Aperberg „Mit dir komme ich gut klar.“ Martijn Kraaijenveld aus Aperberg erinnert sich noch sehr gut an die ersten Worte, die Tamme Hanken, der XXL-Ostfriese, zu ihm sagte. Neun Jahre liegt das nun zurück. Martijn, damals Auszubildender auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, habe mehr durch Zufall bei einer Veranstaltung auf dem Hanken-Hof im ostfriesischen Filsum ausgeholfen und den Ostfriesen dabei kennengelernt.

Schon kurze Zeit nach diesem ersten Treffen habe der bekannte Tier-Knochenbrecher sich telefonisch bei ihm gemeldet: „Hast du Lust, mich nach Bayern zu begleiten?“ hat Hanken den 20-Jährigen gefragt. Na klar!

„Ich habe mir eine Woche Urlaub genommen und bin mit Tamme nach Süddeutschland gefahren“, berichtet Martijn, inzwischen 29 Jahre alt, Ehemann und Vater zweier Kinder im Alter von sechs und zwei Jahren.

Ein anderes Leben

Die Reise nach Bayern stellte Martijns bisheriges Leben, der damals eine Ausbildung zum Landwirt absolvierte, auf den Kopf: Sie war der Auftakt zwei ganz besonderer Jahre. „Ich habe bei Tamme Hanken Tier-Knochenbrecher gelernt“, berichtet der gebürtige Niederländer. „Wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden, viel Spaß gehabt und auch hart gearbeitet.“ Um den aus zahllosen Fernsehbeiträgen bekannten XXL-Ostfriesen begleiten zu können und vieles von ihm zu lernen, unterbrach Martijn seine landwirtschaftliche Ausbildung. „Zum Schluss haben wir parallel eingerenkt und Hand in Hand gearbeitet.“ Es habe ihm gut gelegen, tierische Blockaden bei eingeklemmten Nerven zu lösen und in die richtige Bahn zu lenken. „Nervenimpulse kann man fühlen“, weiß der Familienvater.“

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In den zwei Jahren, in denen Martijn Kraaijenveld bei Tamme Hanken in die Lehre ging, war der Aperberger mit seinem Chef viel unterwegs. In ganz Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, in Frankreich bis hin nach Namibia haben Hanken und sein Schüler Tiere von nervlichen Beschwerden befreit.

Nur wenig Freizeit habe er damals gehabt, denn die Wochen waren vollgepackt mit Terminen: Von Montag bis Freitag war das Knochenbrecher-Team unterwegs zu Behandlungen, Samstag war „Kummertag“ auf dem Hanken-Hof in Filsum: „Die Leute kamen, wir haben teilweise bis in die Nacht behandelt, so voll war es“, sonntags stand oft der Besuch von Veranstaltungen an.

Vater-Sohn-Verhältnis

„Wir haben stets sehr lange Tage gehabt. Behandelt haben wir Pferde, Hunde, Ziegen, Hamster, Elefanten, Lamas, Alpakas, sogar Vögel und Schlangen“, berichtet der Aperberger, der seine Beziehung zu Tamme Hanken als sehr gut beschreibt – „wie ein tolles Vater-Sohn-Verhältnis.“

Über sie beide als gutes Team wurde auch in den Fernsehsendungen berichtet. „Da war nichts gestellt, das war ganz genauso. Wir sind bestens miteinander ausgekommen“, betont Martijn. „Ich konnte Tamme alles fragen und habe immer ausführliche Antworten bekommen.“

Von 2010 bis 2012 war der Landwirt, der sich immer noch gern an diese Zeit erinnert, bei Tamme Hanken. „Aus familiären Gründen musste ich die Zusammenarbeit beenden, weil meine Frau und ich unser erstes Kind erwarteten.“

Das harmonische und vielseitige Arbeitsverhältnis war beendet, aber die schöne und tiefe Freundschaft blieb bestehen. Die Tür zum Hanken-Hof habe ihm immer offen gestanden. „Noch zwei Wochen vor seinem Tod war ich bei Tamme. Wir haben geschnackt und ein Bier zusammen getrunken.“ Tamme Hanken war am 10. Oktober 2016 plötzlich verstorben, einen Tag später, am 11. Oktober 2016 wurde Martijn Kraaijenveld zum zweiten Mal Vater.

1999 war die Familie Kraaijenveld nach Deutschland gekommen, hatte einen landwirtschaftlichen Hof gekauft und betrieben. Damals war Martjin neun Jahre alt. Die Landwirtschaft prägte ihn, er wurde selbst Landwirt, machte seine Ausbildung auf verschiedenen Höfen und besuchte die Meisterschule. Vor gut vier Jahren hat der 29-Jährige, der auf dem Betrieb von Hans-Dieter Bruns in Godensholterweg arbeitet, mit seiner Frau Cornelia ein Haus in Aperberg gekauft und kernsaniert. Und natürlich wurde er Mitglied im Heimat- und Brauchtumspflege Aperberg, der alljährlich im August das traditionelle Kornmähen ausrichtet.

Wissen anwenden

Sein Wissen, das Martijn Kraaijenveld bei Tamme Hanken gelernt hat, wendet er bei Bedarf auch bei Tieren seines Arbeitgebers an. „Familie Bruns hat rund 160 Kühe mit Nachzucht und etwa 60 000 Hähnchen“, berichtet er. Erst kürzlich war der Aperberger wieder als tierischer Knochenbrecher gefordert. „Eine Kuh hatte das Schultergelenk ausgekugelt und ich konnte es wieder einsetzen.“

Auf Facebook ist der Aperberger unter dem Suchbegriff („knochenbrecher-martijn“) zu finden.

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