Frage: Die Aktienkurse sind im Zuge der Corona-Krise drastisch gefallen. Sollte ich jetzt schnell meine Aktien verkaufen?
Brömstrup: Auf keinen Fall. Vom Börsenzyklus her sind wir bereits inmitten eines Bärenmarktes, also Kursverlusten von mehr als 20 Prozent, so dass meines Erachtens ein Totalverkauf jetzt zu spät ist. In dieser Phase regiert Angst, Panik und Ärger. Aber: Es kommt jetzt tatsächlich auf jeden Wert im Einzelnen an. Man muss noch genauer hinschauen als vorher. So dürfte ein Pharma- oder Ernährungswert die Krise insgesamt besser durchstehen können als konjunkturempfindlichere Werte.
Frage: Wie man etwa am Dax erkennen kann, hat sich der Aktienmarkt zuletzt wieder etwas stabilisiert. Was halten Sie davon, jetzt in dieser Phase mit vergleichsweise günstigen Kursen nachzukaufen?
Brömstrup: Ja, auch wir liegen auf der Lauer. Wir wissen aber auch, dass es in einer abschließenden ,Kapitulationsphase’ noch einmal nahe oder sogar leicht unter die 8300 Punkte im Dax fallen kann. Dies wäre nicht ungewöhnlich für Crash-Zeiten, sondern entspräche sogar einem idealtypischen Verlauf. Dennoch, den tiefsten Kurs erwischt man eh nie. Deshalb ist ein sukzessiver Einstieg, vielleicht von jetzt zehn bis 20 Prozent des zur Verfügung stehenden Kapitals, die goldrichtige Entscheidung. Wichtig: Man muss für sich einen eigenen Fahrplan im Kopf entwickeln und seiner langfristigen Strategie auch möglichst treu bleiben. Und: Das Geld muss langfristig ,über’ sein. Es darf nicht für lebenswichtige Dinge oder wichtige Anschaffungen benötigt werden.

Was der OLB-Experte zur konjunkturellen Entwicklung sagt

„Das Coronavirus hat die Gesellschaften und Finanzmärkte fest im Griff. Während sich in Asien in beiden Punkten eine Besserung abzeichnet, sind Europa und die USA nach wie vor in Aufruhr. Die Erholung wird Zeit in Anspruch nehmen, sodass erst in zwölf bis achtzehn Monaten mit einer Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität gerechnet werden kann.

In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Virusausbreitung Ende April den Höhepunkt in Deutschland und hoffentlich auch in Südeuropa erreicht hat. Bereits Anfang/Mitte Mai sollten wir dann wieder erste Schritte Richtung Wirtschaftswiederbelebung sehen und den Corona-Exit mit aller Vorsicht wagen. Die umfassenden fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen werden die Wirtschaft dabei unterstützen. Was wir dann brauchen, ist eine Art Aufbruchstimmung, die Krise schnell überwinden zu wollen, um auch viele Arbeitsplätze zu sichern.“

Frage: Was raten Sie längerfristig orientierten Anlegern, die etwa Geld in einen Fondssparplan gesteckt haben?
Brömstrup: Auf jeden Fall weiter besparen, denn mit positivem Blick in die Zukunft kauft der Sparer ja gerade jetzt kostengünstig am Markt ein. Wir nennen das ,cost average’, also Durchschnittskostenprinzip. Bei monatlich gleicher Sparrate kauft der Anleger zu tiefen Kursen relativ mehr Stücke ein als zu hohen Kursen. Wir raten sogar dazu, jetzt die Sparrate zu erhöhen, wenn möglich. Im billigen Einkauf liegt der zukünftige Gewinn.
Frage: Gibt es in diesen Tagen überhaupt etwas, in das man guten Gewissens investieren kann?
Brömstrup: Für uns sind und bleiben reale Werte wie Aktien, Gold oder Immobilien in einem gut gemischten Verhältnis immer noch die besten Investitionen in der Zukunft. Denn sichere Zinsen wird es nun erst recht nicht mehr geben. Zudem haben Investitionen langfristigen Charakter und sind von Spekulationen strikt zu trennen. Das haben trotz aller Krisen die letzten zwei Jahrzehnte bewiesen. Und ich nehme sicher an, dass wir auch in fünf Jahren noch mit Smartphones umherlaufen und vielleicht dann auch mit E-Autos fahren werden. Die langfristigen Trends der Digitalisierung, der Gesundheit und des nachhaltigen Lebens werden nun erst recht nach dieser Krise an Tempo gewinnen.
Frage: Wenn Sie heute 10 000 Euro mittelfristig anlegen sollten, wie würden sie investieren?
Brömstrup: Das hängt natürlich von jedem Anleger individuell ab. Ist er oder sie aber durchaus risikobereit und könnte das Geld für mindestens fünf Jahre zurücklegen, dann würde ich jetzt jeweils 2000 Euro in international agierende und breit streuende Weltaktien- und Anleihefonds investieren. Dazu würde ich jeweils 1000 Euro in Gold und Immobilienfonds legen und den Rest, also 4000 Euro, zunächst in Liquidität parken und dann sukzessiv über einen längeren Zeitraum in sogenannte Mischfonds ansparen. Hier gibt es Fondsmanager, die auch in dieser schwierigen Zeit einen richtig guten Job gemacht haben. „Mischen is possible“.
Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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