Ja, es war ein durch und durch wildes, fast schon verrücktes Jahr 2018 mit Donald Trump, dem Enfant terrible der amerikanischen Präsidenten-Geschichte.

Ein Jahr, in dem die Wahrheits-Buchhalter der „Washington Post“ wieder mehr als 3000 Lügen und falsche Fakten des Präsidenten zählten. Seit Amtsantritt Trumps im Januar 2017 sollen es bereits 6420 Unwahrheiten gewesen sein, so das Hauptstadt-Blatt. Pinocchio lebt!

Ein Jahr, in dem Donald Trump die von einer tödlichen Feuerwalze heimgesuchten Einwohner der nordkalifornischen Stadt Paradise mit den provokativen Worten abmahnte, sie hätten eben – wie die Finnen – mehr Laub zur Waldbrand-Vorsorge harken sollen.

Ein Jahr, in dem der Präsident die traditionell von der Politik unabhängig agierende US-Notenbank als „verrückt“ bezeichnete – nur weil diese mehrfach die Zinsen angehoben und als Nebenwirkung die Börsen ausgebremst hat. Man spürt, wie es Trump in den Fingern juckt – doch feuern, wie er es so gern tut, kann er Notenbank-Chef Jerome Powell, einst von ihm selbst ausgesucht, nicht.

Ein Jahr, in dem der zuletzt isoliert im „Oval Office“ wirkende und zur Weihnachtszeit über diese Einsamkeit auf Twitter lamentierende Regierungschef („Ich bin ganz allein, armes Ich!“) seine Berater, glaubt man der „New York Times“, gern immer wieder als „Idioten“ beschimpfte. Wobei er dabei oft ein unflätiges Wort dem „Idioten“ vorgesetzt haben soll, das im Englischen mit den beiden Buchstaben „fu“ beginnt. Wen wundert es, dass Minister und Botschafter reihenweise das Weite suchten – zuletzt der in Europa geschätzte Pentagon-Chef James Mattis.

Und es war ein Jahr, in dem der mächtigste Mann der Welt einem saudischen Kronprinzen mehr glaubte als dem eigenen Geheimdienst, als es um die Planung und heimtückische Ermordung des Regimekritikers und einst in den USA ansässigen Journalisten Jamal Khashoggi ging.

Der unberechenbarste und bei der Opposition ungeliebteste Präsident, der jemals im Weißen Haus gewohnt und agiert hat, wirkte sich erneut auch auf die Arbeit als USA-Korrespondent aus. Wer zählt die Twitter-Botschaften, mit denen Trump gern zu nächtlicher Stunde die Nachrichtenwelt erschüttert und zu Neukonzeptionen zwingt?

Was auch die Frage aufwirft: Wann schläft eigentlich der Präsident in seinem von First Lady Melania separierten Schlafzimmer? Oder irrt er tatsächlich, wie es Bestseller-Autor Michael Wolff einst beschrieb, im Bademantel zu nächtlicher Stunde durch das Weiße Haus, um innere Ruhe für den nächsten Tweet zu finden?

Das unorthodoxe Agieren des Donald Trump war dabei eines der Kern-Merkmale des verrückten Präsidenten-Jahres 2018. Über Twitter und nicht diplomatische Depeschen wurde der Handelskrieg gegen China verkündet, nur um dann wenig später im gleichen Medium auszusagen, wie gut sich der US-Präsident doch mit Chinas Präsident Xi Jinping verstehe. Aus solchen Thesen einen Reim zu machen, gehört zu den Herausforderungen der Ära.

Und es war das Jahr, in dem Trump nicht nur die Medien als „Feind des Volkes“ bezeichnete, sondern in dem sich auch das Gespenst des Scheiterns und eines Amtsenthebungs-Verfahrens im Weißen Haus einnistete. 17 verschiedene Untersuchungen von öffentlichen Justizstellen und des Kongresses beschäftigen sich derzeit mit Trump und seinem Imperium. Seine Stiftung, die er und seine Kinder offenbar zum finanziellen Selbstbedienungsladen machten, löste sich jetzt auf. Weiter unter der Lupe der Ermittler: Das Trump-Amtseinführungskomitee. Die Trump-Wahlkampagne. Die Trump-Übergangsregierung. Die Trump-Immobilienorganisation. Die derzeitige Regierung Trump. Und der Präsident höchstpersönlich. Bis Mitte Februar will Sonderermittler Mueller seinen Abschlussbericht über mögliche Verfehlungen des Präsidenten vorlegen, von Schweige-Zahlungen bis hin zu den Kreml-Kontakten.

Dieser Bericht wird die politische Debatte auf dem Kapitol in 2019 prägen. Aber wird er jene Bürger beeinflussen, die auch 2018 in Trump - in krassem Gegensatz zu den europäischen Alliierten – weiter ihr Idol sahen? Mehr als 80 Prozent der Menschen, die in den USA den Republikanern nahestehen, geben Trump gute Noten für die ablaufenden zwölf Monate.

Der strikt-gnadenlose Umgang mit Migranten, die Annäherung an Nordkorea, der Börsenboom in den ersten zehn Monaten – das hatte Trump aus Sicht vieler Konservativer auf der Habenseite. Doch der Beginn einer tektonischen Verschiebung an der gesamten Wählerbasis war bereits in der langen Wahlnacht des 8. November absehbar. Die Nacht, in der die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückeroberten und in der sich der Präsident das Ergebnis trotzig schönredete, weil man ja doch die Macht im Senat behalten habe.

Es war nur eine, aber wohl die politisch wichtigste Nacht im wilden Jahr 2018.

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