Oldenburg Seit Jahren protestieren die Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegen die aus ihrer Sicht überflüssigen Quartalsgebühren für TV-Sender, Radioprogramme und Online-Auftritte von ARD, ZDF und DeutschlandRadio. Und jetzt soll der Rundfunkbeitrag auch noch erhöht werden. Viele Gegner fordern dessen Abschaffung. Die Kritik gerade im Pandemie-Jahr ist knallhart. Öffentlich-Rechtliche würden einseitig berichten, zu wenige Informationssendungen ausstrahlen, dafür umso mehr Geld rauswerfen für Telenovelas und Sportsendungen. Außerdem gucke sowieso fast niemand mehr diese Sender (höchstens noch die Älteren), das Internet biete bessere Nachrichten. Ein Fakten-Check:

Quoten

Ein Blick auf die nackten Zahlen: 2020 war das Jahr, in dem Information, Weltgeschehen und Nachrichten plötzlich wieder „in“ wurden. Ohne die beliebten Sportsendungen und Krimis steht die „Tagesschau“ bei den Einschaltquoten auf Platz eins. Am 22. März sahen 12,5 Millionen Zuschauer um 20 Uhr in der Spitze die Sendung auf ARD.

Den größten Sprung machte das ZDF. Die „heute“-Sendung um 19 Uhr verbesserte sich beim Marktanteil um 15 Prozent gegenüber 2019, die Polit-Talkshow mit Maybrit Illner und Corona-Spezials lagen von der Quote her regelmäßig über dem Senderschnitt. Alles in allem war das ZDF 2020 erneut der meistgeschaute deutsche Sender. Klarer Punkt für die Öffentlich-Rechtlichen: Sie haben vielen Deutschen wohl entgegen heftiger Kritik die Pandemie und das Weltgeschehen ansprechend erklärt.

In der Unterhaltung gibt es ein ähnliches Bild. Der Tatort (ARD) gehört zu den beliebtesten Sendungen der Deutschen, das Champions-League-Finale im Fußball (ZDF) lockte 12,8 Millionen Zuschauer an.

Junge Zielgruppe

Ein Schlag ins Gesicht für die Kritiker: 2020 haben die Sender überraschend viele junge Menschen angezogen. Nicht nur die Streamingdienste Netflix oder Amazon Prime waren große Gewinner. Um 63 Prozent stieg der Marktanteil der „heute“-Sendung bei den 14- bis 49-Jährigen. Die Nutzung des Informationsangebots in der ZDF-Mediathek ist im Vergleich zu 2019 um sagenhafte 60 Prozent gewachsen. Und das, obwohl Kritiker dem linearen Fernsehen nachsagen, TV sei in der jungen Generation ein Auslaufmodell.

Qualität

Zu wenige qualitative Sen-dungen: Das bemängeln einige Gegner. Zu Anfang der Pandemie konnte man wirklich teilweise den Eindruck bekommen, es wird nur das berichtet, was Politiker und spezielle Wissenschaftler zu sagen haben. Diese Phase war wohl zum Teil der ungewohnten Situation geschuldet, auch Medien mussten Themen im Jahr 2020 erst einmal neu justieren. Diese kurze Phase der Richtungssuche ist längst vorüber. Einseitigkeit der Information und kritiklose Berichte sind beim ÖRR (meist) einer sachlichen Diskussion gewichen. Dazu tragen viele Formate bei: sei es das Auslandsjournal, Quarks, Frontal 21, Plusminus und auch die Spartensender wie Phoenix oder ARD Alpha.

Und was wäre die Alternative? Ausschließlich Nachrichten von privaten TV-Sendern oder doch von Pseudo-Qualitätsanbietern im Internet?

Kritik

Längst nicht jede Sendung auf ARD, ZDF oder den Dritten ist sehenswert, nicht alles gut recherchiert. Kritik ist sicher auch nötig, denn ARD und ZDF sind nicht so extrem wie private Sender von Einschaltquoten abhängig. Dennoch wird – übrigens bereits seit Frühsommer – ein differenziertes Bild in der Pandemie geschaffen. Das Schwarz-Weiß-Prinzip mehrerer Kritiker, aufgrund weniger schlechter Informationssendungen – die es gibt – jegliches Angebot schlechtzureden, ist undifferenziert und populistisch.

Ob nun wirklich der Rundfunkbeitrag erhöht werden muss, ist übrigens eine andere Frage. Ein Abspecken der Angebote sollte zumindest durchdacht und gegengerechnet werden. Eine Abschaffung allerdings mutet absurd an, denn Qualität und Mischung stimmen eben doch meist. Ganz wichtig zudem: Am Ende entscheiden Klicks und Quoten – momentan klar zugunsten von ARD und ZDF.

Christoph Tapke-Jost Redakteur / Newsdesk
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