Oldenburg Neun Jahre Freiheitsstrafe, untergebracht in einem psychiatrischen Krankenhaus – so lautete Ende 2018 das Urteil für den sogenannten „Messerstecher“, der neun Monate zuvor in der Bergstraße einen 17-jährigen Schüler brutal niedergestochen und so fast getötet hatte.

Am Dienstag (also acht Monate nach dem Prozessende) hat der Bundesgerichtshof nun das Oldenburger Urteil bestätigt, die Revision damit verworfen. Mindestens dem nahen Umfeld des damaligen jungen Zufallsopfers dürfte diese Entscheidung ein wenig Genugtuung bringen. Denn der Schüler hatte den Angriff wie durch ein Wunder überlebt, musste aber zahllose Notoperationen und ein Wachkoma durchstehen. Monatelang hatten Ärzte und Opfer ums Leben gekämpft. Letztlich mit Erfolg.

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Aber: Tat und Prozess hatten für viel Aufsehen, vor allem aber Aufregung gesorgt. Als der 30-jährige Täter aus Oldenburg direkt nach dem Urteil durch seinen Verteidiger eine Revision ankündigen ließ, rief das reichlich Unverständnis hervor – nicht nur bei der Familie des Opfers. Dass der Mann, ein in Eversten beheimateter Ex-Chemiestudent, für alle zivilrechtlichen Ansprüche seines Opfers „umfassend und ohne Einschränkung“ aufkommen wollte, war da sicher nur ein Part der Aufarbeitung dieses schrecklichen Vorfalls. Denn trotz seinerzeit erdrückender Indizien – so die Kleidung und Funkzellendaten zur Tatzeit, das Phantombild und zielführende Zeugenhinweise, die Online-Bestellung der Tatwaffe, eine verstörende Liste an Suchbegriffen wie „Messerkampfkunst“ und andere auf dessen Computer, die einstudierte Waffenführung, ein zerlegtes Handy und Lügen – blieb der 30-Jährige im Prozess regungs- und weitestgehend sprachlos. Jetzt hat der Bundesgerichtshof gesprochen. Final.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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