Kreis Cloppenburg Autoradio auf volle Lautstärke aufgedreht – Konzertfeeling an. So hatte es sich Chris Bruns, Berufsmusiker und Inhaber der „Chris Bruns Musikschule“, (Lindern) überlegt. Er wollte mit seiner Band „Crackerjacks“ ein Live-Konzert spielen und dieses in die vor einer Bühne geparkten Autos beziehungsweise deren Radios übertragen lassen. Abgeschaut hat sich der Linderner die Idee bei Autokinos, die derzeit in vielen Städten ins Leben gerufen werden. Allerdings kann das Ordnungsamt des Landkreises Cloppenburg die Veranstaltung so nicht genehmigen.

Das ruft bei dem 28-Jährigen so viel Frust hervor, dass er bei Facebook einen offenen Brief an den Landkreis veröffentlichte. Und dieser schlug hohe Wellen. Doch der Reihe nach...

Bruns ist Berufsmusiker und Inhaber einer Musikschule. „Aufgrund der Coronakrise brechen mir momentan alle Einnahmen weg. Ich gebe noch ein bisschen Online-Unterricht. Alle Konzerte von den ,Crackerjacks’ sind bis Ende des Jahres abgesagt“, beschreibt der Linderner seine Situation. Sonst gibt die dreiköpfige Band, die als Cover-Band Songs neu interpretiert, zwischen 30 und 40 Konzerte im Jahr. Weil die Kasse ohne Einnahmen leer bleibt, hält der Linderner auch nichts davon, im Internet ein Konzert zu streamen und auf Spenden zu hoffen.

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Von einer Band in Köln las er von einem Radio-Konzert im Auto. Angefixt von dieser Idee wandte er sich an das Ordnungsamt des Landkreises. Denn bevor der 28-Jährige weiter planen wollte, wollte er zunächst das „Go“ von der Genehmigungsbehörde haben. Dort wurde er aber nach eigenen Aussagen relativ barsch abgebügelt. „Die Mitarbeiter wussten erst nicht so richtig weiter und sagten, sie melden sich wieder. Einige Stunden später bekam ich dann nur den Anruf, dass so etwas nicht genehmigt werden könne und auch keine Ausnahme geplant sei“, sagt der Musiker enttäuscht.

Eine Antwort oder Begründung für das Nein blieb die Behörde zunächst schuldig. Dann verfasste Bruns den bereits erwähnten offenen Brief. Und erhielt viel Zuspruch für seine Idee, zumindest ein wenig Kultur in der Corona-Pandemie zu verbreiten. „Der Bürgermeister von Friesoythe hat sich bei mir gemeldet. Auch der Emsteker Bürgermeister hat den Beitrag positiv kommentiert. Und die Junge Union hat mir ihre Unterstützung zugesagt“, so Bruns. Am Freitag meldete sich erneut das Ordnungsamt und zeigte sich laut Bruns gesprächsbereiter.

Trotzdem, so Kreis-Sprecher Frank Beumker auf Nachfrage der NWZ, gebe es bei dem von Bruns geplanten Konzept noch einige Probleme. Nur Berufsmusiker sind vom Verbot von Zusammenkünften mit mehr als zwei Personen auf der Bühne ausgenommen. Da die Band nicht lautlos spielen könne – so wie der Film im Autokino direkt ins Radio übertragen wird – könne der Landkreis nicht ausschließen, dass sich Menschen außerhalb des Geländes treffen – und so gegen das Kontaktverbot verstoßen.

Der Landkreis Cloppenburg sei an die rechtlichen Vorgaben der Verordnung gebunden. Diese lassen ansonsten auch keine Ausnahmen zu, teilt Beumker weiter mit. „Der Landkreis ist aber grundsätzlich gewillt, das Auto-Konzert als positiven Beitrag der Kultur in dieser schwierigen Zeit zu ermöglichen. Zur Zeit wird geprüft, ob die Veranstaltung ähnlich wie ein Autokino durchgeführt werden kann“, sagt Beumker weiter.

Ideen sind beispielsweise ein Indoor-Konzert mit Übertragung nach draußen in die Autos durch eine Sonderfrequenz der Radios. Der Kreis habe außerdem beim Niedersächsischen Sozialministerium angefragt, und hält Kontakt mit Bruns.

Vielleicht gibt es ja doch noch ein Happy-End und einen kleinen Kultursommer?

Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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