Ammerland Viele Ammerländer werden in diesem Jahr Urlaub daheim machen. Was keineswegs schlecht sein muss. Wir leben nämlich in einer boomenden Tourismusregion, die Menschen aus ganz Deutschland immer stärker anzieht. Davon ist wegen Corona zwar gerade nichts zu spüren. Doch die Zahlen aus dem vergangenen Jahr können sich durchaus sehen lassen. Seit es die Statistik gibt, war 2019 das zweitbeste Jahr, nur 2018 war noch einen Hauch besser.

So war 2019

1,330 Millionen Übernachtungen zählte der Landkreis. Das sind 30 000 weniger als im Rekordjahr 2018, berichtete Frank Bullerdiek, der Leiter der Ammerland-Touristik.

Amtliche Zahlen gibt es nur für Betriebe ab zehn Zimmern. Genau 881 287 Übernachtungen wurden hier erfasst. Zum Vergleich: 1996 lag die Zahl bei etwa 600 000.

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Zu den Betrieben müssen im Ammerland aber auch die vielen Ferienwohnungen hinzugerechnet werden. Erfahrungswerte gehen von einem Anteil von 34 Prozent an der Gesamtzahl der Übernachtungen aus. So ergibt sich auch die Zahl von 1,33 Millionen.

Bei den Zahlen für die einzelnen Gemeinden werden vom Landesamt für Statistik auch nur Betriebe ab zehn Betten aufgelistet. Für Edewecht und Apen gibt es aber keine konkreten Daten. So sieht es in den Orten aus:

Bad Zwischenahn

Die Hochburg des Ammerland-Tourismus verzeichnete allein zwei Drittel der Übernachtungen in gewerblichen Betrieben – 601 000 waren es laut Statistikamt. Gegenüber 2016 ist das ein Plus von 25 000 Übernachtungen. Nicht mitgerechnet sind Ferienwohnungen, aber auch nicht die Reha-Klinik.

Die Auslastung lag über das ganze Jahr gerechnet bei 53,5 Prozent. Im Schnitt blieben die Gäste 3,4 Tage.

Rastede

Von solchen Zahlen können die Betriebe in Rastede nur träumen. Hier lag die Auslastung nur bei 31,9 Prozent, Gäste blieben im Schnitt 2,2 Tage. Insgesamt wurden knapp über 48 000 Gäste gezählt.

Westerstede

In der Kreisstadt kam man immerhin auf eine sechsstellige Zahl – mit 102 651 Hotelgästen. Die blieben im Schnitt 2,2 Tage und sorgten für eine Auslastung von 26,5 Prozent.

Wiefelstede

Wiefelstede schaffte knapp 93 000 Gästen zwar kein sechsstelliges Ergebnis. Dafür blieben die Besucher dort am längsten – im Schnitt 4,5 Tage. Die Auslastung lag bei 26 Prozent.

Wie wird 2020?

Auch ohne Glaskugel kann man jetzt schon feststellen, dass Corona für einen massiven Einbruch gesorgt hat. Wenn es keine zweite Infektionswelle gibt und die Beschränkung der Hotels auf maximal 50 Prozent der Betten nicht zu lange dauert, könnte am Jahresende noch die Million geschafft werden. Darauf hofft zumindest Bullerdiek. „Eigentlich hätte 2020 ein Rekordjahr werden können angesichts einer sehr guten Vorbuchungslage“, sagt er. Dann kam das Virus. Gemessen an den Zahlen von 2019 hat er den Verlust für die Monate März, April und Mai auf etwa 310 000 Gäste hochgerechnet.

Bullerdiek ist aber durchaus optimistisch für den Tourismus im Ammerland. „Es hat sich herumgesprochen, dass man hier toll Radfahren und Wandern kann“, sagt er. Und da 2020 der Urlaub im eigenen Land stattfinden wird, rechnet er mit einem regelrechten Ansturm auf die touristischen Regionen, sobald die Corona-Auflagen reduziert werden. „Die Menschen wollen raus und reisen“, meint er. Kommt keine zweite Infektionswelle, dürften die Verluste der jüngsten drei Monate zumindest ein Stückchen kompensiert werden.

Allerdings rechnet der Tourismusexperte mit steigenden Übernachtungspreisen. In einem normalen Jahr würden 75 Prozent der Urlauber ins Ausland fahren, dies falle nun weitgehend weg.

Kommentar

Jasper Rittner

Dass man bei uns prima Ferien machen kann, muss man den Ammerländern nicht groß erklären. In diesem Jahr werden das aber wohl viele Menschen aus anderen Regionen erstmals erleben. Wir sollten ihnen nicht nur unsere schöne Natur, sondern auch unsere Gastfreundschaft bieten.

Geschimpfe über auswärtige Besucher sollten wir uns verkneifen. Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für uns alle. Denn unsere Infrastruktur wird auch von den Gästen mitbezahlt. Daran sollten auch die denken, die sich über vermeintlich zu viele Besucher ärgern. Zuletzt gab es gerade aus Bad Zwischenahn immer wieder Stimmen, die weniger Tourismus forderten. Pikanterweise nicht selten von Neu-Zwischenahnern, die als Urlauber den Charme des Ortes kennengelernt haben.

Aber auch die Hotels und Restaurants sollten sich nach der Krise von ihrer netten Seite zeigen. Aus Küstenregionen ist schon jetzt zu hören, dass die Preise deutlich steigen werden. Doch wer zu sehr an der Schraube dreht, vergrault Auswärtige wie Einheimische. 2020 ist auch eine Chance, neue Gäste zu dauerhaften Ammerland-Liebhabern zu machen. Zeigen wir uns also alle von unserer netten Seite.

Jasper Rittner über den Tourismus im Ammerland

Davon könne auch das Ammerland profitieren. „Die Menschen beschäftigen sich nun mit Zielen im Inland. Und wir sind ein tolles Ziel für Natur-, Wander- und Radtouristen.“

Jasper Rittner Redaktionsleitung / Redaktion Westerstede
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