Bjarne Mädel agierte beim Dreh gleichzeitig als Regisseur und Hauptfigur. Was war ihm wichtig – und warum passt die Figur des Kommissars so gut zum gebürtigen Hamburger? Ein Gespräch.
Frage: Im Film „Sörensen hat Angst“ spielen Sie die Hauptfigur und führten gleichzeitig zum ersten Mal Regie. Was bedeutete das für Ihre Arbeit?

Bjarne Mädel: Ich hatte am meisten Angst davor, dass die Kollegen sagen, ich würde nicht richtig spielen, sondern nur zuschauen. Aber durch die vielen Jahre vor der Kamera bin ich durch das Zeichen „Und bitte!“ so konditioniert, dass ich direkt in der Situation und in der Figur bin – und führte dann nicht Regie. Aber auch als Schauspieler spürt man ja, ob die Szene einen guten Rhythmus hatte oder etwas hakte. Jetzt musste ich mir das eben nur merken und es den Kollegen anschließend sagen. Ich bin natürlich recht oft zum Monitor gerannt, um die Szene zu überprüfen – das hält einen auch in Bewegung. Mir wurde dann nicht so schnell kalt wie sonst (lacht).

Frage: Woran merken Sie, ob eine Szene gut gelaufen ist?

Mädel: Man hat einfach ein Gespür dafür. Als Schauspieler merkt man, ob es stimmig war, oder ob etwa die Spannung gefehlt hat. Insofern hat es mir bei diesem Film sehr geholfen, dass ich gleichzeitig immer in der Szene drin war. Es gibt diese magischen Momente, wo alle Beteiligten spüren: Das ist jetzt echt super gelaufen. Ingrid Lausund, die den „Tatortreiniger“ geschrieben hat, sagte bei Theaterproben immer: „Da war jetzt richtig Musik drin“.

Frage: Hatten Sie denn bei der Regie eine Art Vorbild?

Mädel: Nicht direkt. Ich habe sehr viel mit Arne Feldhusen gearbeitet, das war der erste tolle Filmregisseur, der mir begegnet ist. Von ihm habe ich mir vorher Tipps geholt. Ich mag außerdem die Filme der Coen-Brüder wahnsinnig gern und es gibt so manche Serie, die wir uns sozusagen als Vorbild genommen haben. Zum Beispiel die Serie Ozark von Netflix, deren Farbgebung beziehungsweise Beleuchtung uns sehr gefallen hat.

Frage: Wie hält man die Balance im Film zwischen Tragik und Komik?

Mädel: Das ist in diesem Fall tatsächlich bereits so toll im Roman von Sven Stricker angelegt. Wir beide haben zusammen am Drehbuch gesessen und schon beim Schreiben darauf geachtet, dass wir die Balance der Vorlage erhalten. Der Humor funktioniert über die Figuren – etwa, dass Sörensen sich humorvoll mit seiner Angststörung auseinandersetzt. Dramaturgisch ist gelungen, dass der Film einen leichten Einstieg hat, irgendwann aber die Härte des Kriminalfalles übernimmt.

Frage: Dass die Figur des Sörensen so gut zu Ihnen passt, ist dann kein Zufall, oder?

Mädel: Das stimmt! Das Ganze hat tatsächlich Sven Stricker mal für mich als Hörspiel geschrieben. Er hatte bei dieser Arbeit aber noch so viel Material im Kopf, dass auch noch ein Roman entstand. „Für mich geschrieben“ – das heißt einfach, dass Sven sich beim Schreiben vorstellen konnte, wie ich das wohl spielen könnte.

Frage: Was war Ihnen im Film besonders wichtig?

Mädel: Mit am wichtigsten war mir, ein schweres Thema trotzdem mit Leichtigkeit und Humor zu behandeln. Inhaltlich war mir wichtig, dass man alles gleich ernst nimmt. Etwa die Angststörung. Wir wollten nicht einen Kommissar zeigen, der irgendwie eine Macke hat, sondern dieses Krankheitsbild an sich begreifen und den Zuschauer mitreinziehen in die Angst. Es sollte außerdem kein „Norddeutscher-Postkarten-Wohlfühlfilm“ werden, sondern wie der Roman düster und matschig sein. Das bestimmt auch die Farbigkeit des Films. Außer einem roten Pulli oder dem roten Auto von Sörensen gibt es keine grellen Töne.

Frage: Haben Sie sich für Ihre Rolle mit Angstpatienten beschäftigt?

Mädel: Ja, Erfahrungen habe ich aus erster Hand, da der Autor dieses Films Betroffener ist und mit dieser Krankheit vertraut ist. Ich habe auch viel recherchiert und andere Patientenberichte gelesen – einiges habe ich dann schauspielerisch umgesetzt. Etwa die verkrampften und schwitzigen Hände, dass die Angst auf die Stimme schlägt, man sich räuspern muss, dieses Gefühl keine Luft zu bekommen. Ein spannender Komplex – diese Angst.

Tonia Hysky Redakteurin / Redaktion Kultur/Medien
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