Berlin Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock soll ihre Partei als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl führen. Der Bundesvorstand der Grünen nominierte die 40-Jährige für den Spitzenposten, wie die Partei am Montag in Berlin mitteilte. Die Entscheidung muss noch auf einem Parteitag vom 11. bis 13. Juni bestätigt werden. Die Zustimmung gilt als sicher. Die Bundestagswahl findet am 26. September statt.

„Eine oder einer muss jetzt vortreten und für das Kanzler*innenamt kandidieren“, schrieb Bundesgeschäftsführer Michael Kellner. „Zukunft geht nur gemeinsam. Wir gehen in diesen Wahlkampf – genau wie durch die letzten Jahre – als Team. Doch unsere Stärke hat dazu geführt, dass wir zum ersten Mal in der Geschichte in den Wettbewerb um die Führung dieses Landes gehen.“

Mit der Entscheidung enden monatelange Spekulationen. Die Partei hatte die Klärung der Kandidatenfrage ihren beiden Parteivorsitzenden Baerbock und Robert Habeck (51) überlassen, die sich geräuschlos untereinander verständigten.

Niedersächsische Grüne sehen das richtige Signal

Die Landesvorsitzenden der niedersächsischen Grünen, Anne Kura und Hanso Janßen, begrüßen die Kanzlerkandidatur von Annalena Baerbock. „Die Kandidatur von Annalena Baerbock als Bundeskanzlerin ist das richtige Signal. Damit machen wir der gesamten Gesellschaft ein Angebot für den Wandel“, sagte Janßen, der in der Wesermarsch lebt. Baerbock stehe für eine „Politik auf der Höhe der Zeit, für den nötigen Aufbruch, endlich entschlossen die Zukunft zu gestalten“. Sie stehe für eine dialogorientierte Politik mit klarem Ziel: Zukunftsinvestitionen und klimagerechter Wohlstand für alle, sichere Gesundheitsversorgung, gute Arbeit und faire Löhne, für mehr Bildungsgerechtigkeit und eine moderne Infrastruktur. Sie werde „ein Jahrzehnt des mutigen Handelns und des Gelingens prägen“, meinte Janßen.

Kura sagte: „Diese Kandidatur gibt uns Rückenwind für den Bundestagswahlkampf und auch für die Kommunalwahlen in Niedersachsen am 12. September. Das Ziel, die Republik in eine gute Zukunft zu führen und den Stillstand zu überwinden, motiviert uns zusätzlich.“ Baerbock und Habeck bilden weiter „das strategische Zentrum für den Bundestagswahlkampf“, ergänzte Anne Kura.

Julia Willie Hamburg, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, sagte: „Wir Grüne machen mit Annalena Baerbock das Angebot an die Wählerinnen und Wähler, die großen Aufgaben der Zukunft schlagkräftig und zielstrebig miteinander anzupacken und zu lösen.“

Die niedersächsischen Grünen werden ihre Bundestagsliste auf ihrer Landesdelegiertenkonferenz am 29./30. Mai 2021 in Oldenburg aufstellen. Die Kandidatinnen und Kandidaten haben die Möglichkeit, sich am Tagungsort in der Weser-Ems-Halle vorzustellen, die Delegierten werden digital teilnehmen.

Derzeit zweitstärkste Kraft

Die Grünen hatten sich angesichts der seit 2018 hohen Umfragewerte erstmals für eine Kanzlerkandidatur entschieden. Derzeit sind sie mit mehr als 20 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU/CSU und vor der SPD. Baerbock ist bei der 20. Bundestagswahl seit 1949 erst die zweite Frau nach Angela Merkel, die sich um das höchste Regierungsamt bewirbt. Keiner der bisherigen Kanzlerkandidaten war jünger.

Baerbock wird bei der Wahl gegen zwei Männer antreten: Die SPD hat Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz nominiert, die Union muss sich noch zwischen den Vorsitzenden von CDU und CSU entscheiden, Armin Laschet und Markus Söder.

Anders als bei CDU und CSU hat es bei den Grünen weder Streit noch größere öffentliche Diskussionen über die Kandidatenkür geben. Deswegen wird auch auf dem Parteitag im Juni eine große Zustimmung erwartet.

Schnell Karriere gemacht

Baerbock wuchs in der Nähe von Hannover auf dem Dorf auf und studierte Politikwissenschaften und Völkerrecht in Deutschland und London. Bei den Grünen hat die Mutter von zwei Töchtern schnell Karriere gemacht: 2009 Vorstand der europäischen Grünen und Landesvorsitzende in Brandenburg; 2013 Einzug in den Bundestag; 2018 Bundesvorsitzende der Grünen gemeinsam mit Habeck.

Bisher haben in der Regel nur CDU/CSU und SPD Kanzlerkandidaten nominiert, mit einer Ausnahme: 2002 stellte die FDP Guido Westerwelle auf, wurde dann aber mit 7,4 Prozent nur viertstärkste Kraft im Bundestag hinter SPD, CDU/CSU und Grünen.

Bundesgeschäftsführer Michael Kellner hat als Wahlziel ausgegeben, dass die Grünen das Kanzleramt erobern. „Wir wollen das Land in die Zukunft führen. Darum kämpfen wir für das historisch beste grüne Ergebnis aller Zeiten und die Führung der nächsten Bundesregierung.“ Ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl erzielten die Grünen 2009 mit 10,7 Prozent. Bei der Wahl 2017 kamen sie nur auf 8,9 Prozent.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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