Rastede Kaya Lüthi strahlte mit der Sonne um die Wette, als sie den Abreiteplatz des Rasteder Schlossparks erreichte. Auf nur drei Eisen, weil ihr achtjähriger Westfale Castello zuvor den Hufschutz des linken Vorderbeins verloren hatte, schlug die 22-jährige gebürtige Schweizerin am Sonntag im Stechen des Großen Preises der Öffentlichen Versicherungen der vorrangig männlichen Konkurrenz ein Schnippchen und gewann das Drei-Sterne-S-Springen.

In der höchstdotierten Prüfung der 68. Auflage des Oldenburger Landesturniers kassierte die Springreiterin des RV Albersloh die 6500 Euro Siegprämie ein. „Ich habe schon seit Mittwoch darauf hintrainiert, im Großen Preis vorn dabei zu sein. Dass es gleich bei meinem ersten Start in Rastede zum Sieg reicht, ist natürlich toll“, sagte Lüthi, die inzwischen im westfälischen Stadtlohn lebt. Dass ihr junger Wallach im Stechen nur mit drei Eisen unterwegs war, habe sie komplett ausgeblendet: „Ich habe gedacht, es muss irgendwie gehen – und es hat ja funktioniert.“ Nach 46,57 Sekunden passierte das Siegerpaar die Zeitschranke.

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Lüthi war als einzige der nur fünf Reiter im Stechen fehlerfrei geblieben. Der zweitplatzierte Matthias Janßen (RUFV Merzen) auf Stabuck blieb zwar ohne Abwurf, leistete sich aber zwei Zeitstraffehler (56,01). Hendrik Sosath (Stedinger RUFV Sturmvogel Berne) auf Lady Lordana schaffte es mit vier Strafpunkten im Stechen auf Rang drei (47,38).

Weil sie als letzte Starterin in die Entscheidung ging, nutzte Lüthi den Vorteil, zu wissen, dass ein Ritt ohne Abwurf wohl reichen wird. „Ich habe die Fehler der anderen gesehen. Castello hat einen schwungvollen Galopp, den ich in der Runde ausnutzen wollte“, erklärte Lüthi.

Parcourschef Hans Sattler hatte im ersten Umlauf des Großen Preises den Paaren eine schwierige Aufgabe gestellt. 13 Hindernisse und 16 Sprünge hielt der Abschluss der Großen Tour für die 32 Starter bereit. „Das ist ein anspruchsvolles Springen, eine sehr selektive Bahn“, sagte Sattler und mutmaßte, dass es „keine zehn Paare“ ins Stechen schaffen würden.

Kommentar

Das Landesturnier gleicht einem riesigen Kaufhaus. Prall gefüllte Schaufenster mit feinster Ware. Was da in den vielen bunten Pagodenzelten im Schlosspark zu Rastede alles angeboten wurde, ließ so manches Pferdesportler-Herz höher schlagen.

Ebenso hochwertige Ware lag in den Schaufenstern mit den vielfältigen Sport-Angeboten aus. Die Reiterei im Oldenburger Land präsentierte sich erneut in ihrer ganzen Bandbreite. Ladenhüter und Mogelpackungen Fehlanzeige.

Das 68. Landesturnier bestach weitgehend durch Höchstleistungen. Ein Besucherrekord, sichtlich zufriedene Züchter, Vielseitigkeitsprüfungen auf hohem Sicherheitsniveau, attraktive Finalauftritte der Oldenburger Meister und ein Großer Preis, der seinen Namen als gut dotierter Höhepunkt und stimmiger Schlussakkord der sechstägigen Leistungsschau verdient hatte.

Die im Vorjahr mächtig aufgeputzte Jugendabteilung des Ammerländer Kaufhauses konnte dagegen nicht alle Kundenwünsche erfüllen. Nicht immer saßen bei den Spring- und Dressur-Prüfungen der Landesmeisterschafts-Wettbewerbe die womöglich besten Talente auf – gleichwohl – gut trainierten Pferden. So mancher Ritt ging daneben.

Da dürfte die Region sicher mehr im Angebot haben. Hier muss der Verband eventuell seine Quotenregelung überdenken und das Schaufenster bis zum Landesturnier 2017 neu dekorieren. Die Nachfrage nach mehr Qualität ist da – und das sollte auch der Anspruch in Rastede sein.

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Da geht

noch was

Wie selektiv der Parcours tatsächlich war, zeigte sich nach und nach. Etablierte Reiter wie Rolf Moormann, der diesjährige Doppelsieger Joachim Heyer (Gewinner des Rasteder Champions am Donnerstag und des LzO-Cham-pionats am Freitag), Wilhelm Winkeler oder Alexander Hufenstahl scheiterten reihenweise. Auch Titelverteidiger Mario Stevens musste sich nach einem Abwurf mit dem zehnten Platz begnügen.

Vor allem der Einsprung in die Kombination in der zweiten Parcourshälfte beendete immer wieder den Traum von einem späteren Stechen. Erst der 18. Reiter des Umlaufs, Vincent Elbers (RuFG Falkenburg), schaffte es, fehlerfrei zu bleiben und in 78,01 Sekunden die vorgegebene Maximalzeit von 80 Sekunden nicht zu überschreiten. Letztlich folgten ihm Lüthi, Janßen, Sosath und der Niederländer Arne van Heel (RSC Osnabrücker Land) ins Stechen.

Kaya Lüthi, die im schweizerischen Scherzingen geboren wurde, aber bereits mit vier Jahren nach Deutschland kam und auch die deutsche Staatsbürgerschaft annahm, war derweil nicht nur aufgrund ihres großen Coups vom Landesturnier begeistert. „Hier herrscht eine tolle Atmosphäre in idyllischer Umgebung“, sagte die Lebensgefährtin von Springreiter Johannis Ehning, der ebenfalls im Schlosspark am Start war. Ob sie im nächsten Jahr wiederkomme? „Auf jeden Fall“, sagte Lüthi – nächstes Mal dann sogar auf vier Eisen.

Lars Blancke
Redakteur
Sportredaktion

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