Zetel Witzige Idee, eine der zurzeit am prominentesten besetzte Rockgruppe augenzwinkernd „Die toten Gänseblümchen“ (im Original „The Dead Daisies“) zu nennen. Zumal: Tot ist in dieser Band, in der es vor heißen Riffs, eingängigen Hooks und erbarmungslos vorwärts marschierenden Schlagzeug-Grooves nur so qualmt, rein gar nichts.

Und überhaupt: Ehemalige Mitglieder von Whitesnake, von Journey sowie von Deep Purple und Black Sabbath unter dem Logo eines profanen Korbblütlers zusammenzufassen, entbehrt nicht einer gehörigen Portion Humor!

Eindrucksvolles Album „Holy Ground“

Denn wer bunte Paradiesvögel wie Doug Aldrich (Gitarre), Deen Castronovo (Schlagzeug) oder Neuzugang Glenn Hughes (Gesang, Bass) kennt, begreift sofort, dass hier farbenprächtige Blumen gedeihen. Mit ihrem ungewöhnlichen Bandnamen hört das Understatement der Gruppe allerdings schon auf. Alles andere ist große Klappe, wie das neue Album „Holy Ground“ eindrucksvoll beweist.

Und dies sogar umso mehr, seit der als Diva verschriene Engländer Glenn Hughes festes Bestandteil des Mauerblümchen-Straußes ist. Der 69-Jährige gilt als einer der besten Rocksänger der Musikgeschichte, war unter anderem am Deep Purple-Klassiker „Burn“ (1974) beteiligt und hat bei Black Sabbath „Seventh Star“ (1986) veredelt.

Seit Sommer 2019 gehört Hughes zu den Dead Daisies und besetzt dort gleich zwei Schlüsselpositionen, nämlich die des Bassisten und Sänger, eine Art Machtkonzentration am vordersten Bühnenrand. Auf etwas anderes hätte sich der in Los Angeles lebende Brite allerdings auch kaum eingelassen. Denn seine Selbstwahrnehmung erlaubt nur eine Entscheidung: alles oder nichts. „The Dead Daisies erhoffen sich von mir noch bessere Songs mit noch besseren Texten und noch besseren Performances“, gibt er gewohnt siegessicher zu Protokoll.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Im persönlichen Gespräch Hughes ist nicht etwa unangenehm großkotzig, sondern charmant und mitteilungswillig. Aber eben auch ein wenig narzisstisch und eitel. Er sagt: „Die ,Daisies’ wünschen sich von mir, dass ich bei ihnen die Führung übernehme.“

Bandchef ist ein australischer Geschäftsmann

Dies scheint tatsächlich im Interesse seines neuen Bandchefs zu sein, dem millionenschweren australischen Geschäftsmann und Gitarristen David Lowy, der mit dieser Truppe sein bisheriges Hobby zur Hauptbeschäftigung gemacht hat. Lowys zweites Steckenpferd, das Sammeln alter Militärmaschinen, führte 1999 zur Gründung eines sehenswerten Flugzeugmuseums in Temora, einem kleinen Städtchen im australischen Bundesstaat New South Wales.

Als Rockmusiker beschäftigt sich der Mann allerdings lieber mit Gegenwart und Zukunft. Und dazu gehört eben auch die Verpflichtung von Hughes. Der war einst schwer drogen- und alkoholabhängig und gilt als schwieriger Zeitgenosse. „Früher war ich ziemlich krass drauf“, gesteht der Engländer, „doch als ich 1992 zum Entzug in die Betty Ford Klinik musste, traf ich eine sehr persönliche Entscheidung: Von nun an singe ich nur noch über Dinge, die meinem Wunsch nach Gemeinschaft, nach Familie und Zuneigung entsprechen. Viele Menschen nennen mich einen Botschafter in Sachen Liebe und Einigkeit, mein Leitspruch lautet: Love is the answer and music is the healer.“

Das Teamspiel

CD „Holy Ground“

Das neue Album von „The Dead Daisies“ (gegründet 2012 in Sydney) versprüht puren Rock’n’Roll aus jeder Rille, überzeugend intoniert, virtuos gespielt, und immer mit einem Quäntchen Aufmüpfigkeit und Revolution im Unterton. Die geplante Tour soll 2022 stattfinden.

    https://thedeaddaisies.com

Und wird er bei The Dead Daisies tatsächlich seine Erfüllung finden? Das jedenfalls hofft Hughes inständig: „Ich sagte zu David Lowy: „Ich habe keine leibhaftigen Brüder oder Schwestern, ich möchte in einer Band glücklich sein und mich wie in einer Familie fühlen.“ Und genau diesen Eindruck hatte ich vom ersten Moment an. Alle bei The Dead Daisies sind total nett zu mir. Sie räumen mir den musikalischen Freiraum ein, den ich brauche, und sie vertrauen mir, dass ich die Gruppe auf ein höheres Niveau bringe.“

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