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Ein Teilnehmer bei einem Gottesdienst der Initiative „Querdenken“. (Symbolbild)Bild: Felix Kästle/dpa
Emden

Corona-maßnahmen-Kritiker
„Querdenker“-Flyer sorgt für Aufsehen in Emden

Mehrere Anwohner im Emder Stadtteil Klein-Faldern hatten Flyer in ihren Briefkästen, die offenbar von Kritikern der Corona-Maßnahmen stammen. Das Gesundheitsamt hält die Aussagen für bedenklich.

Emden Ein Flyer, der offenbar von Kritikern der Corona-Maßnahmen in Deutschland stammt, hat im Stadtteil Klein-Faldern für Aufsehen gesorgt. Dort hatten mehrere Anwohner die scheinbar professionell aufgezogene Wurfsendung im Briefkasten. Darin werden Zweifel an der aktuellen Test-Strategie gesät und die Leser werden aufgefordert, sich auf den einschlägig bekannten Internetseiten (z.B. „Querdenken“-Bewegung) zu informieren. Die Bewegung wird immer wieder mit Verschwörungstheoretikern in Verbindung gebracht. Emder Ärzte halten die Behauptungen auf dem Flyer für heikel.

Halb- und Unwahrheiten

„Grundsätzlich sind einige zutreffende Aussagen dabei. Das Problem, das ich sehe, ist, dass sie mit Halbwahrheiten und Unwahrheiten vermischt werden“, sagt Dr. Dirk Obes, stellvertretender Leiter des Emder Gesundheitsamtes. Ein Anwohner befürchtete, dass andere dem Flyer auf den Leim gehen könnten, weil er durch seine Aufmachung den Eindruck von Seriosität erweckt.

Aus ausgewählten Zahlen, Diagrammen und einigen vermeintlichen und tatsächlichen Fakten leitet die Wurfsendung die Kernaussagen ab, dass der Anstieg der positiven Corona-Fälle nur entsteht, weil zu viel getestet wird, dass die Tests eine (zu hohe) Fehlerquote haben und dass die zweite Corona-Welle weltweit ohne erkennbaren Anstieg der Toten verläuft. Das Ganze steht unter der Überschrift: Positiv ist nicht krank.

Infektionsgeschehen nimmt zu

Letzteres sei zwar richtig, viele Infizierte hätten bekanntlich keine oder kaum Symptome, sagt Obes. „Unterschlagen wird aber, dass man andere anstecken kann. Aus dieser Feststellung kann man also nicht schließen, dass Corona ungefährlich ist.“ Auch die übrigen Querdenker-Aussagen hält der Emder Mediziner für problematisch. „Sicherlich, je mehr wir testen, desto mehr Infektionsfälle werden aufgedeckt“, sagt Obes. An der steigenden Positiven-Quote – also dem Anteil der Getesteten, die tatsächlich mit dem Virus infiziert sind – lasse sich aber ablesen, dass das Infektionsgeschehen zunehme. Die in der Regel verwendeten PCR-Tests (mit ihnen wird das Erbgut des Virus nachgewiesen) hätten eine nahezu einhundertprozentige analytische Genauigkeit. Die Todesfälle in Deutschland würden, wie schon erlebt, steigen, wenn viele ältere Menschen erkrankten. „Im Moment sind eher wieder viele Junge krank“, so Obes.

Urheber des Flyers ist offenbar der Arzt Bodo Schiffmann aus Sinsheim. Er trat schon häufiger als Redner auf „Corona-Demonstrationen“ auf. Zuletzt fiel er durch die unbelegte Behauptung auf, in Aurich sei ein 13-jähriges Kind erstickt, weil es eine Maske trug. Andere Ärzte halten das für ausgeschlossen. Zudem ist der Vorgang in Ostfriesland völlig unbekannt.

Mehrere Anwohner im Emder Stadtteil Klein-Faldern hatten Flyer in ihren Briefkästen, die offenbar von Kritikern der Corona-Maßnahmen stammen. Das Gesundheitsamt hält die Aussagen für bedenklich.
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