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Elsfleth /Hamburg Während auf der Elsflether Werft am Donnerstag langsam wieder Ruhe einkehrte, arbeitet die Justiz in Hamburg auf Hochtouren. Es gilt, ein riesiges Netz von Firmen zu durchleuchten, vom Sportstudio bis zur Goldmine in der Mongolei.

Auslöser für die Nachforschungen der Hamburger Stiftungsaufsicht war offenbar ein Schreiben des Anwaltes der Töchter von Brigitte Rohden, die die Werft 1996 aus der Insolvenz gerettet hatte und nach langer Tätigkeit für das Unternehmen im Januar vergangenen Jahres verstorben war.

In diesem Schreiben waren nach Darstellung des NDR Fälle zusammengetragen worden, in denen angeblich Geld aus der Elsflether Werft abgezogen worden war. So habe die Werft zum Beispiel in Brake für 23.500 Euro ein Grundstück von einer Firma angemietet, die über ein Geflecht Marcus R. gehören soll. Dr. Frederic Schneider von der Hamburger Kanzlei Roxin wollte das auf Nachfrage der NWZ am Donnerstag weder bestreiten noch bestätigen, teilte aber mit, dass seine Mandantinnen sich freuen, dass SKY-Stiftung und Werft „nun in guten Händen“ seien.

Viele Geschäftsführer

Doch die Vorwürfe aufzuklären wird nicht leicht, denn das Konstrukt aus Firmen ist unübersichtlich. Rund um die Elsflether Werft haben vor allem die beiden ehemaligen Geschäftsführer Klaus W. und Marcus R., sowie der Hamburger Enrico P. zahlreiche Firmen aufgebaut, in denen sie zum Teil abwechselnd als Geschäftsführer tätig waren. All das geht aus Daten der North Data GmbH hervor.

Auffällig bei den Verstrickungen: Die meisten der Firmen sind in Elsfleth unter der Adresse Am Tidehafen 3 oder in Brake Am Weserdeich 40-42 sowie in Hamburg an der Elbchaussee 54 eingetragen – oder waren zumindest früher dort zu finden.

 Am Tiedehafen 3, Elsfleth: Hier ist der Sitz der Elsflether Werft AG. Auch die Jasper Schiffsbetriebs GmbH mit W. als Geschäftsführer und die KT Jasper Schiffsbetriebs GmbH & Co. KG sind dort eingetragen. Zudem ist an dieser Adresse die Shiptec Industrial & Shipyard Technologies GmbH zu finden, die Susanne W. als Geschäftsführerin leitet.

 Am Weserdeich 40-42, Brake: Ein paar Kilometer entfernt befindet sich der Sitz der Firma KW Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH, deren Geschäftsführer Klaus W. ist. Auch die Firmen InterMARtec GmbH (vormals Elbchaussee 54), InterMARtec Services GmbH (Am Tidehafen 3, Elbchaussee 54) sowie IntermarineTEG GmbH (Am Tiedehafen 3) sind hier ansässig – und immer wieder tauchen in ihrem Zusammenhang Klaus W., Marcus R. oder Enrico P. als (ehemalige) Geschäftsführer auf.

 Elbchaussee 54, Hamburg: Hier sind die Rechtsanwaltskanzlei von Marcus R. sowie die Konsulate der Mongolei, Weißrusslands und des Senegal ansässig. Marcus R. arbeitet auch als Honorarkonsul der Mongolei, hat zu offiziellen Treffen auch schon Klaus W. und Enrico P. mitgenommen. Außerdem war hier auch die SKY-Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH, die jetzt am Neuen Wall in Hamburg zu finden ist, verortet.

Und auch diverse Firmen sind in dem schmucken Haus zu finden: die Speedfit Hamburg GmbH, die FGL Immobilien und Service GmbH und die THE Call International GmbH – alles Firmen mit Marcus R. als Geschäftsführer. Für die Lockerland GmbH sind sowohl Marcus R. als auch Enrico P. als Geschäftsführer vermerkt. Und auf diesen laufen mit Rychfield Germany, Atraco sowie Orca Coating Systems weitere Firmen, die in der Elbchaussee gemeldet sind – oder Bezüge dorthin haben.

Hier finden Sie eine Grafik (Download): Ausschnitt des Firmen-Netzwerkes

Vorwürfe zurückgewiesen

Nach Darstellung der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg wird derzeit lediglich gegen den bisherigen Vorstandsvorsitzenden der SKY-Stiftung und Vorstand der Werft AG, Marcus R., wegen Verdachts der Untreue ermittelt. Zur Frage, warum nicht auch gegen die übrigen entlassenen Führungskräfte ermittelt wird, wollte die Staatsanwaltschaft keine Auskunft geben. Auch die Frage nach einer möglichen Fluchtgefahr blieb unbeantwortet. Deutschland hat mit der Mongolei, wo Marcus R. früher als Militärattaché arbeitete, kein Auslieferungsabkommen.

Auf Nachfrage der NWZ ließ Marcus R. am Nachmittag über einen Anwalt die Vorwürfe gegen ihn als „vollumfänglich haltlos“ zurückweisen. Der Wille der Stifterin sei bei der SKY-Stiftung „zu keinem Zeitpunkt missachtet“ worden. Tatsächlicher Hintergrund sei die Enterbung der Töchter durch die verstorbene Gründerin der Stiftung. Außerdem sei die Abberufung des Stiftungsvorstandes nur eine „vorläufige Maßnahme“.

Sein ebenfalls entlassener Vorstandskollege Klaus W. war am Donnerstagvormittag nicht zu erreichen. Die private Telefonanlage war offenbar vom Netz genommen worden.

Jörg Jung Redakteur / Regionalredaktion
Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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