Nicht nur Staus und Lehrermangel plagen die Menschen in Nordrhein-Westfalen, aber Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wird bereits für höhere Weihen gehandelt. Während die Zufriedenheit mit der schwarz-gelben Landesregierung laut jüngster WDR-Umfrage deutlich gesunken ist, genießt der 58-Jährige so viel Rückhalt in der Bevölkerung wie noch nie: 54 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit zufrieden – immerhin 17 Prozentpunkte mehr als im Februar. Und in Berlin wird er bereits als ein Kandidat für die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel gehandelt.

In der Bundes-CDU hat die Stimme des Parteivizes Gewicht – schon deshalb, weil er den mitgliederstärksten Landesverband führt. Strategen in CDU und CSU halten es für möglich, dass Laschet im Wettlauf um die Kanzlerkandidatur der Union lachender Dritter sein könnte, falls sich die SPD im Dezember entschließen sollte, doch frühzeitig aus der Koalition auszusteigen. Jedenfalls wiederholt er den machtpolitischen Kardinalfehler seiner SPD-Vorgängerin Hannelore Kraft nicht, die den Gang nach Berlin immer ausgeschlossen hatte.

Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) fühlt sich in der Kandidatenfrage zwar durch gute Umfragewerte ermutigt, wie er selbst sagt. Hört man sich aber in den Spitzen von CDU und CSU um, ist dort die Euphorie über eine mögliche Kanzlerkandidatur des Sauerländers deutlich gebremst. Auch dass mit Laschet, Gesundheitsminister Jens Spahn, Fraktionschef Ralph Brinkhaus und dem Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, Carsten Linnemann, wesentliche Akteure in der aktuellen Kandidatendebatte wie Merz aus NRW kommen, wird als nicht gerade förderlich für dessen Ambitionen gewertet.

Zudem ist der Machtwille von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer nicht zu unterschätzen. Sie kämpft zwar seit Langem gegen miese Umfragewerte. Und in der CDU-Spitze gibt es einige, die nicht mehr daran glauben, dass sie Kanzlerkandidatin werde, wenn man sich auf eine vorgezogene Wahl im kommenden Frühjahr einstellen müsse. Ob es allerdings in der Parteispitze tatsächlich eine Rebellion gegen AKK geben würde, ist offen.

„Man darf Herrn Laschet auf keinen Fall unterschätzen“, sagt der Düsseldorfer Politologe Thomas Poguntke. Er verhalte sich in der Führungsdebatte der CDU klug. „Er hat sich erst mal zurückgehalten, aber doch immer dafür gesorgt, dass er im Gespräch bleibt.“ Auf jeden Fall wird an Laschets Votum bei der Entscheidung über die nächste Kanzlerkandidatur der Union kein Weg vorbei führen.

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