Berlin Erst die Inhalte, dann das Personal“, – so soll es nach der Wahl bei Koalitionsverhandlungen zugehen. Die Spekulationen über den Postenschacher sind trotzdem schon in vollem Gange. Da sind die Begehrlichkeiten der FDP auf das Finanzministerium, das Rätselraten um die politische Zukunft von Wolfgang Schäuble, die klaren Ansprüche der CSU und nicht zuletzt die Frage, ob sich die SPD am Ende wirklich zwischen Regierung und Opposition entscheiden würde.

Mag SPD-Kandidat Martin Schulz Angela Merkel auch den Posten der Vizekanzlerin in seiner Regierung angeboten haben, rechnen Demoskopen damit, dass Angela Merkel auch nach der Bundestagswahl Kanzlerin bleiben wird. Die Neuauflage einer Großen Koalition mit der SPD, Schwarz/Gelb mit der FDP oder ein Jamaika-Bündnis der Union mit den Liberalen und den Grünen – das sind dann die wahrscheinlichsten Optionen.

Als größte Fraktion im Bundestag könnte die Union auch künftig den Bundestagspräsidenten stellen. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU), den Parteifreunde vom Posten des Fraktionschefs in dieses Amt wegloben wollten, hat bereits abgewinkt. Der CDU-Mann will an der Spitze der Fraktion bleiben. Als erster Stellvertreter und Vorsitzende der CSU-Landesgruppe gilt Verkehrsminister Alexander Dobrindt als gesetzt.

Merkels Problem: Spätestens am 24. Oktober muss der Bundestag den Nachfolger für den ausgeschiedenen Parlamentspräsidenten Norbert Lammert (CDU) wählen. Aussichtsreicher Kandidat wäre Wolfgang Schäuble, der aber lieber Minister bleiben würde.

Das große Ministerroulette findet allerdings erst später, am Ende der Koalitionsverhandlungen statt – ein Problem für Merkel und Schäuble. Sollten die Liberalen als möglicher Koalitionspartner auf den Posten des Kassenwartes bestehen, könnte die Kanzlerin daran nur schwer vorbei. Kommt es doch zur Großen Koalition, würde die SPD nach dem Außenministerium greifen. Das Finanzressort bliebe bei der Union und Schäuble. Im Falle von Schwarz/Gelb, Schwarz/Grün oder Jamaika wäre dies eher unwahrscheinlich.

Unklar scheint die Zukunft von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die zuletzt heftigen Gegenwind aus der Truppe spürte. Innenminister Thomas de Maizière müsste sein Amt abgeben, sollte die CSU auf das Innenressort bestehen. Und Gesundheitsminister Hermann Gröhe wird als möglicher neuer Bundestagspräsident gehandelt.

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CSU-Chef Horst Seehofer hat bereits drei Ministerposten für seine Partei im Falle einer Regierungsbeteiligung angemeldet: Joachim Herrmann könnte das Bundesinnenministerium übernehmen, CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer wird als Verkehrsminister gehandelt und Gerd Müller erneut als Entwicklungsminister.

Eine Rückkehr von CSU-Mann Karl-Theodor zu Guttenberg ins Kabinett gilt allerdings in den Reihen der christsozialen Bundestagsabgeordneten als unwahrscheinlich. Verzichtet die FDP in einer schwarz-gelben Koalition allerdings auf den ersten Zugriff auf das Auswärtige Amt, könnte die CSU Ansprüche auf den Außenminister-Posten geltend machen.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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