Edewecht Es war ein aufsehenerregender Unfall, über den NWZonline im vergangenen Februar berichtete: Ein 69-Jähriger war samt Fahrzeug im Küstenkanal beim Torfwerk in Edewecht gelandet. Passiert wäre das Ganze, weil er – im Dunkeln und bei leichtem Regen – seinem Navigationsgerät zu sehr vertraut hätte, hatte der unterkühlte, aber ansonsten nicht verletzte Unfallfahrer erklärt.

Dieser Fall hat nun „Die Versicherungsdetektive“ beschäftigt. Dabei handelt es sich um ein Fernsehformat des Senders RTL, bei dem Verdachtsfälle von Versicherungsbetrug untersucht und auf Plausibilität und Wahrheitsgehalt überprüft werden. Zu den Untersuchungsmethoden zählen laut RTL Hausbesuche, Szenennachstellungen und Beschädigungstests.

Die Versicherungsdetektive Timo Heitmann (links) und Patrick Hufen Bild: MG RTL D

In letzter Sekunde habe sich der Mann durch das Seitenfenster aus dem sinkenden Auto und schwimmend an Land retten können. Doch wie könne jemand in so einer lebensgefährlichen Situation die Lässigkeit besitzen, zuerst nach den persönlichen Papieren im Handschuhfach zu greifen, ehe er sich im eiskalten Wasser durch ein Seitenfenster rettet? Dieser Frage ist „Versicherungsdetektiv“ Patrick Hufen in der am Sonntagabend ausgestrahlten Folge auf den Grund gegangen.

Schließlich geht es um eine beträchtliche Summe Geld: An dem beschädigten und mit Wasser vollgelaufenen Pkw entstand wirtschaftlicher Totalschaden, der Zeitwert des Wagen wurde auf 18.000 Euro beziffert. Hinzu kommen 2000 Euro Bergungskosten. Einsatztaucher der DLRG waren damals mit mehreren Einsatzfahrzeugen und Booten der Ortsgruppen Friesoythe, Saterland und Bad Zwischenahn an der Aktion beteiligt, der Schiffsverkehr auf dem Küstenkanal war eingestellt worden. Die Bergung gestaltete sich als kompliziert und langwierig.

Ein großer Kranwagen musste damals angefordert werden, um das Auto an Land heben zu können. Archivbild: Andre van Elten

Nachstellen des Szenarios

Patrick Hufen fährt die Strecke zunächst im Dunkeln mit seinem eigenen Wagen ab. „Du siehst ja nix“, stellt er dabei fest, „da hinten siehst du die Straße, da denkst du: Vielleicht kommst du da irgendwie hin. Da siehst du null.“ Da könne man durchaus die Orientierung verlieren – oder eben völlig unbeobachtet mit Absicht ein Auto im Kanal versenken. „Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass ein Navi hier sagt: Fahr geradeaus.“

Um zu testen, ob die Geschichte vom verrücktspielenden Navi stimmt, fährt Hufen mit dem Unfallfahrer, einem pensionierten Elektroingenieur, in einem baugleichen Auto die Strecke entlang. Dass er damals im Wasser nicht in Panik verfiel, sondern sogar noch nach seinen Papieren griff, begründet der 70-Jährige damit, dass er viel mit unterschiedlichen Booten gefahren sei.

Überhaupt kann der Unfallfahrer alle Fragen sehr präzise beantworten – ohne zu zögern. Und in der Tat lotst das Navi die Männer fälschlicherweise auf das Gewerbegebiet, auf dem sich der Mann im Februar in der Dunkelheit zwischen den Torfbergen verirrt hatte.

Die Erlösung

„Oooh, bitte Stopp! Kein zweites Mal!“, ruft der Mann, als er mit dem Versicherungsdetektiv auf die Hafenkante zusteuert. „Ich erlöse Sie, ich glaube Ihnen, dass es so gewesen ist“, sagt Hufen zum Unfallfahrer. Die Überweisung werde er sofort fertigmachen.

„Das war sicherlich einer meiner spektakulärsten Fälle“, resümiert Hufen am Ende. Ausschlaggebend sei für ihn letztlich das Navi gewesen. „Ich bin mir ganz sicher, dass es genau so gewesen ist. Letztlich kann der Mann froh sein, dass er mit dem Leben davongekommen ist.“

Jantje Ziegeler Redakteurin / Online-Redaktion
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