oldenburg „In vielen Revieren ist nur noch ein Streifenwagen unterwegs. Und das wird zunehmen.“ Christian Schumacher, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Mecklenburg-Vorpommern, hält mit seiner Wut nicht länger hinter dem Berg. „Die Politik ist sehenden Auges auf ein Desaster zugesteuert.“

Erst der jahrelange Stellenabbau und jetzt eine gewaltige Pensionierungswelle: Bundesweit kommt auf Kommissariate und Reviere ein massiver Verlust an qualifizierten Beamten zu. Fast 1500 Beamte scheiden in Nordrhein-Westfalen dieses Jahr aus, mehr als 1200 sind es in Bayern. Ganze Kommissariate bluten aus.

Die Sicherheit der Bürger sei kaum zu gewährleisten, schlägt Wolfgang Schönwald, Sprecher des GdP-Bundesvorstandes, am Dienstag im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion Alarm. Von den Alpen bis zur Ostsee, von Heidelberg über das Ruhrgebiet bis nach Oldenburg ist die Situation angespannt. „Bundesweit sind seit der Jahrtausendwende 16 000 Stellen gestrichen worden“, erklärt Schönwald. „Erst die Silvesternacht von Köln hat dazu geführt, dass der Schalter umgelegt wurde. Doch kommen die Neueinstellungen jetzt viel zu spät!“

GdP-Bundesvorstand Oliver Malchow stellt an diesem Mittwoch in Berlin die bundesweiten Zahlen vor, erhöht gemeinsam mit dem Deutschen Richterbund den Druck auf die Politik, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Oftmals würden auch heute die Stellen erst ausgeschrieben, wenn sie schon nicht mehr besetzt seien.

In Niedersachsen erreichen in diesem und den kommenden Jahren jeweils rund 900 Polizisten das reguläre Pensionsalter – krankheitsbedingte Abgänge kommen noch hinzu. Immerhin hat die Landesregierung inzwischen reagiert, seit 2016 beginnen an der Polizeiakademie in Oldenburg nun wieder zwei Mal im Jahr Kommissarsanwärter ihre Ausbildung. 275 waren es im April, 850 kommen im Oktober hinzu. „Das reicht aber nicht aus“, sagt der GdP-Landeschef Dietmar Schilff. Denn viele der Neuanwärter nähmen Erziehungszeit oder arbeiteten nur Teilzeit.

Tobias Schmidt Korrespondentenbüro Berlin
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