Berlin Integration in Zeiten der Corona-Pandemie – Angela Merkel (CDU) ist besorgt, weiß sie doch darum, „dass die normale Integrationsarbeit leidet“. Sprachkurse, allenfalls noch digital, nicht mehr persönlich. Weniger persönliche Beratung und Kontakt – da wird es für viele schwierig. Die Berufe, die als Erste unter Druck geraten würden, seien meist die von Menschen mit Migrationshintergrund, so die Kanzlerin am Montag beim Integrationsgipfel in Berlin. Bereits zum 12. Mal beriet sie mit den Vertretern von Migrantenverbänden, Religionsgemeinschaften, der Wirtschaft und Politik. Diesmal allerdings wegen der Pandemie nur per Videokonferenz. Die Kanzlerin war es, die 2006 dieses Format eingeführt hatte.

Seehofer fehlt

Nicht mit dabei an diesem Montag ist ausgerechnet der für Integration zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer. Der CSU-Politiker lässt sich wegen wichtiger Termine entschuldigen und durch einen Staatssekretär vertreten. Ein Affront, wie nicht nur die Grünen finden. Mit dabei waren dafür Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU).

Herausforderung

Im Mittelpunkt der Konferenz stehen natürlich auch die Corona-Pandemie und ihre Folgen. Wie kann Migranten auch in der Krise die Eingliederung und Förderung ermöglicht werden? Merkel sieht darin eine besondere Herausforderung. „So aufmerksam wie wir sein müssen, um Gesundheit und das Leben unserer Mitmenschen zu schützen, so aufmerksam müssen wir eben zugleich sein, dass auch der Zusammenhalt in dieser schwierigen Zeit stark bleibt“, fordert die Kanzlerin. Die Pandemie treffe alle, aber unterschiedlich hart.

Corona stelle das Zusammenleben auf die Probe, warnt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, nach dem virtuellen Treffen. So habe man etwa die Integrationskurse, die das „Herzstück“ der Maßnahmen seien, zu Beginn der Pandemie zunächst nahezu komplett herunterfahren müssen. Trotz Pandemie dürfe man niemanden ausschließen, müsse alle mitnehmen, so die CDU-Politikerin. Es gelte jetzt, alles daranzusetzen, dass Corona die Integrationskurse nicht zurückwerfe.

Zahlen, wie viele Angebote und Teilnehmer davon betroffen seien, liefert Widmann-Mauz allerdings nicht. Digitale Formate der Sprachförderung und Beratung, die verbesserte Anerkennung von ausländischen Berufs- und Bildungsabschlüssen und die Förderung von frühkindlicher Bildung – all das soll auch in Corona-Zeiten weiter möglich sein und optimiert werden.

Digital nachrüsten

Laut dem Internationalen Migrationsausblick 2020 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, siehe Info-Kasten) ist in Deutschland der Unterschied zwischen Migranten und der einheimischen Bevölkerung besonders groß. Besonders betroffen von der Corona-Krise seien auch Kinder aus Migrantenfamilien. Wegen der Schulschließungen würden sie im Vergleich zu deutschen Mitschülern zurückfallen, so der OECD-Bericht. Oft fehlten Computer und Tablets für den digitalen Home-Unterricht, aber vor allem auch der Kontakt zu Mitschülern. Laut OECD werde in mehr als 85 Prozent der Mi­grantenhaushalte nicht Deutsch gesprochen.

Um Lücken zu schließen, Sprach- und Integrationskurse auch in Corona-Zeiten anbieten zu können, gibt es auch im Integrationsbereich eine Digitalisierungsoffensive. Diese sei ein zentrales Vorhaben des „Nationalen Aktionsplans Integration“, erklärte Innenstaatssekretär Stephan Mayer (CSU).

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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