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undeswirtschaftsminister Peter Altmaier stehen ungemütliche Reisetage bevor, bei denen so manches Fettnäpfchen lauert. Am heutigen Dienstag fliegt der CDU-Politiker und Merkel-Vertraute nach China. Ein paar Wochen später dann geht es in die USA, wo ein Präsident Donald Trump in schöner Regelmäßigkeit für Nervosität bei Freund und Feind sorgt.

In Peking wie in Washington warten auf den Minister schwierigste Gespräche, und dabei geht es für Deutschland um viel. Als Zielland für deutsche Exporte beispielsweise waren die USA im vergangenen Jahr mit einem Ausfuhrwert von 113 Milliarden Euro klar die Nummer Eins. Bei den deutschen Einfuhren wiederum lag 2018 China ganz vorn mit einem Volumen von 106 Milliarden Euro.

Allein, dass diese beiden globalen Wirtschaftsriesen seit Monaten im Clinch miteinander liegen und gegenseitig Waren in dreistelliger Milliardenhöhe mit Strafzöllen überziehen, ist für Deutschland misslich. Wenn etwa der Präsident der Bundesbank Jens Weidmann jüngst bei einem G20-Treffen in Japan darauf hinwies, dass schon die verhängten Zölle zwischen Washington und Peking das weltweite Wirtschaftswachstum auf längere Sicht um rund ein Prozent bremsen dürfte, dann ist das für gerade Deutschland ein Alarmzeichen. Schließlich belaufen sich die deutschen Exporte in aller Herren Länder auf nicht ganz 50 Prozent der Wirtschaftsleistung. Wenn die bislang angedrohten Zölle zwischen beiden Ländern dazukommen, wird es noch schlimmer. Dann könnte allein der Handelskonflikt zwischen den USA und China Deutschland der Rezession näherbringen.

Daher hat Deutschland ein riesiges Interesse daran, zur Befriedung des Handelsstreits zwischen Peking und Washington beizutragen. Abgesehen davon haben Deutschland und die Europäer ihre ureigenen Interessen. Die USA sind trotz vieler Irritationen und Spannungen mit und durch Trump weiter ein wichtiger Freund, ein enger Partner. Aber sie sind auch Kontrahenten und Konkurrenten, etwa wenn es um offene Märkte und umfassenden weltweiter Problemlösungswege geht.

Ähnliches gilt für China. In Fragen der weltweiten Zusammenarbeit bei Problemlösungen ist man sich recht nahe. Doch andererseits gibt es mit Peking seit Jahren Streitpunkte en masse. Dass China ausländische Unternehmen im Land massiv beschränkt, das Land alles andere als offen ist für ausländische Investoren, ist bekannt. Und dass sich China oft ungeschminkt Zukunftstechnologien von außen bemächtigt, dass chinesische Investoren mit Hilfe staatlicher Mittel gern interessante Firmen, gern auch in Deutschland, kauft, dass will man sich hierzulande nicht mehr bieten lassen.

Gernot Heller Korrespondentenbüro Berlin
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