Tryon Das Gold war zum Greifen nahe – doch Ingrid Klimke patzte ausgerechnet am letzten Hindernis und kämpfte danach mit den Tränen. Die 50-jährige Reiterin hat bei der Vielseitigkeits-Weltmeisterschaft in den USA den Titel hauchdünn verpasst, holte am Montag aber noch Bronze. „Ich bin trotzdem happy mit Bronze. Das Minimalziel war die Olympia-Qualifikation mit der Mannschaft, das haben wir geschafft“, sagte Klimke.

Die Europameisterin aus Münster ritt als letzte Starterin ein, kassierte in Tryon (North Carolina) im abschließenden Springen aber bei ihrem letzten Sprung noch Strafpunkte. „Das ist natürlich schade, aber ein Fehler kann immer passieren“, sagte Bundestrainer Hans Melzer.

Die Tochter der Dressur-Legende Reiner Klimke vergab ihre glänzende Ausgangslage: Vor dem letzten Ritt hatte sie mit ihrem Pferd Hale Bob in der Dressur und beim Geländeritt starke Leistungen gezeigt. Deutschland verpasste dadurch den Gold-Hattrick nach den WM-Siegen von Michael Jung 2010 in Lexington und Sandra Auffarth aus Ganderkesee (Kreis Oldenburg) 2014 in Caen. Auffarth, die vor vier Jahren auf Opgun Louvo gesiegt hatte, hatte den Wettbewerb mit dem Nachwuchspferd Viamant du Matz am Samstag nach dem Geländeritt aufgegeben.

Mit der deutschen Mannschaft, für die Auffarth dieses Mal nicht nominiert worden war, kam Klimke auf Rang fünf. Damit schaffte das Team die Olympia-Qualifikation.

Bis zum vergangenen Jahr war Klimke vor allem als Teamreiterin bekannt. Doch 2017 gewann sie bei der EM in Polen ihr erstes Einzel-Gold. Entsprechend forsch hatte Klimke vor der WM gesagt: „Es wäre ja Quatsch, wenn ich jetzt sage, dass ich mit meinem 14-jährigen Europameister nur teilnehmen will. Wenn ich da hinfahre, will ich auch gewinnen.“ Doch in Tryon vergab sie die große Chance.

Die Chance für das Einzel-Gold hatte Klimke in der Dressur, die sie als Zweitbeste des Feldes abschloss, und bei einer „Traumrunde“ im Gelände geschaffen. Beim Herzstück der Vielseitigkeit zeigte Klimke mit Hale Bob eine Gala-Vorstellung und schwärmte: „Es war einfach genial.“ Nach dem Geländeritt war Klimke „total happy“: „Es lief super, wie er den Berg hochgaloppiert ist. Als ich merkte, dass die zweite Luft da ist, konnte ich noch mal richtig Gas geben. Er ist echt so ein schnelles Pferd, hat viele Reserven.“ Nur für das Springen am Montag reichte es nicht.

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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