Erneut sind unsere beiden Kollegen Dr. Alexander Will und Thomas Haselier im WhatsApp-Chatroom aneinander geraten. Der bekennende Konservative Will und der überzeugte linksliberale Gewerkschafter Haselier schonen sich auch diesmal nicht, wenn es darum geht, aktuelle politische Entwicklungen aus ihrer jeweiligen Perspektive gegenüberzustellen.

Wie immer, soll auch dieser Schlagabtausch nicht Privatsache bleiben. Denn beide sind erfahrene Journalisten, profilierte Kommentatoren und streitbare Geister. Wir lassen Sie also erneut mitlesen, wenn es bei Will und Haselier zur Sache geht.

Thema dieses Streitgesprächs ist die Lage der CDU vor der Wahl eines neuen Bundesvorsitzenden und die politische Bewertung des Unvereinbarkeitsbeschlusses gegenüber AfD und der Partei Die Linke. Und wie konservativ sollte die CDU eigentlich werden?

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Lieber Kollege – Sie müssten eigentlich zurzeit auf Wolke sieben gehen! Die CDU zerlegt sich, und die erste Umfrage zeigt eine Grün-Rot-Rote Mehrheit im Bund. Erfüllen sich da Ihre Hoffnungen?

10.42

Stimmt. Seit vielen Jahren zeichnet sich in der Tat eine linke Mehrheit im Bundestag ab. Wobei man klar sagen muss, dass nicht die Stärke der SPD oder die der Linken das begünstigt, sondern allein der Aufwind bei den Grünen. Deren Politik ist mittlerweile in der politischen Mitte angekommen, was leider auch eine schwarz-grüne Mehrheit denkbar erscheinen lässt...

10.46

Das hat wohl viel eher mit der Schwäche der CDU zu tun. Wer grüne Politik will, wählt halt das Original. Im bürgerlichen Lager sind nur noch die Traditionalisten dabei geblieben. Der Rest hat sich verdrückt – frustriert zu den Nichtwählern oder wütend zur AfD. Die Linke ist nicht stark, sondern das liberal-konservative Lager schwach.

10.58

Das liberal-konservative Lager ist vor allem deshalb schwach, weil es gar nicht mehr liberal-konservativ ist, sondern im vergeblichen Versuch, Merkels Modernisierungskurs der vergangenen Jahre zurückzudrehen, ganz nach Rechtsaußen abgedriftet ist. Sollte Friedrich Merz die Vorstandswahl gewinnen, verabschiedet sich auch die CDU als Volkspartei.

11.13

Das ist natürlich eine gern genommene Erklärung, auf der Linken, die damit konservative und liberale Haltungen schamlos anbräunt. Der Linkskurs Merkels hat die CDU schlicht sozialdemokratisiert. Die Partei ist weder für gesellschaftspolitische Konservative noch für ökonomische Liberale mehr wählbar. Das kann man am Dahinschmelzen der SPD prächtig besichtigen. Es geht im Übrigen nicht um „rechts überholen“ - es geht darum, das Vakuum auf der konservativen Flanke wieder zu schließen. Merz kann das. Laschet wäre nur Merkel mit Bartwuchs.

11.27

Vielleicht muss man erstmal darüber reden, was Sie eigentlich mit konservativ-liberal meinen. Nach meiner Vorstellung ist der eitle Merz das jedenfalls nicht. Er ist bestenfalls ein Wirtschaftsliberaler, um das mal freundlich zu umschreiben. Merz Behauptung, er könne quasi per Rechtsruck zur AfD abgewanderte Unionswähler zurückholen, würde der Union auf die Füße fallen. Selbst wenn ihm das gelänge, was zweifelhaft erscheint, verlöre die CDU doppelt an Zustimmung in der Mitte.

11.44

Wirtschaftsliberal ist gut. Das brauchen wir ohnehin viel mehr in einem Land, in dem der Markt zugunsten sozialistischer Träumereien diffamiert wird, obwohl er es erfolgreich gemacht hat. Und – nein, es geht nicht um einen „Rechtsruck“, da können die Linken noch so sehr am Framing werkeln. Markt, Eigenverantwortung und auch Grenzschutz sind nicht „rechts“, sondern vernünftig. Ganz im Gegensatz zu vermeintlich „bürgerlichen“ Parteien wie den Grünen, die sich in Wirklichkeit wie eine Wassermelone verhalten – außen grün, innen rot. Deswegen gefallen sie ja auch unseren Sozialismus-Träumern so gut und deswegen sind sie etwa mit der Linkspartei bündnisfähig.

12.33

Ein Whataboutismus ist das natürlich nicht. Die Bewertung der CDU-Geschichte zur DDR-Wende wird von Ihnen ausgeblendet. Die West-CDU hat sich nach dem Mauerfall ohne jedes ideologische Bedenken die Ost-CDU samt Vermögen einverleibt. So sieht mein Faktencheck aus: Bei der Partei Die Linke stehen vorne Politiker, die mit der DDR wenig am Hut hatten: Sahra Wagenknecht durfte in der DDR nicht einmal studieren. Fraktionschef Dietmar Bartsch gehört zum gemäßigten Reformerflügel. Co-Linkenchef Bernd Riexinger stammt aus Baden-Württemberg. Und seine Kollegin Katja Kipping war zur Wende gerade mal zwölf Jahre alt. Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow kommt aus dem Westen. Die Linke hat sich von Stalinismus und SED-Diktatur distanziert. Das wollen Sie lieber nicht hören.

18.10

In der mittleren Ebene gibt es sehr einflussreiche ehemalige SED-Leute. Besonders in Thüringen. Und ich bitte doch sehr, die von mir genannten Quellen zu Kenntnis zu nehmen. Und bitte nicht so tun, als ob die Ost-CDU die Quelle allen Übels in der DDR war. Die CDU-, LDPD und NDPD-Blockflöten waren im Wesentlichen peinliche, dumme Mitläufer und die Parteien ohne großes Vermögen. Die SED/PDS/Linkspartei hingegen waren Täter und Anstifter nicht nur der Mauermörder: Und die „Linke“ ist genau deren Nachfahre.

18.30

Dass Sie bei der Ost-CDU von „peinlichen und dummen Mitläufern“ sprechen, spricht von einem etwas merkwürdigen Verständnis der DDR-Hierarchien. Die Ost-CDU hatte fast 140.000 Mitglieder und ein Vermögen von heute umgerechnet mehreren Millionen Euro. Viele von ihnen waren Informanten der Stasi. Die Ost-CDU hat zweifelsfrei im totalitären System der SED-Diktatur aktiv mitgewirkt. Und die jetzige CDU möchte sich daran lieber nicht erinnern, sondern pflegt weiterhin von jeder Realität losgelöst ihre pauschale Feindseligkeit gegenüber der Linkspartei.

18.51

Wie gesagt – Sie betreiben einen prima Whataboutismus, um von den Verbrechen der SED/Linkspartei abzulenken. Übrigens setze ich „demokratischen Sozialismus“ und das faschistische Pendant nicht „gleich“. Ich halte beides für völlig absurd. Beides existiert schlicht nicht, weil beide Ismen totalitär sind. Und bitte keine Belehrungen über das DDR-System. Ich hatte das „Vergnügen“ es mitzuerleben – und genau deswegen möchte ich nicht, dass auch nur ansatzweise „Sozialismus“ und ähnliche totalitäre Ideen noch einmal eine Chance bekommen.

19.05

Da hat die CDU sicher andere Ideen: Ihr Unvereinbarkeitsbeschluss ignoriert nicht nur die Realität, er setzt Linke und AfD auf eine Stufe, was angesichts der immer wieder öffentlich geäußerten Geschichtsklitterung von Björn Höcke oder anderer AfD-Granden schon skandalös ist. Dabei arbeiten Linke und CDU auf kommunaler Ebene oft schon zusammen. Der Unvereinbarkeitsbeschluss wirkt heuchlerisch. Die CDU steht sich damit selbst im Wege, wie die Causa Thüringen gezeigt hat.

15.01

Linke und AfD stehen auf einer Stufe. Angesichts der Leute in den Reihen der Linkspartei und der jüngsten skandalösen „Strategiekonferenz“ steht das außer Frage. Schauen Sie sich die Inhalte dort an, schauen Sie sich an, wer da etwa in Thüringen in der Landtagsfraktion sitzt. Alte SED-Kader, Offiziere der Grenztruppen, der Knastwärter der DDR eben. Die Linke will einen Umsturz dieser Gesellschaft. Wenn die CDU mit solchen Figuren zusammen arbeitet, macht sie sich damit definitiv unwählbar.

17.30

Sie reden von den paar zurückgebliebenen Ex-SED-Kadern in der Linken. Aber so zu tun, als präsentierten die Die Linke, ist ebenso falsch wie zu behaupten, die problemlos in der CDU aufgegangene Blockpartei „Ost-CDU“ bestimmte nun deren Politik.

17.41

Was für ein sauberer Whataboutismus! 1. Natürlich haben die Einfluss, noch immer. Sie sind fest verankert. Schauen Sie mal in Thüringen in die Fraktion. 2. Der Ungeist der SED wird durch sie fortgeschrieben. Das konnte man 3. auf der „Strategiekonferenz“ studieren. Da wurde offen von der Erschießung von „Reichen“ und ihrer Heranziehung zur Zwangsarbeit schwadroniert. Der Reader der Veranstaltung wimmelt von Worten wie „Systemwechsel“ und „Sozialismus“. Nix „Unterstellung“, Herr Kollege. Das sind harte Fakten. Die Linkspartei ist keine demokratische Partei – und, um den Bogen zu schließen: Mit der kann und soll die CDU so wenig zusammenarbeiten wie mit der NPD oder der AfD. Sonst ist sie in der Tat überflüssig.

17.55

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