Berlin Urlaub buchen, Tickets kaufen, Überweisungen tätigen: Für Millionen Bundesbürger läuft im Alltag längst vieles online. Nach jahrelangem Gezerre soll die Digitalisierung auch im Gesundheitswesen Tempo aufnehmen und Patienten konkrete Verbesserungen bringen. Für ein Großprojekt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) läuft ein Countdown: Bis spätestens 1. Januar 2021 sollen elektronische Patientenakten als freiwilliges Angebot für Versicherte einsatzbereit sein.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) und die Verbraucherzentralen setzen auch auf mehr digitale Angebote der Praxen. „Wir brauchen einen Modernisierungsschub in den Arztpraxen“, sagte Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand des GKV-Spitzenverbands. Das sei wichtig, um die Chancen der Digitalisierung für die Verbesserung der Patientenversorgung nutzen zu können.

Denn für viele Menschen habe sich die Lebenswirklichkeit inzwischen gewandelt: „Sie kaufen online ein, arbeiten mobil, und 24/7 ist vielfach selbstverständlicher Servicestandard geworden.“ Um den in diesem Umfeld gestiegenen Anforderungen gerecht werden zu können, sei die Digitalisierung für die Ärzte eine Chance und kein Risiko.

VIDEOSPRECHSTUNDEN

„Derzeit betrachten die Ärzte das eher als eine Zusatzleistung“, sagte Stoff-Ahnis. Dabei seien Videotelefonie-Dienste doch längst selbstverständlich. Ihre Erwartung sei, dass in fünf Jahren jede fünfte Behandlung per Videosprechstunde erfolge. „So manche Eltern wären froh, wenn sie mit ihrem Kind, das Brechdurchfall hat, nicht direkt in die Arztpraxis müssten, sondern sich per Video mit dem Arzt austauschen könnten.“

ONLINE TERMIN BUCHen

Teils ist man schon nicht mehr auf Telefonzeiten oder Anrufbeantworter angewiesen, wenn es um Termine in Praxen geht. Das sei ein modernes und patientenfreundliches Angebot, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Nicht alle wollten sich aber durch digitale Kalender klicken. „Darum kommt es auf die Kombination an.“ Es sei praktisch, wenn Patienten Termine abends nach der Arbeit online buchen könnten, sagte auch der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. „Solche Services bieten Praxen sicherlich gern an, sie müssen aber technisch funktionieren.“

WARTEZIMMER

„Digitale Benachrichtigungen können auch beim Warten in der Praxis helfen, wenn Patienten eine Zeit lang rausgehen können“, sagte Gassen. Zu Wartezeiten könne es immer kommen: „Wenn etwa beim Hausarzt der eine mit Schnupfen kommt, der andere ein Folgerezept will, und der nächste etwas Komplexes hat. Das ist nicht vorher zu planen.“ Wartezeiten sollten aber in einem vernünftigen Verhältnis bleiben. „Keiner beschwert sich, dass er nach fünf Minuten aus der Praxis geht, wenn er vorher zehn Minuten im Wartezimmer saß. Aber zwei Stunden auf drei Minuten Arzt zu warten, ist blöd.“

Immer mehr Patienten wollten auch digitale Gesundheitsleistungen nutzen, erklärte Verbraucherschützer Müller. Es sei auch sinnvoll, wenn Informationen aus einer E-Patientenakte zum Beispiel dabei helfen, mehrfaches Röntgen zu vermeiden.

Bei solchen Angeboten kommt es generell auf eine funktionierende Technik, Haftungsfragen und hohen Datenschutz an. „Das Tempo ist ja nicht so schlecht“, sagte Gassen. Die meisten Praxen seien inzwischen an die Datenautobahn angeschlossen – trotz aller Schwierigkeiten, die Verschlüsselungsgeräte zu bekommen.

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