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Bild: Patrick Buck
Für eine blühende Zukunft: (von links) Reinke Haar, Janet Lüschen (beide Stadtfest), Felix Jan Kunert und Tom Junge (beide Immerbunt) vergraben die übrig gebliebenen Festival-Bändchen.Bild: Patrick Buck
Oldenburg

1000 Quadratmeter Blühwiese finanziert
„Stadtfest Oldenburg ist das umweltfreundlichste Festival der Region“

Mit dem Verkauf von Stadtfest-Bändchen wurde in diesem Jahr in Blühwiesen-Projekt unterstützt. Aus Sicht der Oldenburger Veranstalter passt das zum eigenen Selbstverständnis.

Oldenburg Die Reste des Oldenburger Stadtfests vergruben die Organisatoren einfach auf einem Acker in Ofen: Was auch der Beginn eines Skandalartikels über illegale Müllentsorgung sein könnte, ist in diesem Fall das Gegenteil. Schließlich geht es um Müllvermeidung und andere klimaschonende Maßnahmen. Denn die Stadtfest-Organisatoren sind schon stolz auf ihre Nachhaltigkeits-Strategie.

Was kürzlich auf einer Blühwiese ein paar Meter hinter der Stadtgrenze unter die Erde gebracht wurde, waren übrig gebliebene Festival-Bändchen, die in Kooperation mit „Immerbunt“ zum Stadtfest verkauft worden waren. Ihr Zweck war nicht, als Zugangsberechtigung oder Freibier-Ausweis zu dienen. Es ging um Identifikation mit dem Stadtfest als Innenstadt-Festival und Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt. Denn die Bändchen bestehen aus Samenpapier, darin stecken einige Blumensamen. Sie müssen also nicht auf dem Müll landen, sondern können eingepflanzt werden.

Bändchen für Schulen

Es gibt noch Stadtfest-Bändchen aus Saatpapier mit Samen zum Einpflanzen. Das Stadtfest-Team bietet diese nun Schulen kostenfrei an, die diese für Naturprojekte nutzen können. Bei Interesse kann Kontakt aufgenommen werden unter Tel. 0441/20509-0 oder info@stadtfest-oldenburg.de

Durch den Verkauf der Bändchen und von Saatbällchen ist im Vorfeld des Stadtfests Geld zusammengekommen, mit dem das darauf spezialisierte Oldenburger Unternehmen „Immerbunt“ nun die Schaffung von 1000 Quadratmeter Blühwiese finanzieren kann. Und das Projekt der nachhaltigen Armbänder als Alternative zu Plastik könnte weiter Verbreitung finden. Wie Tom Junge von „Immerbunt“ berichtet, sei man in Gesprächen mit Veranstaltern von namhaften Festivals, die sich vorstellen können, diese Idee aus Oldenburg zu übernehmen.

Konzept seit 15 Jahren

Für die Stadtfestorganisatoren Janet Lüschen und Reinke Haar ist dieses Projekt nur ein Schritt eines Weges, den sie schon lange gehen. Mit einem Ökokonzept arbeiten sie nämlich bereits seit 15 Jahren. Darum begegnen sie Kritik am Festival bezüglich Umweltbelastung mit der selbstbewussten Aussage, dass das Stadtfest nicht nur das größte, sondern wohl auch das umweltfreundlichste Festival der Region sei. Das machen sie an mehreren Faktoren fest.

So führe die Innenstadtlage mit der guten Anbindung dazu, dass ein Großteil der Besucher mit dem Fahrrad, dem Bus oder zu Fuß zum Stadtfest anreist. Der Anteil der Autofahrer dürfte nach Schätzung der Organisatoren bei unter 20 Prozent liegen. „Die 24-Stunden-Parkhäuser sind zum Beispiel nie komplett belegt“, berichtet Haar. Als Veranstalter habe man das Busangebot in Kooperation mit VWG und Weser-Ems-Bus aktiv ausgebaut.

Als weiteren Punkt nennen die Veranstalter die Müllbilanz: 20 Tonnen kommen beim Stadtfest zusammen. Bei konservativ gerechneten 200.000 Besuchern wären das 100 Gramm pro Person. Demgegenüber gibt es Statistiken anderer Festivals, die von zehn bis 15 Kilogramm pro Person berichten – bei denen natürlich noch Dinge wie Camping hinzukommen. Dennoch ist man beim Stadtfest-Veranstalter stolz auf diese Zahlen. „Allein das seit über 20 Jahren geltende Mehrwegbecher-System reduziert den Müll deutlich, ergänzt durch ein weitgehendes Verbot von Einweggeschirr.“

Spülen statt wegwerfen

Ergänzend dazu wird bei „Kochen am Schloss“ jedes Jahr vor Ort Geschirr gespült, statt es nach Benutzung zu entsorgen, was einen hohen personellen Aufwand und damit Ausgaben bedeutet. „Von den 75 Angestellten bräuchten wir wahrscheinlich drei Viertel nicht, wenn wir mit Einweggeschirr arbeiten würden“, schätzt Haar.

Auch beim Stromverbrauch, beim Recycling oder bei der Entsorgung von Altfetten sieht sich das Stadtfestteam auf dem richtigen Weg. Was noch auf der Wunschliste steht: Mehr regionale Produkte an den Verkaufsständen. Wobei nach Ansicht von Haar gewährleistet sein muss, dass die Preise in der Breite nicht zu hoch sind, damit kein Besucher aus finanziellen Grünen ausgeschlossen ist. „Es gibt schließlich auch eine soziale Nachhaltigkeit.“

Mit dem Verkauf von Stadtfest-Bändchen wurde in diesem Jahr in Blühwiesen-Projekt unterstützt. Aus Sicht der Oldenburger Veranstalter passt das zum eigenen Selbstverständnis.
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