Übergang zur B211 blockiert
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 8 Minuten.

Unfall Auf Der A29
Übergang zur B211 blockiert

Wangerooge Mitten ins Sommerloch platzte Bürgermeister Berthold Tuitjer von Baltrum vor drei Jahren mit der Überlegung, das „Dornröschen der Nordsee“ wach zu küssen und per Seilbahn mit dem Festland zu verbinden. Das sicherte ihm hohe Aufmerksamkeit im Fernsehen und in der überregionalen Presse. Seinem Seilbahnprojekt gibt er mittlerweile den Status „Traumschloss“, der Traum vom „mal eben rüberfahren“ scheint geplatzt zu sein. „In den Gremien stehe ich mit meiner Idee allein“, räumt er ein.

Für 8 Millionen Mark

hätte Wangerooge damals Folgendes bekommen:
 den Bau einer Seilbahn

zwischen der Insel und dem Festland
 oder: die einmalige Ausbaggerung und Verlängerung des Außentiefs der Harle bei gleichzeitiger Ausbaggerung eines Kanals vom Westende bis zum Westrand.


 oder: vier Luftkissenboote – ein Boot/38 Plätze kostete etwa 1,7 Millionen DM.

Dabei ist die Idee von vorgestern und wurde schon 1969 auf Wangerooge ernsthaft diskutiert. Das Vorhaben verschwand jedoch in den Schubladen und wurde mit dem Mantel des Schweigens bedeckt.

Der spätere NWZ-Chefredakteur Bode Schulte berichtete am 27. September 1967 erstmals von den Überlegungen, die Professor Dr. Ing. Kracke von der Universität Hannover im Auftrag der Gemeinde Wangerooge auf technische Machbarkeit prüfen sollte. Gemeinde- und Kurdirektor Willy Boberg galt als Vater der Idee.

Das Projekt sei keine Utopie, sagte damals der Professor. Für die rund zehn Kilometer lange Strecke zwischen Harle und Wangerooge seien Masten im Abstand von 300 Metern zu errichten. Die Fahrzeit der 20 Personen fassenden Gondeln würde 35 Minuten betragen, ergänzte Oberingenieur Otto Werner, Konstrukteur eines Kölner Unternehmens für Fördertechnik. Die Kosten wurden mit acht Millionen Mark beziffert. „Seilbahn kann das Watt überbrücken“ überschrieb Bode Schulte den Bericht vom 18. Oktober 1969.

Mit der Seilbahn nach Baltrum – also ein alter Hut! Bürgermeister Tuitjer wurde wenige Wochen nach seinem Vorstoß vom Gemeinderat zurückgepfiffen. Alle Planungen wurden gestoppt. Für den Bau wären fünf Masten mit einer Höhe von 65 Metern ins Watt zu rammen gewesen. Die Fahrtzeit sollte zehn Minuten betragen und das Projekt sollte 19 Millionen Euro kosten.

Gleichwohl kämpft Tuitjer weiter für seine Idee, wenn auch allein. Ende nächsten Jahres wird auf Baltrum neu gewählt. Ob der Amtsinhaber wieder antritt, wird wohl auch davon abhängen, ob er bis dahin Mitstreiter für seine Zukunftsvision gewinnen kann. Die Pläne hat er noch nicht begraben.

Das Thema Erreichbarkeit kocht auf Wangerooge in schöner Regelmäßigkeit hoch, besonders in Wahljahren. Dann reisen Bundes- und Landtagsabgeordnete sowie Minister jedweder Couleur mit Vorliebe zur Insel, um medienwirksam dort zu versprechen, dass sich etwas ändern wird. Das sind abgedroschene Worthülsen, die seit Jahrzehnten zu hören sind.

„Staatssekretär Karl Wittrock hielt es für möglich, dass sich der Bund an einem tideunabhängigen Verkehr für Wangerooge finanziell beteiligt“, heißt es in einem NWZ-Artikel vom 11. November 1969. Mit ähnlich lautenden Zusagen könnte man die Zedeliusstraße pflastern.

Erörtert wurde im Gemeinderat damals auch der Verkehr mit Luftkissenbooten (Hoovercraft). Im August 1965 wurde ein mehrtägiger Probebetrieb abgewickelt, initiiert von Reeder Cassens Eils, der Legende des Nordseebäder-Schiffsverkehrs.

Bürgermeister Hermann Janßen nannte in der Ratssitzung die extreme Lärmbelästigung unzumutbar. Ratsherr Hans-Jürgen Jürgens meinte einem Bericht des Berichterstatters Willi Grünewälder zufolge: „Beim Krach kann es nicht bleiben, aber es muss bei dem Luftkissenboot bleiben.“

Lesen Sie auch:
Bald mit der Seilbahn nach Baltrum?
Große Pläne Für Kleine Insel
Bald mit der Seilbahn nach Baltrum?

Apropos Seilbahn: Seit 1969 verkehrt eine Seilbahn zwischen der irischen Halbinsel Beara und Dursey Island im Atlantik. Die Dursey Cablecar hat eine Kapazität von sechs Menschen, sechs Schafen oder einer Kuh. Grundsätzlich haben Viehtransporte Vorrang. Außerdem haben Inselbewohner, Futter und Baumaterialien Vorrang vor Touristen. Die Fahrzeit für die 360 Meter lange Strecke liegt bei rund zehn Minuten.

Die Seilbahn dürfte die einzige Luftseilbahn der Welt sein, bei der Viehtransporte Beförderungspriorität genießen. Während die zulässige Nutzlast von 544 Kilogramm für sechs Personen großzügig bemessen ist (90 kg/Person), wird sie von einer Kuh voll beansprucht.

Deutsche TÜV-Kriterien erfüllt die in die Jahre gekommene Anlage wohl nicht, sie wird jedoch jährlich von der zuständigen Versicherung überprüft. In der Kabine dienen ein Fläschchen Weihwasser und ein Aushang von Psalm 91 der Beruhigung ängstlicher Fahrgäste: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“

Käme es zum Bau einer Seilbahn für Wangerooge, wäre auch der jährliche „Almabtrieb“ des wangerländischen Bauern Menz Willms (Rickelhausen) nur noch Geschichte.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Weitere exklusive Plus-Artikel

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.