Ahlhorn Im Mai herrscht bei der Teichwirtschaft in Ahlhorn normalerweise Hochbetrieb. Da wird Aal geräuchert und Forelle, Familien kommen mit dem Rad vorbei und genießen die Natur. Doch dieses Jahr ist alles anders. Wegen der Corona-Krise mussten traditionelle Termine abgesagt werden. Untätig sind die Mitarbeiter indes natürlich nicht. Das hofeigene Lädchen hat Fisch zum Abholen vorbereitet. Artig warten dafür Fischliebhaber mit einer Maske in gebührendem Abstand, bis sie an der Reihe sind. Und Friedrich von Heydebrandt hat sowieso alle Hände voll zu tun. Er ist Fischwirtschaftsmeister und der Leiter der Teichwirtschaft. Seit 1993 ist der gebürtige Celler nun im Norden und hat viel Erfahrung gesammelt. In etwa vierzig Teichen werden vor allem Karpfen, aber auch Schleien, Hechte, Zander und andere Süßwasserfische gezogen. Zudem gibt es zwei Forellenanlagen.

Große Umsetz-Aktion

Jüngst stand das Umsetzen der Karpfen auf dem Plan, und zwar mit einem großen Ziel: Nachwuchs zeugen. Rund 120 Hektar Wasserfläche gehören zum Gebiet der Teichwirtschaft, davon werden rund 90 für die Bewirtschaftung genutzt. Von Heydebrandt macht eines ganz klar: „Der Naturschutz steht bei uns noch vor der Nutzung. Deswegen pflegen wir die Areale zwar, aber es gibt auch immer wieder Bereiche, die naturbelassen bleiben, sodass sich seltene Pflanzen und Tiere ansiedeln können.“

Derzeit blühen auch die Bäume der alten Apfelbaumsorte Roter Borsdorfer. „Das ist ein gutes Zeichen“, weiß der 60-Jährige. „Wenn sie zum Start in den Mai blühen, dann gibt es viele Äpfel.“ Der Fischereimeister kennt sich aus. Seit er 33 ist, beschäftigt er sich mit der Teichwirtschaft. Er stapft in Gummistiefeln in Richtung der sogenannten Hälterteiche. Da tummeln sich die Elterntiere nach dem Umsetzen jetzt – streng getrennt nach Männlein und Weiblein. „Also hoffentlich“, sagt von Heydebrandt und muss lachen. Im vergangenen Jahr sei wohl ein Fisch falsch zugeordnet worden. „Und dann laichen die hier ab, das wollen wir natürlich nicht“, erklärt von Heydebrandt und zeigt mit dem Finger auf entfernt gelegene kleinere Teiche und dem Vorwärmteich. In diesen extra vorbereiteten Liebesnestern soll die Paarung geschehen.

Karpfen mögen’s warm

„Zum Laichen brauchen es die Karpfen richtig warm, am liebsten haben sie dafür so 24 Grad Celsius Wassertemperatur.“ Wenn alles glatt läuft, produzieren die Fische dann Millionen von kleinen Eiern. „Die Brut wird vorsichtig nach etwa zehn Tagen rausgefangen und darf dann in geschützten Teichen groß werden“, beschreibt von Heydebrandt den systematischen Ablauf. Geschützt heißt in dem Fall mit Netzen abgespannt. „Die haben wir vor drei Jahren angeschafft, mit einem Zuschuss vom Land Niedersachsen. Seitdem haben wir nicht mehr so hohe Verluste“, so Heydebrandt. Solange die Fische noch so klein sind, sind sie leichte Beute für Kormorane. „Erst wenn sie so 800 Gramm haben, kriegen die Vögel sie nicht mehr weg“, geht von Heydebrandt ins Detail. Sind sie ordentlich gewachsen, dürfen die Karpfen schon wieder umziehen – in eine der größeren, freien Wasserflächen, zum Beispiel den Helenensee oder den Schilfteich. Übrigens dauert es vier Jahre, bis ein Karpfen so groß ist, dass er für den Verzehr geeignet ist. „Das Schlachten gehört zu dem Beruf dazu, das lernt man mit der Zeit“, sagt von Heydebrandt.

Und den Beruf, den macht er auch nach so lange Zeit noch immer sehr gern. Leben mit den Jahreszeiten, draußen sein, viel Abwechslung. Nur angeln, das tut man in dem Job – entgegen allen Erwartungen – nicht. „Unser Handwerkszeug sind Netze, Kescher, Spaten und Sense.“ Und dann stapft er wieder los. Auf diesem Gelände gibt es eben immer was zu tun.

Imke Harms Reporterin / Redaktion Wildeshausen
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