Oldenburg Die Mischung macht’s: Oldenburg gilt als attraktiv, weil die Stadt einen sehr guten Mix bietet: grün, baulich interessant, breiter Einzelhandel mit kleinen und großen Geschäften, flankiert durch eine vielfältige Gastronomie und Hotellerie. Aber nachdem es erste Lockerungen zumindest für den Handel gegeben hat (wenn auch bei immer noch sehr schwachem Konsumklima) – was wird aus Oldenburgs Gastro- und Hotelangebot? Und wie gehen die Banken mit Betrieben in der Not um?

Viele Gastronomen strampeln sich gerade mit hoher Energie und eilig auf die Beine gestelltem Außer-Haus-Verkauf ab. Den Hotels geht es ähnlich, hier können nur noch die Geschäftsreisenden nächtigen – von denen es derzeit aber auch nicht so viele gibt.

Tipps für Unternehmer

Sprechen Sie... ... mit Ihrem Steuerberater: Stellen Sie beim Finanzamt Stundungsanträge für die Gewerbe-, Einkommens-, Körperschafts- und Umsatzsteuer, lassen Sie die Höhe Ihrer Steuervorauszahlungen anpassen, beantragen sie bei Bedarf Kurzarbeitergeld für Ihre Mitarbeiter

...mit den Krankenkassen über die Möglichkeit einer Stundung der Sozialversicherungsbeiträge

...mit Ihren Banken über die Stundung von Rückzahlungsraten Ihrer Kredite

...mit Lieferanten über Stundungsmöglichkeiten

...mit Ihrem Vermieter über Stundungen und Mietreduzierungen (alle aus: Targobank)

Der Bundesverband deutscher Banken weist auf den jüngsten Bundestagsbeschluss hin, dass bei krisenbedingter Notlage Ansprüche auf Rückzahlungs-, Zins- oder Tilgungsleistungen gestundet werden sollen, die zwischen 1. April und 30. Juni fällig werden.

„Außenbetrieb zulassen“

An der Küste wird bereits befürchtet, dass jeder zweite Betrieb die Corona-Krise wirtschaftlich nicht übersteht. Für Oldenburg sieht es auch alles andere als rosig aus. Bernard Sieger, Vorsitzender des Dehoga Weser-Ems, sagte auf Anfrage, vom Außer-Haus-Geschäft könne keiner leben: „Der Lieferservice läuft einigermaßen, toll, dass viele Bürger das nutzen und mitziehen. Sie lieben ihre Lokale ja auch. Aber sobald dort Personal bezahlt werden muss, geht die Rechnung kaum noch auf. Es sind ja sonst keine Einnahmen da.“

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Sieger sagte, es fehle die Perspektive: „Der Mai ist vermutlich weitgehend weg, damit auch die Frühtänze. Ich könnte mir vorstellen, dass man die Außengastronomie zuerst wieder öffnen lässt, hoffentlich ab Mitte Mai, für den Anfang von 11 bis 19 Uhr, das wäre alles zu regeln. Die Organisation des Abstandes ist machbar.“

Der Druck wächst

Bislang stellt der Dehoga-Vorsitzende der Politik ein ordentliches Zeugnis aus. Er sagt: „Die Politik macht das sonst gut, da will ich nichts Negatives sagen. Wir brauchen ja auch keine zweite Corona-Welle.“

Aber der Druck wächst. Das Konsumklima ist mit den Schließungen auf den niedrigsten Wert aller Zeiten gefallen. Auch vitalen Unternehmen, die jetzt vom Ersparten leben, wird ohne Lockerung irgendwann die Luft ausgehen. Die Deutsche Bank drängt in ihrem jüngsten Coronavirus-Update auf eine „Öffnung der Gastronomie unter Auflagen“. Diese wäre noch deutlich wichtiger als ein reduzierter Mehrwertsteuersatz.

Und wie handeln die Banken selbst, wenn Unternehmen aus dem Hotel- und Gaststättenbereich an sie herantreten, um zum Beispiel über die Stundung von gewerblichen Krediten zu reden, weil derzeit – unverschuldet – nichts oder viel zu wenig hereinkommt?

Umgang mit Stundung

Ein Unternehmer aus dem Dehoga-Bereich berichtet über unbefriedigende Erfahrungen mit der OLB. Dort haben es bereits vor sechs Wochen zur Frage der Stundung von Krediten, die sehr gut abgesichert seien, geheißen, es werde über das Thema „intern diskutiert“. Aber bis heute habe sich – mindestens im eigenen Fall – daran nichts geändert. Der Unternehmer sagt: „Wir haben die Krise seit acht Wochen. Da kann man vielleicht intern mal ein bisschen schneller diskutieren.“ Bei der Sparkasse habe es lediglich fünf Tage gebraucht, um das „intern zu diskutieren“.

Auf Anfrage sagte OLB-Sprecherin Britta Silchmüller, auch die OLB biete Kunden als Mittel zur Abfederung der Folgen aus der Corona-Pandemie Kreditstundungen an. Dazu sei es „besonders wichtig, gemeinsam mit den Kunden die Situation zu analysieren und zu besprechen“. Kreditstundungen seien aus Sicht der OLB „vor allem dann sinnvoll, wenn es um die Überbrückung kurzfristiger Engpässe“ gehe. Britta Silchmüller: „Aus unserer Sicht sind darüber hinaus öffentliche Fördermittel das probate Instrument – vor allem auch für die Betriebe aus dem gastronomischen beziehungsweise touristischen Bereich, damit auch die nachhaltige Liquiditätssicherung bestehen bleibt.“

„An einem Strang ziehen“

Beim Dehoga hieß es, nach bisheriger Kenntnis, die zum Teil aus einer eigenen Umfrage aus dem Bereich Cloppenburg/Vechta resultiere, seien gewerbliche Kredit-Stundungen „bei der LzO und Raiba kein Problem“ gewesen, auch von der OLB solle es inzwischen ein grundsätzliches Angebot für eine dreimonatige Aussetzung geben, die Erfahrungen mit der NBank seien „gut“. Bernard Sieger: „Einige haben schon Geld aus der Soforthilfe bekommen.“ Das sei aber überschaubar und reiche nicht für länger.

Volksbank-Vorstand Matthias Osterhues stellte sich ebenfalls auf die Seite der Kunden. Er sagte: „Was für uns immer ganz wichtig ist, sind langjährige gute Geschäftsbeziehungen, und zwar auf Augenhöhe.“ Das Spektrum reiche von der schriftlichen Unterstützung durch die Hausbank zur Beschleunigung von Zuschüssen der Bundesregierung zur Liquiditätsunterstützung über Vorschüsse der Volksbank auf das Geld, das von der NBank erwartet werde bis hin zur Stundung und Aussetzung. Osterhues: „Für Stundungen stehen wir zur Verfügung. Das ist gar kein Thema.“ Das gelte „bis zu sechs Monate und gegebenenfalls darüber hinaus“. Politik, Verbände wie der Genossenschaftsverband Weser-Ems, Volksbanken, Raiffeisenbanken und die Sparkassen zögen hier „an einem Strang“.

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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