Schortens /Sande „Endlich wieder Schule... Dass ich das mal sagen würde, hätte ich vor kurzem nicht für möglich gehalten.“ Mathilda Janßen, Zehntklässlerin an der IGS Friesland-Nord in Schortens, hat nach sechs Wochen schulfreier Zeit genug vom so genannten Homeschooling, dem digitalgestützten Lernen allein zu Hause. „Ich bin froh, dass ich endlich wieder in die Schule kann, meine Klassenkameraden und die Lehrer wiedersehe und dass wieder ein kleines bisschen Normalität zurückkehrt. Beim Lernen zu Hause fehlt doch oftmals die Tagesstruktur.“

Landesweit sind am Montag an die weiterführenden Schulen die ersten Schüler zurückgekehrt. Dennoch herrschte vielerorts an den Schulen gespenstische Stille und Leere. Viele Klassenzimmer bleiben noch wochenlang leer.

Nur 90 Schüler in Schule

In der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Schortens wuseln normalerweise 750 Kinder und Jugendliche der Jahrgänge 5 bis 9 durch das weitläufige Gebäude. „Aktuell sind es nur 90 Schüler“, sagt Schulleiter Wolfgang Ernstorfer. Am Standort Beethovenstraße werden in zwei Etappen die insgesamt rund 150 Zehnklässler sowie einige Neuntklässler auf ihre Abschlussarbeiten vorbereitet, die ab 20. Mai geschrieben werden.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Am Montag war die erste Hälfte des zehnten Jahrgangs da, am heutigen Dienstag folgt die andere Hälfte. „So geht das zunächst in den nächsten 14 Tagen weiter“.

Am Oberstufen-Standort der IGS an der Mühlenstraße – das eigentliche Schulgebäude ab dem zehnten Jahrgang – sind am Montag nur die 80 angehenden Abiturienten aus Jahrgang 13 und ihre Tutoren zurück. Am 11. Mai beginnen Corona-verspätet die schriftlichen Abi-Prüfungen, die verbleibenden knapp zwei Wochen bis dahin werden zur Prüfungs-Vorbereitung genutzt. Am 9. oder 10. Juli soll es dann die Abi-Zeugnisse geben. „Wie und in welchem Rahmen das geschieht, wissen wir noch nicht“, sagt Ernstorfer. Klar ist: Eine große Abschlussfeier wird es nicht geben. Vermutlich nicht mal eine kleine.

„An der Schule ist nichts mehr normal“, meint Zehntklässlerin Finja Pößnecker. Nicht nur, dass sie vorübergehend vom Oberstufen-Gebäude an die Beethovenstraße umquartiert wurden und die Klassen aufgeteilt und nun abwechselnd an den Werktagen unterrichtet werden; das weitgehend leere Gebäude, das Abgeschirmtsein, das sei alles sehr befremdlich. Sie sehnt sich nach einem ganz normalen Schulalltag zurück und danach, ihre Klassenkameraden und Freunde wiederzusehen.

An der IGS wurden, so gut sich das umsetzen ließ, die Wege nun so organisiert, dass sich Schülergruppen nicht in die Quere kommen. sagt der stellvertretende Schulleiter Jörg Höfer. So würden die etwa 90 Schüler, die am Montag zurückkehrten, auf sechs Klassenräume verteilt; die rund 90-köpfige Schülergruppe, die heute an die IGS zurückkehrt, nutzt andere Räume.

Die räumliche Aufteilung der Klassen wird umso schwieriger, je mehr Jahrgänge nach und nach in die Schule zurückkehren, sagt Wolfgang Ernstorfer. „Das wird ein Problem.“

In Sande hat Schulleiter Hans-Joachim Vogt von der Oberschule mit seinem Kollegium alles getan, um dem Hygienekonzept gerecht zu werden. Nur 30 Schüler aus den Jahrgängen 9 und 10 starteten am Montag an der Oberschule Sande. Und anders als geplant, wird auf Anweisung des Ministeriums bis auf weiteres nicht im Kurssystem, sondern im Klassenverband unterrichtet. Das soll, so Vogt, die Mischung der Lerngruppen vermeiden.

Auch an der Oberschule Sande werden die Schüler der Abschlussjahrgänge aufgeteilt, kommen wechselweise an unterschiedlichen Tagen und arbeiten an den anderen Tagen zu Hause weiter. Selbst für den Weg zu den Toiletten wurde eine Art Einbahnstraße auf die Böden geklebt.

Keine Maskenpflicht

Einige Schüler haben im Unterricht Masken auf. Eine Maskenpflicht in der Schule besteht allerdings nicht – jedoch auf dem Weg zur Schule im Schulbus. Für Schüler wie Lehrer ist die ganze Situation surreal. Dass nach den Sommerferien Ende August mit dem neuen Schuljahr wieder ein halbwegs normaler Schulalltag stattfinden kann, können sich weder Hans-Joachim Vogt, noch Wolfgang Ernstorfer und Jörg Höfer vorstellen. Alle fahren „auf Sicht“.

Am 11. Mai soll an der IGS der Jahrgang 12 zurückkehren. Ende Mai folgen die Jahrgänge 7, 8 und 11 und schließlich die Klassen 5 und 6. Die Jüngsten hatten dann fast drei Monate keine Schule – und gehen kurz darauf schon wieder in die Sommerferien.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Weitere exklusive Plus-Artikel

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.