Sande 75 Jahre sind seit dem Ende des zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 vergangen, dessen wurde am Freitagabend überall im Jeverland gedacht. Auch in Sande läuteten um 19.45 Uhr die Glocken der evangelischen St. Magnus-Kirche und eine kleine Gruppe kam auf Initiative des Kirchenältesten Lothar Mehl auf dem nahe gelegenen Friedhof zusammen. Dort ging es allerdings nicht nur um das Ende des Krieges, sondern es wurde auch der Opfer gedacht, die auf einem Areal, das als „Fremdarbeiterfriedhof“ bezeichnet wird, begraben liegen.

Dieses Areal auf dem Friedhof liegt versteckt, es ist umsäumt von einer Hecke und mit einem unauffälligen Steinkreuz versehen, selbst viele Sander kennen diesen Ort nicht. Immer noch ist zu spüren, dass man sich lange nicht gern an dieses schwarze Kapitel erinnern wollte. Das soll sich ändern: Es ist schon etliche Jahre her, dass mit Hilfe des Heimatforschers Holger Frerichs ein Prozess in Gang kam, der die Aufarbeitung der Geschichte und die Erinnerung zum Ziel hat.

Alle Namen der Opfer, die dort begraben liegen, sind in den Kirchenbüchern verzeichnet; in Planung ist eine Tafel, auf der die Namen, die Lebensdaten und die Heimatorte der Opfer verzeichnet sind. Derzeit durchläuft das Projekt das Genehmigungsverfahren und liegt beim Bundesinnenministerium.

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Begraben liegen auf dem Areal 122 Polen und Russen. Viele von ihnen waren als Kriegsgefangene im „Lager Mühle“ in Altmarienhausen und im „Lager Neufeld“ interniert. Sie wurden im gesamten Jeverland zur Bombenentschärfung, zu Straßenbauarbeiten und ähnlichem gezwungen. Außerdem waren dort zunächst Holländer, Belgier und Franzosen beerdigt worden – sie waren nach dem Krieg in ihre Heimat zurückgeholt und dort begraben worden.

Die Arbeiter starben häufig an purer Gewalt, „viele wurden erschlagen, etliche verhungerten oder waren so entkräftet, dass sie auch leichten Krankheiten erlagen“, berichtete Lothar Mehl.

Pastor Jörg Zimmermann geißelte den Begriff Fremdarbeiter als Euphemismus: „Zwangsarbeiter träfe es besser.“ Das Wissen, dass es die eigenen Vorfahren waren, die diese Menschen so furchtbar behandelt hätten, sei nicht einfach zu ertragen. Beim Erkennen neuer rechter Umtriebe könne man verzweifeln, so der Pastor. Er rief dazu auf, die Erinnerung als Vermächtnis zu sehen, die Zukunft menschlich und lebensfreundlich zu gestalten.

Sandes Bürgermeister Stephan Eiklenborg mahnte, die Demokratie zu schützen. Wie fragil die Strukturen seien, lasse sich gerade jetzt anhand der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus gut erkennen: „Solche Macht in falschen Händen – das wäre eine Katastrophe.“

Prof. Dr. Antje Sander, Dr. Andreas von Seggern und Bürgermeister - Jan Edo Albers eröffneten die Ausstellung „Ende und Anfang“, musikalisch begleitet von Chapeau Manouche. BILD: Atto Ide

Ende und Anfang – Ausstellungseröffnung im Schlossmuseum

Die Freude, wieder geöffnet zu haben, ist jedem Mitarbeiter des Schlossmuseums Jever anzumerken. Und sie können gleich mit einer eindrucksvollen Ausstellung aufwarten. „Ende und Anfang“ führt die Besucher zurück in die Zeit um 1945, zum Ende des Zweiten Weltkriegs und in die ersten Nachkriegsjahre im Oldenburger Land.

Eine Eröffnung, wie man sie sonst im Schloss gewohnt ist, war in der Corona-Krise nicht möglich. Prof- Dr. Antje Sander, Dr. Andreas von Seggern und Bürgermeister Jan Edo Albers eröffneten die Ausstellung ohne Publikum, ließen sich dabei filmen und stellten das Video ins Netz.

Mit eindrucksvollen Bildern, Dokumenten und Gegenständen dokumentiert die Ausstellung – ausgehend von den letzten Kriegswochen mit Bildern zerbombter Städte, den Konzentrationslagern und dem Vormarsch der alliierten Truppen ins Oldenburger Land – die Schrecken dieser Zeit.

Dass die Ausstellungseröffnung am Tag der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai stattfand, war Absicht: Für Museumsleiterin Antje Sander ist dieses Datum Anlass, „dankbar zu sein, dass wir seit 75 Jahren in Frieden in einem Rechtsstaat leben, und eine Verpflichtung, Frieden und Rechtsstaat zu erhalten“, betonte sie.

Jevers Bürgermeister erinnerte daran, dass die Flüchtlinge, die nach dem Krieg in Jever eine neue Heimat fanden, die Stadt bunter, vielfältiger und reicher gemacht haben. Der 8. Mai verpflichte die Deutschen, sich für Frieden, Freiheit und Demokratie einzusetzen, betonte er.

Ausführlich zeigt die Ausstellung, wie die Alliierten versuchten, das öffentliche Leben wieder so zu organisieren, dass die Versorgung einigermaßen sichergestellt war. Mit der „Reeducation“, und einem zaghaften Beginn eines kulturellen Lebens entwickelten sich erste Ansätze eines „normalen“ Lebens.

Die Eröffnung unter www.schlossmuseum.de/aufzeichnung-ausstellungseroeffnung-ende-und-anfang-im-livestream-am-08-05-2020/

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