Berlin Es sind scharfe Worte und schwere Vorwürfe. Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny hat den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder wegen seiner engen Verbindungen zu Kreml-Chef Wladimir Putin angegriffen. Nawalny nannte es „sehr enttäuschend“, dass der Altkanzler und frühere SPD-Chef versuche, den auf ihn verübten Giftanschlag zu leugnen. Das sei für ihn „sehr schwer nachzuvollziehen“, erklärte Nawalny in einem Interview der „Bild“-Zeitung. „Er ist immerhin der ehemalige Kanzler des mächtigsten Landes in Europa. Jetzt ist Schröder ein Laufbursche Putins, der Mörder beschützt“, kritisierte er den Altkanzler.

„Gerhard Schröder wird von Putin bezahlt“, sagte der Kreml-Kritiker, der sich nach seiner Behandlung in der Charité in Berlin aufhält. Auch habe er keine Zweifel daran, dass der frühere deutsche Regierungschef verdeckte Zahlungen von Putin erhalten habe, allerdings könne er dies nicht beweisen.

Juristische Mittel

Schröder hatte nach dem Attentat behauptet, es gebe für den Anschlag auf Nawalny in Russland noch „keine gesicherten Fakten“. Erst am Dienstag hatte die internationale Chemiewaffen-Kontrollbehörde OPCW erste Testergebnisse bestätigt, nach denen Nawalny mit einem toxischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden sei. Der Oppositionspolitiker war am 20. August vergiftet worden und auf einem russischen Inlandsflug zusammengebrochen. Nach kurzer Behandlung in einer russischen Klinik war er nach Berlin gebracht und hier medizinisch versorgt worden.

Schröder äußerte als Reaktion „Verständnis“ für die schwierige persönliche Situation Nawalnys. Seine Interview-Aussagen über angebliche „verdeckte Zahlungen“ seien jedoch falsch, sagte er laut einer Mitteilung. Er sehe sich daher gezwungen, gegen den Verlag juristisch vorzugehen.

Sanktionen gefordert

Nawalny fordert Sanktionen gegen russische Einzelpersonen wie mit Putin verbündete Oligarchen. Diese seien wirksamer als Strafmaßnahmen gegen das gesamte Land.

Der Oppositionspolitiker sprach sich auch für einen Baustopp der Erdgaspipeline Nord Stream 2 aus, die durch die Ostsee von Russland nach Deutschland führt. Altkanzler Schröder ist Chef des Verwaltungsrates des Pipeline-Konsortiums Nord Stream 2 und Vorsitzender des Aktionärsausschusses von Nord Stream. Er hatte sich schon zu seiner Regierungszeit für das erste Nord-Stream-Projekt eingesetzt. Laut Manager-Magazin soll Schröder für den Posten als Aufsichtsratschef bei Nord Stream 250 000 Euro pro Jahr erhalten haben.

Enger Freund

Schröder gilt als enger Freund Putins. Unmittelbar nach Ende seiner Kanzlerschaft übernahm er Führungsaufgaben bei russischen Energie-Konzernen. Seine Nähe zu Putin, den er einst als lupenreinen Demokraten bezeichnet hatte, ist bekannt. Kurz nach dem Abschied aus dem Kanzleramt war der frühere SPD-Chef beim Beirat des Gaspipeline-Konsortiums Nord Stream eingestiegen.

Seit 2017 ist Schröder Vorsitzender des Aufsichtsrates des russischen Ölkonzerns Rosneft. Experten schätzen sein Jahresgehalt hier auf rund 600 000 Euro. Die Europäische Union hatte das Staatsunternehmen 2014 wegen der Annexion der Krim und des Konflikts mit der Ukraine mit Sanktionen belegt.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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