Ganderkesee Ganderkesees Gastronomen schwanken zwischen Hoffnung, Ernüchterung und Frust: Die von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann angekündigte langsame Wiederaufnahme des Gaststätten- und Restaurantbetriebs im Lande sorgt bei Wirten in der Gemeinde nicht gerade für Euphorie.

„Wirklich erwartet haben wir das nicht“ sagt Cerstin Vosteen, Inhaberin des Stenumer Hotels und Restaurants Backenköhlers. „Aber wir Gastronomen sind ja flexibel.“ Für den 11. Mai, wenn der Betrieb von Restaurants, Cafés und Biergärten mit Einschränkungen wieder erlaubt sein soll, laufen bei Backenköhler jetzt die Vorbereitungen. „Wir haben bestellt, was wir brauchen“, so Vosteen. Dazu werde vorerst mit einem kleinen Team gearbeitet.

Skeptisch beäugt Olaf Stolle vom Oldenburger Hof in Ganderkesee das Wiederanfahren unter strengen Auflagen. Zurzeit wisse noch nicht einmal der Branchenverband Dehoga, auf was alles zu achten sei. „Angesichts der Regel, nur zwei Personen an einem Tisch zuzulassen, und generell nur 50 Prozent der Plätze auszulasten, stünden hier Personalkosten und Nutzen wohl nicht in Relation“, sagt Stolle. Er will es sich gut überlegen, ob er seinen Restaurantbetrieb rasch wieder öffnen wird.

Auch Olaf Sievers, Wirt des Gasthofs Zur Linde in Grüppenbühren, ist nicht überzeugt: „Eine dumme Idee, die uns nicht weiterhilft. Maskenpflicht, Datenerfassung – wie viele Gäste werden wohl kommen?“, fragt er. Auch gebe es keine Regelungen für Familienfeiern. „Wenn Eltern und zwei Kinder kommen, sollen die dann getrennt sitzen, zwei und zwei?“

„Warum aufmachen?“, fragt Ulf Thiemann vom Restaurant Zur Jägerklause in Ganderkesee ebenso. Die Kosten stünden in keinem Verhältnis zu den Einnahmen. „Das verschlimmert nur den Schaden“, meint er. Thiemann hätte es besser gefunden, mit dem Öffnen der gastronomischen Betriebe zu warten, bis auch die Kontaktbeschränkungen gelockert werden.

Gerhard Menkens (Zum Grünen Hof in Hoykenkamp) denkt vor allem an die kleinen Gaststätten, die gar nicht den Platz hätten, um die Auflagen zu erfüllen. „Ich kann die Tische so stellen, dass ich den Vorschriften gerecht werde.“ Andere hätten die Möglichkeiten nicht. Menkens hält Familienfeiern im kleinen Kreis künftig aber wieder für möglich.

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Tobias Porten vom Ganderkeseer Restaurant Beef & Beats ist „gespannt, wie die Gäste reagieren“. Für ihn stellt sich vor allem die Frage, ob Kunden nicht lieber weiter ihr Essen holen, um es zuhause zu verzehren, statt es in einem Restaurant zu sich zu nehmen, dem es wegen der Corona-Beschränkungen zwangsläufig an Atmosphäre fehlt. Er hofft, dass das Wetter möglichst viel Draußenbewirtschaftung ermöglicht: „Da lassen sich die Gäste besser verteilen.“

Ein Startsignal ist die Ankündigung des Wirtschaftsministers für die Betreiberinnen der Melkhüser im Gemeindegebiet. Während Gaby Logemann in Bergedorf und Waltraud Lamers in Bürstel bislang auf die Freigabe für die Gastronomie gewartet haben, sind Karin Wilkens und ihre Familie in Kühlingen schon im April in die neue Saison gestartet – mit einem Außer-Haus-Verkauf. Für sie bringt die Lockerung der Maßnahmen nun eine neue Herausforderung mit sich: „Wenn wir wieder vor Ort bewirten dürfen, müssen wir den Gästen klar machen, dass es keinen Kuchen mehr zum Mitnehmen gibt“, so Karin Wilkens.

Thorsten Konkel Redakteur / Redaktion Ganderkesee
Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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