Brake Absperrband an jedem zweiten Fitnessgerät, Desinfektionsmittel am Eingang und reduziertes Equipment für mehr Abstand: Der Sportpark Eschenberg in Brake ist vorbereitet – was fehlt, sind die Kunden. Und die würden gerne kommen, weiß Inhaber Jörn Eschenberg, aber sie dürfen nicht. Denn während ab Montag, 11. Mai, in Nordrhein-Westfalen der Sportbetrieb in den Fitnessstudios wieder aufgenommen werden darf, bleibt den Betreibern in Niedersachsen nur die Hoffnung auf einen baldigen Startschuss.

„Wir sind bereit“, sagt Eschenberg. Die Sitzmöglichkeiten am Eingangstresen seien entfernt worden, um einen Mindestabstand beim Betreten des Studios zu gewährleisten. Ein gemütliches Kaffeetrinken mit Klönschnack dürfe es ohnehin nicht mehr geben. Einzelne Geräte habe er in den Kursraum verfrachtet, da Kurse ohnehin nicht stattfinden dürften. Auch die Nutzung der Umkleidekabinen, der Duschen und ein Saunagang seien untersagt und ein Toilettengang sollte weitestgehend vermieden werden.

Einiges wird anders sein, wenn der Sportpark Eschenberg seine Türen wieder öffnen darf, doch den höheren Aufwand nimmt der Inhaber dann gerne in Kauf. „Unsere aktuelle Situation ist einfach nicht schön, es muss wieder losgehen.“

Finanziell sei die Lage nicht auszuhalten. Die Corona-Soforthilfe reiche hinten und vorne nicht. Dass manche Betreiber bereits Insolvenz anmelden mussten, bedauert Eschenberg sehr. Zum Glück könne er auf die Loyalität seiner Kunden zählen.

„Viele bezahlen trotzdem weiter ihren Monatsbeitrag und halten uns so die Treue“, sagt der Inhaber. Aber auf Dauer würden auch die Treusten diese Situation nicht mitmachen – nachvollziehbar für Eschenberg. Keine neuen Kunden zu generieren und das Ausbleiben der Tageskasse seien fatal. „Und der Rattenschwanz wird noch kommen“, sagt Eschenberg. Selbst wenn es weitergehen könnte, stünde er erst in sechs bis neun Monaten finanziell wieder da, wo er vor der Krise stand.

Einer seiner loyalen Kunden ist Andrees von Borstel. Der Braker besucht den Sportpark Eschenberg seit 2015 regelmäßig. „Für mich ist es Ehrensache, das Studio weiter zu unterstützen.“ Er fühle sich dort gut aufgehoben.

Nicht mehr kommen zu dürfen, sei für ihn besonders hart. Gemeinsam mit Eschenberg habe er zuvor gesundheitliche Probleme in Angriff genommen. Das bliebe nun auf der Strecke. Warum er in einer Boutique einkaufen, aber nicht ins Fitnessstudio gehen dürfe, ist für ihn unverständlich.

„Sport ist erwiesenermaßen gesund und stärkt das Immunsystem“, sagt Eschenberg, „das ist doch gerade jetzt sehr wichtig.“ Ohnehin arbeite er in seinem Studio stark gesundheitsorientiert. „Ich bekomme am Tag zwischen 25 und 45 Nachrichten von Kunden, deren gesundheitliche Probleme wiederkommen.“ Die wochenlange Schließung führe dazu, dass die mühsam aufgebaute Muskulatur der Kunden wieder abbaue.

Das Schlimmste an der aktuellen Situation sei vor allem die Ungewissheit. „Ich glaube nichts mehr. Es gibt ständig neue Informationen“, sagt Eschenberg. Seit vierzehn Tagen gebe es im Stundentakt neue Gerüchte über mögliche Starttermine – die sich letztendlich nie bewahrheiten. „Wir hängen einfach in der Luft.“

Sarah Schubert Volontärin, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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