Großenkneten Die Corona-Krise hat aus unternehmerischer Hinsicht viele Betriebe voll erwischt. Gleich vierfach hat es die Großenkneter Gastronomen Kerstin und Ralf Kempermann erwischt, denn sie haben vier betriebliche Standbeine. Das Besondere: zwei in Großenkneten und zwei in Österreich. Allesamt mussten sie wegen der Viruskrise schließen. „Von 100 auf 0. Das gleich viermal, das ist schon eine Sache, die nun verkraftet werden muss“, betonten die beiden im Gespräch.

Gasthaus und Hotel

Das Gasthaus Kempermann in Großenkneten ist seit 18. März wegen der Kontaktbeschränkungen geschlossen. Hotels und Gastronomie mussten kraft Verordnung seinerzeit als erstes schließen. „Die letzte Kohlfahrt und andere Veranstaltungen haben wir kurzfristig abgesagt und innerhalb einer Woche das bereits überwiesene Geld an alle Gruppen erstattet“, so Ralf Kempermann. Jetzt hat sich das Gasthaus entschieden, ab Donnerstag, 30. April, mit einer großen „Schnitzel-außer-Haus-Karte“ wieder für die Gäste da zu sein.

Trotz der schon langen Schließung: Unterstützung gab es bisher von staatlicher Seite nicht – trotz Antrags. Die angekündigte Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 7 Prozent betreffe nur die Speisen, erläuterte Kempermann. „Daher ist dies auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Man hat den Eindruck, dass die gesamte Hotel-, Gastronomie- und Tourismusbranche bei allen Unterstützungen vergessen wurde.“

Weitergehende Planungen seien daher sehr schwer bis unmöglich, „da wir derzeit ja leider nicht wissen, wann und unter welchen Bedingungen wir wieder öffnen dürfen.“

Mitarbeiter

Aktuell sind alle Kollegen seit Mitte März in Kurzarbeit. Das Kurzarbeitergeld wird vom Betrieb auf 80 Prozent aufgestockt. Kündigungen sind aktuell kein Thema. „Meine Mitarbeiter sind mir sehr wichtig“, erklärt Kempermann zum Gastronomiebetrieb. Er empfindet das Kurzarbeitergeld als zu gering: „Man sollte es nach Einkommen gestaffelt zahlen.“ So gebe es in Österreich in den unteren Einkommensklassen 90 Prozent, dann 85 %, 80 % usw. Er erinnert daran, dass für die Mitarbeiter zusätzlich auch die steuerfreien Sonn- und Feiertagszuschläge derzeit entfielen. Dabei wären sie gerade in der jetzigen Zeit mit vielen Feiertagen wie Ostern, 1. Mai, Himmelfahrt und Pfingsten etc. sehr hoch ausgefallen.

Skireisen

Ein abruptes Saisonende fanden am 13. März wegen des Virusalarms auch die SCOL Skireisen mit Sitz in Großenkneten. „Wir mussten wegen der Corona-Fälle alle noch geplanten Reisen canceln.“ Dabei war für SCOL Skireisen eine Gutscheinregelung statt Bargeld-Auszahlung nie ein Thema. „Innerhalb von zehn Tagen haben wir unseren Kunden die Beträge erstattet. Das Saisonaus war natürlich für uns eine ziemliche Katastrophe, denn gerade die Osterferien sind bei uns traditionell immer sehr stark besetzt. Außerdem waren die herrschenden Wetter- und Schneeverhältnisse nahezu perfekt“, bedauert Ralf Kempermann als Geschäftsführer von SCOL . Auch wenn diese Saison „kaputt“ sei, arbeite das Team nun am Programm für den Winter 2020/2021.

Sporthotels

Seit Winter 2009/2010 hat SCOL Skireisen das SCOL Sporthotel „Großglockner“ in Kals. Im November 2017 folgte ein weiteres Hotel in Österreich mit dem Sporthotel Zillertal in Fügen. Die Tatsache, dass Österreich einer der ersten Corona-Hotspots in Europa war, traf die SCOL Sporthotels in Kals und Fügen hart. Am 16. März wurden die Türen geschlossen. Ein weiterer herber Schlag: „Auch hier traf uns die Schließung natürlich sehr plötzlich, denn bis zum Saisonschluss am 11. April hatten wir eine sehr gute Buchungslage“, sagt der SCOL-Geschäftsführer. Hotels sollen ab dem 15. Mai für österreichische Gäste wieder öffnen dürfen, so Kempermann, wobei die Bedingungen dafür in dieser Woche bekannt gegeben werden sollen. „Bisher kamen in unseren Betrieben jeweils ein Drittel der Gäste aus Österreich“, so Kempermann. Anfang Juni habe Bayern Pfingstferien. In den Vorjahren bildeten die Bayern zu diesem Zeitpunkt die Hauptzahl der Gäste.

„Wir warten die Bedingungen ab und werden dann überlegen, wann wir öffnen werden.“ Trotz der überaus schwierigen Lage in allen Bereichen ist dem Gastronom und Hotelier eines wichtig: „Ich habe die Hoffnung auf die Wende zum Guten nicht aufgegeben!!!“

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