Oldenburg An Sitzgelegenheiten mangelt es derzeit nicht in der Galerie Lake: Vom gut eingesessenen Ledersofa aus, auf dem schon der britische Maler Paul Freud seine kreative Auszeit nahm, oder von der witzigen Chaiselongue im Radiergummilook bietet sich eine wunderbare Rundumsicht auf die aktuelle Ausstellung mit Werken der Künstlerin Persis Eisenbeis, auf denen sich wiederum junge Menschen auf Stühlen, im Fauteuil oder in der Sitzgruppe fläzen.

Ralf Lake ist seit zehn Jahren Galerist aus Leidenschaft, ausgestattet mit der nötigen Hartnäckigkeit und dem penetranten Charme eines Überzeugungstäters. Der Cloppenburger verfügt zudem über ein gewachsenes Netzwerk, auch zur renommierten Berliner Galerie Tammen und anderen Einrichtungen, dank dessen er immer wieder zeitgenössische Kunst in seiner Galerie sichtbar macht.

Sein erstes Bild kaufte Ralf Lake mit 12 Jahren, heißt es – seitdem habe ihn die Kunst nicht mehr losgelassen. Seit 2010 hat der Südoldenburger diesen kleinen, aber feinen Standort im Herbartgang etabliert, diesem städtebaulich raubauzigen Schmuckstück der Sechzigerjahre. Architektur und Kunst wurden hier als Grundkonzeption betrachtet. Federführend war der 1982 verstorbene Georg Schmidt-Westerstede, der mit Mosaiken und anderen Elementen seine besondere Handschrift erkennen ließ.

„Oldenburg fehlte damals eine Galerie mit zeitgenössischer Kunst. Der Bedarf war somit vorhanden und ich habe die Gelegenheit einfach genutzt“, sagt Lake. Die Ladenpassage mit hochwertigem Hotel und Spitzengastronomie ziehe zudem regelmäßig kunstinteressiertes Publikum an. „Die Nachbarschaft hier im Gang optimal.“

Allerdings ist es nicht so, dass ihm Kaufwillige täglich die Bude einrennen. „Man muss als Galerist schon einen langen Atem haben. Wenn du nicht gerade in Berlin oder New York sitzt, und dort auch total angesagt bist, kannst du nicht jeden Tag ein Bild verkaufen.“ Das sei aber normal, sagt Ralf Lake. Deshalb ist seine Galerie dienstags geschlossen. „An diesem Tag arbeite ich von Cloppenburg aus, telefoniere viel, schreibe unzählige Mails, rahme, verkaufe und liefere aus“.

Als Netzwerker par excellence besucht er Kunstmessen – so sie denn stattfinden können. Er bringt gestandene Künstler im Nordwesten zusammen und bietet Talenten ein Ausstellungsforum. „Leif Trenkler zum Beispiel habe ich in Leipzig kennengelernt und sehr lange gebraucht, bis er mir die ersten Arbeiten für Oldenburg zur Verfügung gestellt hat. International sehr erfolgreiche Künstler sind nicht so leicht zu überzeugen.“ Doch irgendwann bekommt es Ralf Lake hin.

Im Spiel „Wer kennt wen?“ ist auch die Kooperation zum Oldenburger Maler und Platzhirsch Michael Ramsauer sehr nützlich. In der Folge waren Endy Hupperich, Jochen Mühlenbrink, Lars Theuerkauff, Ariane Boss, Volker März, Jan Thomas oder Armin Völckers mit Werken und auch in Person in der Galerie anzutreffen. Befragt nach seinem Antrieb, sagt Lake: „Ich glaube an das, was ich tue, an meine Künstler. Ich bin ein Optimist.“

Wer wirklich wissen will, wie es im Inneren von Ralf Lake aussieht, der werfe einen Blick in den kleinen, vollgestopften Büroraum der Galerie, wo zeitgenössische Kunst präsentiert wird wie die beliebte „bunte Tüte“. Bis zur Decke hoch findet Reizüberflutung der atemberaubendsten Art statt. Und dort ist noch nicht mal Platz für einen Klappstuhl.

Aktuell zeigt Galerie Lake Werke von Persis Eisenbeis. Die 1969 geborenen Malerin, Studium bei Prof. Daniel Richter, stellte erstmals 2010 in Oldenburg aus, danach mehrfach mit anderen Künstlern. Die Bilder werden noch bis mindestens 26. Juni gezeigt.

Zu sehen sind zudem Werke von Lars Theuerkauff, Armin Völckers, Ubay Murillo sowie Ariane Boss. Im September wird Endy Hupperich gezeigt. Im November heißt es dann „10 Jahre – 10 Künstler“.

Kontakt: Galerie Lake, Herbartgang 17 in Oldenburg, Tel. 0441-9987 820; geöffnet montags bis freitags 10-18 Uhr, sonnabends 10-16 Uhr, dienstags Ruhetag

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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