Brake Wer sein Rad liebt, der schiebt. Der Braker Hans-Hermann Nitsche dagegen ist lieber fahrend auf zwei Rädern unterwegs. Allerdings fühlt er sich dabei in seiner Heimatstadt unsicher. „Brake hat bei sicheren Fahrradwegen noch immer großen Nachholbedarf“, meint Nitsche. Er sieht die Stadt in der Pflicht, etwas daran zu ändern. Die NWZ hat Bürgermeister Michael Kurz und Holger König vom Ordnungsamt zu den Kritikpunkten des 68-Jährigen befragt.

Weser-Radweg

Unter anderem ärgert sich der 68-jährige Braker, dass die Hafenstraße noch nicht zu einer Fahrradstraße umfunktioniert wurde so wie es die Ratsherrn der Grünen beim Ausschuss für Bau, Planung, Umwelt und Verkehr als Radwegekonzept 2019 in einem Antrag eingereicht hatten. Der sieht nämlich einen Lückenschluss des Weser-Radwegs vor, um diesen wieder attraktiver zu machen. In Südrichtung fahrend, werden die Radfahrer weiträumig um Brakes Innenstadt geführt.

Erst fahren Radler

Fahrradstraßen sollen die Attraktivität des Radverkehrs steigern und Vorteile gegenüber dem Kraftfahrzeugverkehr schaffen. Radler haben dort Vorfahrt.

Ein quadratisches Schild mit weißem Grund zeigt das blaue Schild für einen Radweg und darunter den Schriftzug „Fahrradstraße“. Es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. An Kreuzungen gilt „rechts vor links“.

Während ein Radweg durch Markierung (dann Radfahrstreifen) oder durch einen Bord, Grünstreifen, parkende Autos oder ähnliches von der Fahrbahn abgetrennt ist, bezieht sich die Fahrradstraße auf die gesamte Fahrbahn, die zum Radweg wird.

Diesen Punkt hält Bürgermeister Michael Kurz für nicht nachvollziehbar. Der Weser-Radweg ist schließlich der meist befahrende Radweg. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hat ihn außerdem als Vier-Sterne-Radweg klassifiziert.

Außerdem stört Nitsche am Weser-Radweg, dass Radfahrende in der Mitteldeichstraße unerlaubt gegen die Einbahnstraße oder über den Gehweg fahren. Das gefährde andere Verkehrsteilnehmer. Eine Lösung ist seiner Meinung nach der Bau einer Fahrradstraße auf der Hafenstraße. Das Teilstück der Mitteldeichstraße und Kaje, auf dem nach wie vor die Einbahnstraßenregelung für den Autoverkehr gilt, könnte dann von Radfahrern als Fahrradstraße in beide Richtungen genutzt werden. Das sei laut Bürgermeister Kurz so nicht möglich, da auf der Mitteldeichstraße und Hafenstraße auch Lkw-Verkehr unterwegs sei.

Hier könne es zumindest bald möglich sein, dass Radfahrer sich nicht mehr an die Einbahnbahnstraßenregelung halten müssen, gibt die Stadt Brake bekannt. Bedingung wäre dafür, dass der Ausbau der Kirchenstraße erfolgt, sagt Holger König vom Ordnungsamt. Der Abschnitt zwischen Georgstraße und ehemaligem Aldi-Markt solle nämlich ein verkehrsberuhigter Bereich werden. Zugleich würden Hafenstraße, Mitteldeichstraße und Georgstraße für Radfahrer beider Richtungen geöffnet werden.

Gefährliche Kurven

Ein Versäumnis ist laut Rentner Hans-Hermann Nitsche, dass die Stadtverwaltung ihre Bürger angeblich nicht über sich ändernde Verkehrsregelungen aufklärt: „Es kann nicht sein, dass die Benutzungspflicht einiger weniger Radwege aufgehoben wurde und Radler beim Fahren auf der Straße angehupt und bedrängt werden.“ Das zeige, dass die Stadt keine Öffentlichkeitsarbeit betreibe.

Diese Kritik weist Bürgermeister Kurz jedoch zurück. Die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht habe seinerzeit große Wellen geschlagen und sei darüber hinaus groß in Zeitung und Internet bekannt gemacht worden.

Handlungsbedarf sieht Nitsche auch in zwei Kurvenbereichen. Das sind die sogenannten S-Kurven in den Straßen Am Binnenhafen (siehe Bild) und Brommystraße. „Autofahrer können beim Überholen nicht sehen, ob von vorne etwas entgegenkommt. An beiden Stellen muss ein Überholverbot her.“

Hier kommen sich Nitsche und die Stadt zumindest ein Stück näher, denn Bürgermeister Kurz appelliert an die Vorsicht aller Bürger. „Wenn wir uns alle verkehrsgerecht verhalten, haben wir keine Probleme im Straßenverkehr.“ Da müsse sich jeder als Verkehrsteilnehmer selbst hinterfragen, ob das eigene Verhalten richtig ist. Darüber hinaus wolle die Stadt immer möglichst allen Verkehrsteilnehmern gerecht werden.

Die Benutzungspflicht der beidseitigen Radwege an der Breiten Straße ist vor Jahren aufgehoben worden. Radfahrer dürfen lediglich im Schritttempo auf dem Gehweg fahren – oder wahlweise zügig auf der Straße. „Das verstehen viele Autofahrer nicht und hupen die Radfahrenden an“, ärgert sich Hans-Hermann Nitsche. „Die Stadt müsste hier Hinweisschilder aufstellen, dass Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt ist.“

Das hält die Stadt für nicht notwendig. Der Tenor ist, dass Schilderwälder abgebaut und Verkehrsteilnehmer selbstständiger werden. „Es wäre also absurd, noch mehr Straßenschilder aufzustellen“, argumentiert Kurz.

Niklas Grönitz Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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