Berlin (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den vor 200 Jahren geborenen Philosophen und Revolutionär Karl Marx als "großen deutschen Denker" gewürdigt.

Diese Einschätzung gelte bei aller Widersprüchlichkeit, sagte Steinmeier am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion im Berliner Schloss Bellevue. Durch das Gespräch führte der Marx-Biograf Jürgen Neffe.

Marx sei ein kategorischer Denker gewesen - "und seine Kategorien waren sehr starr", betonte Steinmeier. Er stellte einen "gewaltigen Geltungsanspruch" und eine "Absolutheitsambition seiner Gedankenwelt" fest. Marxens innere Triebkraft aber seien die Verhältnisse seiner Zeit gewesen. "Es geht ihm um die Überwindung des massenhaften Elends, um die Befreiung aus Armut und Bevormundung, aus der eisernen Hand des Obrigkeitsstaats."

Sein Werk sei durchzogen von einem leidenschaftlichen Humanismus, sagte Steinmeier weiter. Allerdings könne Marx nicht vom Marxismus, sein Werk nicht von seiner Wirkung getrennt werden. "Wir Deutschen sollten Karl Marx weder überhöhen noch aus unserer Geschichte verbannen. Wir müssen uns vor Marx nicht fürchten - noch müssen wir ihm goldene Statuen bauen", sagte der Bundespräsident. 

Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren. Mit dem  "Kommunistischen Manifest", das er gemeinsam mit Friedrich Engels verfasste, wurde er zum Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus. Unter den Gästen im Schloss Bellevue waren auch der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und der Linken-Politiker und ehemalige DDR-Regierungschef Hans Modrow.

"Gewaltig ist nicht nur sein Werk, sondern gewaltig sind auch seine Folgen", betonte Steinmeier. Er erinnerte auch daran, dass in der Sowjetunion ein Satz des Philosophen zur Rechtfertigung für Enteignung und Umsiedelung von vielen Millionen russischer Bauern wurde. In der DDR seien seine Werke zur Begründung für Gängelungen und Beschränkungen der Freiheit benutzt worden.

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