Oldenburg Der Brand in der Kirche St. Bartholomäus in Brake-Golzwarden hat der Versicherungsgruppe „Öffentliche Oldenburg“ den höchsten Schaden des Jahres 2019 beschert: rund vier Millionen Euro, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Ulrich Knemeyer am Mittwoch erläuterte. Es könne bei der Endabrechnung „aber auch noch mehr werden“. Es hätten sich „besonders teure Effekte ergeben, sagte er mit Blick auf die Arp-Schnitger-Orgel aus dem 18. Jahrhundert.

Die Brand-Experten der Öffentlichen hatten es im Hitzejahr 2019 mit besonders vielen Groß-Schäden zu tun – darunter ein Geflügel-Zerlegebetrieb in Holdorf (1,5 Millionen Euro) und eine Möbeltischlerei in Varel (2,3 Mio. Euro). Insgesamt kamen durch Feuer-Schäden 27,4 Millionen Euro zusammen – ein Rekord.

Der Versicherungs-Chef nahm es mit seinen Vorstandskollegen Angelika Müller und Jürgen Müllender gelassen: Seit mehr als 250 Jahren sei die Oldenburgische Landesbrandkasse, eines der beiden Standbeine der Öffentlichen, „ja dafür da“, solche Schäden auszugleichen. Aber die Häufung überrasche nun.

Brände könnten ganz unterschiedliche Ursachen haben – von Brandstiftung über Entzündung von Sägespänen und Stallmaterial bis hin zu nicht fachmännisch installierten Elektroanlagen. Aus den Fällen werden jeweils möglichst Konsequenzen für die Prävention gezogen.

So auch beim Fall Golzwarden: „Wir gehen hin und nehmen die Kirchen genauer unter die Lupe“, erläuterte Knemeyer. Oft gebe es „die eine oder andere Möglichkeit, etwas am Brandschutz zu verbessern“. Fast alle Kirchen im Oldenburger Land – dem Geschäftsgebiet der „Öffentliche Oldenburg“ – seien über Rahmenverträge bei der Landesbrandkasse versichert, hieß es.

Jedes fünfte Auto

Ebenfalls sehr hoch ist der Marktanteil bei der Fahrzeugversicherung mit 161 000 Autos, Mofas, Anhängern, Traktoren usw.. „21 Prozent, also rund jedes fünfte Fahrzeug im Oldenburger Land, ist bei uns“, freute sich Jürgen Müllender. Interessiert verfolgt man den Trend zu Elektroautos. Sie würden zu den gleichen Konditionen versichert – nach Leistungsstärke und weiteren Faktoren. Zurzeit liegt der E-Auto-Anteil noch bei unter einem Prozent. „Aber wir sammeln unter Versicherungsaspekten Einschätzungen“, sagte Ulrich Knemeyer. Bisher zeichne sich ab: Es gibt weniger Schäden, denn E-Autos­ werden eher in der Stadt benutzt und finden (an Ladesäulen) ohne großes Rangieren einen Parkplatz. Und: E-Autos­ brennen nicht häufiger, der Schadenaufwand könne aber u.U. sehr hoch sein, etwa bei der Batterie. Sie kann Teil des Kasko-Schutzes sein.

Garantie unter 1 Prozent

Bei der Öffentlichen Lebensversicherungsanstalt Oldenburg – zweites Standbein der „Öffentliche Oldenburg“ – sollen auch 2020 neue Angebote zur Altersvorsorge Thema sein, privat und betrieblich. Wegen Niedrigst-Zinsen und steigender Lebenserwartung müsse mehr getan werden, hieß es. „Wir haben eine Reihe von Innovationen“, erläuterte Knemeyer. Konkret: Die klassische Lebensversicherung mit Garantie-Verzinsung (nun deutlich unter 1 Prozent) ist bei den Neuabschlüssen in die Minderheit geraten. Bei neuen Varianten werden im Prinzip nur die Einzahlungen garantiert. Genutzt werde eine „Reihe von geeigneten Fonds, die weltweit Kapitalanlage-Chancen nutzen, um Rendite zu erzielen“, sagte Knemeyer. 2019 zahlten die Kunden 91,8 Mio. Euro an Beiträgen an die Lebensversicherungssparte – plus 12,3 Prozent.

Viel Geld für Region

Irgendwann werden solche Verträge fällig oder zurückgekauft – das bedeutet Schub für die Kaufkraft in der Region. Denn allein 2019 flossen 73,5 Millionen Euro zurück an die Kunden, erläuterte Vorstandsmitglied Angelika Müller.

Die „Öffentliche“, deren Träger der Sparkassenverband Niedersachsen und die Landschaftliche Brandkasse Hannover (je 45 Prozent) sowie das Land (10) sind, investiert auch kräftig. Aktuell laufen Planungen für eine neue Zentrale an der Oldenburger Moslestraße. Angepeilt wird ein Architektenwettbewerb. Man sei in Kontakt mit der Stadt.

Wie viele Verträge?

988 733

Verträge hatte die Öffentliche Oldenburg Ende 2019 im Bestand – gut 4000 weniger als 2018. Bei der Oldenburgischen Landesbrandkasse sank die Zahl der Policen (Verträge) auf 867 853 (Vorjahr: 875 911). Bei der Öffentlichen Lebensversicherungsanstalt Oldenburg stieg die Zahl der Verträge von 1116 866 auf 120 880.  Der Hintergrund: Die Landesbrandkasse trennte sich von Geschäften, die für sie nicht rentabel sind. Dies wurde durch mehr Verträge in der Lebensversicherungssparte teils ausgeglichen. Dazu gehört auch die betriebliche Altersvorsorge. Das heißt: Man schließt einen Vertrag über die Firma ab. Diese gibt idealerweise Zuschüsse.

Was Kunden einzahlten

259,6

Millionen Euro zahlten die Kunden an „Gebuchten Bruttobeiträgen“ ein. Das sind Versicherungsbeiträge – ein Rekordwert (zuvor 246 Mio.)  Wohin mit dem Geld? Die Masse der eingezahlten Versicherungsbeiträge werden in den Sachversicherungen zur Begleichung von Schäden verwendet. 2019 waren das 127,6 (Vorjahr: 117,8) Mio. Euro. Die „Schadenquote“ (Anteil des Schadenaufwands an den Beitragseinnahmen) betrug 77 Prozent. Die Lebensversicherung nutzt den Großteil der Kunden-Beiträge für den Aufbau von Kapital für spätere Auszahlungen. Ein Teil der eingezahlten Beiträge geht für Verwaltungsaufwand drauf.

Der Kapital-Berg

1,58     

Mrd.     Euro hat die Öffentliche Oldenburg angehäuft (2019: plus 39 Millionen Euro). Die Kapitalanlage hat man mit dem Verbund-Partner VGH (Hannover) zusammengelegt. Dieser verwaltet rund 20 Milliarden Euro, oft über Fonds.  Herausforderung: Für Rentenpapiere – wie Staatsanleihen – gibt es keine Zinsen mehr. Wichtiger werden Anlagen in Immobilien und Beteiligungen. Und: Immer stärker wird auf „Sustainable Finance“ geachtet. Gemeint ist Nachhaltigkeit (Umweltaspekte).

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81 000

Mittagessen wurden 2019 in der neu gestalteten Kantine der Öffentlichen ausgegeben. Sie ist öffentlich zugänglich, wie auch das „Cafe Ö“ (15 000 Besucher), erklärte Pressesprecherin Pia Marie Wenholz. Die Öffentliche hat selbst rund 700 Mitarbeiter (in Zentrale und 80 Filialen)

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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