Bremen Es ist kalt an diesem Morgen, der Wind pfeift durch die Straßen des Bremer Steintorviertels. Die Menschen hasten geschäftig vorbei. Doch da öffnet plötzlich ein gut gekleideter junger Herr mit Hut eine unscheinbare Tür – und schon ist man mittendrin in der geheimnisvollen, sinnlichen und opulenten Welt von Phil Porter. An der Hollerstraße hat der Künstler Anfang des Jahres den „Salon Obscura“ eröffnet.

Der „Salon Obscura“ im Bremer Viertel (Bild: Weber)

Hier zeigt Phil Porter (29) seine Fotografien. Aber nicht in einer klassischen Ausstellung: Gestaltet ist der Salon wie ein Hotel der 20er Jahre – oder auch Etablissement, wie Phil Porter sagt. Gedämmtes, rotes Licht, ein betörender Duft, enge Gänge mit zahlreichen Zimmertüren, ein klappriger Fahrstuhl und hinter dem hölzernen Schreibtisch tickt gleichmäßig eine massive, große Standuhr.

Körper als Leinwand

Wie in einer Art Labyrinth können sich die „Hotelgäste“ – wenn die Ausstellung nach dem Lockdown wieder öffnet – die Motive von Porter ansehen, neben den Rahmen ein kleines Ticket ziehen und die Motive anschließend als Poster erwerben. Die Fotografien sind aufwendig gestaltet, von zwei Stunden bis zu mehreren Monaten benötigt der 29-Jährige mit seinem Team dafür.

Als Leinwand für die kräftigen Farben dient da nicht selten der Körper des Models selbst. Oder das Setting ist besonders kompliziert: „Einmal hatten wir einen hohen Turm aus Plastikmüll, auf dem noch eine Person sitzen sollte“, erzählt Porter. Weil das Studio zu niedrig war, wurde der Hintergrund kurzerhand an die Regenrinne der Hauswand gehängt und das Shooting nach draußen verschoben. Zu wirklich jedem Motiv kann der Künstler eine spannende Geschichte erzählen.

Blick hinter die Fassade

Schick mit Schirm und Hut: Phil Porter auf dem Bremer Freimarkt. (Bild: Soul Chasing Photography)

Klar wirken die Bilder auf den ersten Blick inszeniert. „Aber in der Fotografie – außer im Journalismus – geht es heute selten darum, die Lebenswirklichkeit zu zeigen“, sagt Porter. Für ihn sei es wichtig zu erfahren, wie sich die Person gern darstellt. Was man auf den Bildern sehe, das sei ja der eigentliche Blick hinter die Fassade. Außerdem werde nichts beschönigt oder retuschiert. Kein Faden, kein Tattoo, keine Schramme – und auch kein Intimbereich wird übertüncht. „Perfektionismus ist kein Ideal für mich.“

In erster Linie ist Phil Porter also Fotograf – oder etwa nicht? „Fotograf ist mir schon zu vage, für das was ich mache“, sagt er und lacht herzlich, während er stilvoll dem Besuch geräucherte Rosenlimonade kredenzt. „Vielleicht in erster Linie Beobachter oder Entdecker. Die Fotografie ist Teil eines großen Ganzen – ich sage einfach immer, ich bin die Hälfte von Henning Scherf. Also, in der Größe. Das trifft es ganz gut.“

Ein Flaneur in Bremen

Er sei ein sehr neugieriger Mensch, meint Porter. „Ob ich male, schauspielere, fotografiere oder schreibe – es ist immer Neugier dabei. Ich brenne für das, was ich tue. Durch Neugier entsteht Glück.“

Unter das „große Ganze“ fällt bei Phil Porter also neben der Fotografie auch die Organisation von glamourösen Maskenbällen im Bremer Parkhotel („La Rebellion“), besondere Stadtführungen in Bremen – und eben auch das Schreiben: „Ich habe schon immer eine Faszination für Sprache“, sagt der 29-Jährige. Früher in der Schule habe er eher wenige soziale Kontakte gehabt, Schreiben sei für ihn seine Sprache gewesen. Heute – Jahre später – geht er gern als Beobachter durch die Hansestadt.

Das Buch „Rom des Nordens“ (Bild: Porter)

An freien Tagen („Vor der Coronakrise, jetzt habe ich ständig freie Tage“) nahm er sich viel Zeit. So entstand nicht nur Stoff für die Stadtführungen, sondern gleich ein Buch: „Rom des Nordens – Bremen aus Sicht eines Flaneurs“ zeigt Bremen in seiner sinnlichen Facette.

Nicht die bekannten Sehenswürdigkeiten Bremens stehen für den Künstler im Vordergrund: „Von Schönheit zeugen die Menschen, die vor dem Roland oder den vier Stadtmusikanten stehen“, sagt Porter. Die Geschichten, die sich davor abspielen, Fröhlichkeit, vielleicht auch Diskussionen. „Schönheit entsteht dort, wo Perfektion gebrochen wird. Pures Leben – das ist schön.“

Von den Medien wird Phil Porter gern als Salonlöwe bezeichnet, als Exot oder Paradiesvogel. „So sehe ich mich aber nicht“, betont der Bremer, der mit bürgerlichem Namen eigentlich gar nicht Phil Porter heißt. „Ich bin so, wie ich bin“, sagt er – keine Facette oder Figur: „Schon in der Schulzeit habe ich gern Anzug getragen.“ Und das glaubt man ihm sofort.

Tonia Hysky Redakteurin / Redaktion Kultur/Medien
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