Oldenburg /Friesoythe Selbstbewusst und mit einem Lächeln auf den Lippen steht Jacqueline Lüschen in einem Park in Oldenburg. Die 28-Jährige fühlt sich wohl in ihrem Körper. Doch das war nicht immer so: 20 Kilogramm hat sie in den vergangenen neun Monaten verloren. Der Grund: in wenigen Wochen wird die gebürtige Oldenburgerin vor den Traualtar schreiten.

„Im Mai vergangenen Jahres habe ich den Antrag bekommen“, sagt sie. Schon in der Vergangenheit waren Diäten immer ein Thema – mit mal mehr, mal weniger großem Erfolg. „Natürlich hatte ich nach dem Antrag gleich wieder ans Abnehmen gedacht.“ Auch, um besser in ihrem Kleid auszusehen.

Messe als Auslöser

Doch die Monate vergingen, ohne dass sich etwas tat. Die Motivation, nun wirklich abzunehmen, kam dann im September auf einer Hochzeitsmesse. „Ich habe mich nicht getraut, die Kleider anzuprobieren“, sagt Jacqueline Lüschen. Zu groß sei die Angst gewesen, nicht hineinzupassen. Also vereinbarte sie einen Termin für eine Brautkleidanprobe für Mitte November. Der Druck wuchs.

„Ende Oktober habe ich dann mit Sport im Fitnessstudio begonnen“, sagt die 28-Jährige, die im Geschäftskunden-Marketing der Nordwest-Zeitung arbeitet. Dabei waren auch ihre Eltern und Schwester Michelle eine große Hilfe. „Die haben mich zusätzlich motiviert – das war für den Einstieg super.“ Und: „Ich hatte ein Ziel im Kopf.“

Bereits nach kurzer Zeit stellten sich die ersten Erfolge ein. „Ich habe gemerkt, dass es mir körperlich besser geht.“ Dafür sorgte auch ein strenges Programm mit jeweils eineinhalb Stunden Cardio- und Zirkeltraining. Und das drei- bis viermal wöchentlich.

Gibt es Frauen, die wie die 28-jährige zur Hochzeit ein paar Pfunde verlieren wollen, öfters? „Natürlich – es gibt dabei die, die das offiziell sagen, aber auch Frauen, die das eher heimlich machen, sagt Tobias Schmedt, Clubmanager von Fitness First in Oldenburg. Die meisten Frauen würden rund ein dreiviertel bis halbes Jahr vor der Hochzeit mit dem Sport beginnen. Ist das Training überhaupt nachhaltig? „Natürlich wollen die Frauen zunächst einmal in ihr Hochzeitskleid passen, aber mit dem Training merken sie dann auch, dass ihre Rückenschmerzen verschwinden, sie besser einschlafen, und sie generell fitter sind – sie fühlen sich einfach besser“, sagt Schmedt. Durch diese gesamte Veränderung blieben viele Frauen auch nach ihrem großen Tag dabei.

Wichtig beim Abnehmen sei auch, die Ernährung anzupassen. „Es hilft nichts, wenn man sich hier abrackert und danach zum Fast-Food-Restaurant läuft“, weiß Schmedt. Die Erfolgschancen bestimme jede Frau selbst. Die Ziele müssten realistisch sein. Dabei sei eine Kombination aus Ausdauer- und Muskeltraining am besten geeignet, die Pfunde purzeln zu lassen.

Im November besuchte Jacquline Lüschen dann zum ersten Mal das Brautatelier in Bremen. „Das war so ein typischer Moment. Ich war gemeinsam mit meiner Mami, Schwester, Trauzeugin und noch einer Freundin dort und es gab Sekt, Kaffee und Kuchen.“ Gleich das vierte Kleid war ein Treffer. „Ich habe mich zwar noch nicht so wohl gefühlt – schließlich hatte ich gerade erst mit dem Sport begonnen –, aber trotzdem habe ich mich in dem Kleid schön gefühlt“, sagt sie.

Veränderte Komplimente

Trotzdem wollte sie weiter abnehmen und definierter aussehen. „Zwischendurch habe ich mir immer Bilder von dem Kleid angeschaut, mich im Spiegel betrachtet und überlegt, wie das Kleid wohl jetzt an mir aussieht“, beschreibt sie ihre Motivationsmethoden. „Das Kleid hing die ganze Zeit bei meinen Eltern, aber ich habe es nicht anprobiert – es sollte am Ende ein Wow-Moment werden.“ Auch ihr Freund unterstützte sie. „Natürlich kamen da die typischen Floskeln, dass er mich auch so hübsch finde, aber im Endeffekt habe ich ihn angesteckt und jetzt schleppt er sich mit ins Fitnessstudio – und ich bekomme andere Komplimente als früher“, sagt sie und lacht. Und auch die Reaktion auf der Social-Media-Plattform Instagram halfen: „Als ich gesehen habe, das ich andere motivieren kann, wollte ich mir und auch ihnen erst recht beweisen, das ich das schaffe.“

Nur ein kleines Tief habe es gegeben. „Die Weihnachtszeit war schwer – danach konnte ich quasi von vorne beginnen.“ Doch auch diese Hürde überwand die künftige Braut. „Jetzt wirft mich nichts mehr aus der Bahn.“ Zwischendurch gönne sie sich auch mal ein Eis. „Wenn man immer nur verzichtet, macht es irgendwann kein Spaß mehr.“ Ihre Methode neben dem Sport: klassisches Kalorienzählen. „Ich tracke alles und muss nicht hungern. Wenn ich Sport mache, kann ich auch mehr essen – auch das ist Motivation, zum Sport zu gehen.“ Und auch nach der Hochzeit will Jacqueline Lüschen ihr Programm zumindest in abgespeckter Form in ihrem Alltag integrieren.

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Erfahrung mit sich ändernden Figuren haben auch Brautausstatter: „Frauen wollen vor ihrer Hochzeit tendenziell abnehmen“, sagt Petra van Geldern, Inhaberin des Brautmodengeschäfts „Anne Liebe Brautatelier“ in Oldenburg. „Sie wollen zum schönsten Tag ihres Lebens das Beste aus sich herausholen und eifern dem Tag entgegen.“ Dabei gehe es eher um ein paar Wohlfühlkilos. „Tendenziell nehmen die Bräute zur Hochzeit hin stressbedingt noch einmal ab“, sagt van Geldern. „Deswegen sollte die finale Anprobe erst vier bis sechs Wochen vor der Hochzeit sein.“ Die Geschäftsführerin bestellt die Kleider zudem immer so, dass noch etwas Spielraum ist. „Es gibt ja auch Frauen, die kurz vor der Hochzeit schwanger werden – auch da sollte es Möglichkeiten geben.“

Ähnlich sieht es auch Frank Hanneken, Geschäftsführer den Braut- und Abendmodengeschäfts Hanneken in Friesoythe im Landkreis Cloppenburg. „Das Thema Hochzeitskleid ist meistens schon früh in Planung. Wir verkaufen jetzt schon Kleider für 2020.“ Dabei könne es durchaus vorkommen, dass die Braut jetzt eine Größe 42 trage und im kommenden Jahr eine 40. Auch Hanneken verweist auf die Anprobe ein paar Wochen vor der Hochzeit. „Die Kleider müssen meist sowieso etwas geändert werden – zum Beispiel passend zum Schuh abgestimmt sein.“

Verdutzte Schneiderin

Vor rund zwei Wochen dann der zweite große Tag für Jacqueline Lüschen: der Termin zum Abstecken war gekommen. „Es war einfach nur toll – ich war mit meiner Mami bei der Schneiderin.“ Diese habe total verdutzt geschaut. „Sie meinte nur, dass sie einiges wegschneiden müsse – genau das wollte ich hören“, sagt die 28-Jährige. „Das Kleid sieht jetzt noch viel schöner aus.“ Zwei Kleidergrößen, ganze zehn Zentimeter Umfang, hat die Oldenburgerin verloren. Aktuell wird ihr Kleid geändert.

Ende August wird Jacquline Lüschen erneut voll Selbstbewusstsein und strahlend schön sein. Spätestens dann werden die zahlreichen Stunden im Fitnessstudio vergessen sein. Vor dem Traualtar. In ihrem persönlichen Traumkleid.

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Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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