Friesoythe Frische Milch, direkt von der Kuh – das gibt es beim Hof Kösters in Friesoythe. 2015 hat der Landwirt Stephan Kösters den Milchautomaten aufgestellt.

Seitdem kann dort jeder rund um die Uhr Milch zapfen. Abends um 23 Uhr oder morgens um 4 Uhr schnell einen Liter Milch besorgen? „Das kommt schon vor“, weiß Kösters. Viele Milchautomaten sind rund um die Uhr zugänglich, manche aber auch nur tagsüber.

Die Abnahme schwankt jedoch zum Teil stark. Im Winter zum Beispiel war der Automat für einige Zeit geschlossen, im Sommer kommen wieder deutlich mehr, gerade in den Ferien. „Eltern machen hier zum Beispiel einen Ausflug mit ihren Kindern hin.“ Der Großteil der Milch, die seine 80 Kühe täglich geben, geht nach wie vor an die Molkereien.

Gut für die Umwelt

Mit Milch aus dem Automaten ist es ganz einfach, Müll zu vermeiden: Es wird nämlich (so gut wie) keiner produziert. Wer Milch abzapfen möchte, kann sein eigenes Gefäß mitbringen. Wer kein passendes Gefäß besitzt, kann für zwei Euro eine Glasflasche aus dem nebenstehenden Automaten ziehen. Passende Flaschendeckel kann man, wenn nötig, einzeln nachkaufen. Und sollte jemand keinen ganzen Liter Milch benötigen – auch gar kein Problem: Die Mindestabnahme beträgt einen halben Liter, darüber hinaus ist die Menge ganz variabel. Manche zum Beispiel bringen ganze Kannen mit. Wofür benötigen sie so große Mengen? „Um selber Käse zu machen“, weiß Kösters. Denn das geht nur mit Rohmilch.

Rohmilch

Beim Produkt aus dem Automaten handelt es sich um Rohmilch. Im Automaten muss sie regelmäßig gerührt werden, um ein Absetzen des Fetts zu verhindern.

Rohmilch kann unerwünschte Bakterien enthalten. Darauf weist die Verbraucherzentrale Niedersachsen hin. Vor dem Verzehr sollte Rohmilch daher erhitzt werden. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Milch 20 bis 30 Sekunden auf mindestens 72 Grad zu erhitzen. Wer sein eigenes Gefäß mitbringt, sollte zudem darauf achten, dass dies gut gereinigt ist.

Die Milch selbst in einer kleinen eigenen Molkerei weiterzuverarbeiten – mit dem Gedanken hat Kösters auch schon gespielt. Joghurt oder Trinkjoghurt zum Beispiel würde er auch gerne verkaufen. Doch der Absatz der Milch ist (noch) nicht so groß, dass er diese zusätzlichen Produkte mit aufnimmt. Daher bleibt er erst einmal bei seinem Milchautomaten.

So funktioniert es

Doch wie funktioniert der Automat eigentlich? „Sofort nach dem Melken wird die Milch runtergekühlt“, erklärt Stephan Kösters. Vom Melkstand fließt die Rohmilch in den Kühltank, der rund 6000 Liter fasst. Rund eine Stunde dauert es, dann kann die Flüssigkeit in ein kleineres 200-Liter-Fass umgefüllt und zum Automaten gebracht werden. Hier wird die Milch weitergekühlt und einmal stündlich für fünf Minuten umgerührt, „damit sich das Fett nicht absetzt“, erklärt Kösters.

Möchte nun jemand Milch kaufen, muss zunächst Geld eingeworfen werden. Dann wird der mitgebrachte oder gekaufte Behälter unter den Hahn gehalten. „Die Flasche muss man etwas schräg halten“, erklärt Kösters, denn die Milch schäumt sonst sehr stark und läuft über.

Milchautomaten


 Hof der Familie Kösters, Friesoythe, Zum Heidehof 3
 Hof der Familie Baumann, Carolinenhof, Carolinenhofstraße 11
 Hof der Familie Rauert, Ramsloh, Am Ostermoor 123
 Hof der Familie Bohlsen, Neuscharrel, Alte Hauptstraße 21

Aus dem Zapfhahn kommt automatisch ein Liter Milch raus. Wer weniger benötigt, drückt einfach den Stoppknopf. Der Automat gibt auch Wechselgeld.

Nach dem Abzapfen hält sich die Milch ungefähr drei Tage. Bevor sie verwendet wird, sollte sie erhitzt werden, da Rohmilch unerwünschte Bakterien enthalten kann.

Kühe haben freie Wahl

Die Kühe, die die Milch geben, stehen sowohl im Stall als auch auf der Weide. Gerade bei hohen Temperaturen, wie zum Beispiel im vergangenen Sommer, liegen sie jedoch lieber im Schatten oder bleiben einfach gleich drinnen.

Draußen auf der Weide können sie direkt das Gras fressen, das dort wächst. „Das meiste Futter produzieren wir selbst“, erklärt Kösters. Die Tiere bekommen Grassilage (Gärfutter). Das führte im vergangenen Jahr jedoch auch zu Problemen.

Die Tiere bekommen vor allem Gras von eigenen Feldern – der Sommer 2018 war jedoch sehr trocken, das Gras wuchs nicht richtig und vertrocknete. Zwar hatten Kösters noch Heureserven und konnten auch Maissilage zukaufen, doch gereicht hat es nicht ganz. „Wir haben über 20 Hektar zugekauft, das müssen wir sonst nicht.“ Damit werden nicht nur die Kühe, sondern auch die Bullen versorgt, die auf dem Hof gehalten werden.

Da die Grasernte im vergangenen Jahr schlechter als sonst ausgefallen ist, macht dem Landwirt auch die anhaltende Trockenheit Sorgen. Zwar hat es zwischendurch immer mal wieder geregnet – doch ausreichend war das nicht. Kösters hofft, dass der Sommer nicht so heiß und trocken wird, wie 2018 – die Kühe vermutlich auch.


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Manuela Wolbers Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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