LONDON Michael Jung hatte schon die Gratulation seines Vaters zu Silber entgegengenommen, als das Pech seiner Konkurrentin Sara Algotsson-Ostholt ihn doch noch zum Doppel-Olympiasieger machte. Am letzten Hindernis riss die vor dem finalen Sprung-Durchgang führende Schwedin mit ihrem Pferd Wega eine Stange – aus Silber wurde für Jung und Sam Gold. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagte Jung.

Flankiert von Algotsson-Ostholt und Sandra Auffarth (Ganderkesee) blickte Jung noch immer ungläubig, als der DOSB-Präsident und IOC-Vize Thomas Bach ihn ehrte. Algotsson-Ostholt – Ehefrau des deutschen Team-Olympiasiegers von Peking 2008, Frank Ostholt – hatte indes mit den Tränen zu kämpfen. „Das ist natürlich schwierig für sie. Es war ein Pechfehler“, sagte Jung verständnisvoll.

An seinem 30. Geburtstag krönte sich das Ausnahmetalent aus Horb vor den Augen der britischen Königsfamilie zum König der Vielseitigkeitsreiterei. Als erster in der Geschichte ist er nun gleichzeitig Weltmeister, Europameister und Olympiasieger.

Bundestrainer Hans Melzer hatte Jung vor dessen Ritt nicht gesagt, dass er schon die Goldmedaille sichern könnte. Deshalb wusste der Ausnahmereiter aus Horb zunächst auch nicht, was seine Glanzvorstellung bedeutete. „Ich musste erst noch einmal nachfragen“, verriet er. „Das ist fantastisch. Die Anspannung war schon groß.“

Die große Stärke der deutschen Vielseitigkeitsreiter ist der Zusammenhalt. Wie stark der ist, bewies nach dem Team-Gold Ingrid Klimke. Nach ihrem verpatzten Ritt im Springparcours verzichtete sie zugunsten von Dirk Schrade auf ihren Startplatz im Einzelwettbewerb. „Dirk hat noch ein reelle Chance auf eine weitere Nullrunde“, sagte die 44-Jährige, die schon 2008 dabei war. Doch die Regeln verhinderten Schrades Start. Ingrid Klimke hatte noch nach Dressur und Geländeprüfung geführt und lag auch vor der abschließenden Springrunde als Achte aussichtsreich im Rennen.

Zu den Besonderheiten des deutschen Teams gehört die Lockerheit. Nach jedem Wettkampf-Tag trafen sich die Reiter und ihre mitgereisten Angehörigen im Pub um die Ecke zu einem kleinen Umtrunk. Später am Abend gab es im Olympischen Dorf noch ein letztes Bier. „Der Teamchef hat irgendwo im Keller etwas versteckt und stellt dann ein Sixpack auf den Tisch“, verriet Klimke.

Die sportliche Voraussetzung für die Medaille schaffte das Team schon mit der Führung nach der ersten von drei Teilprüfungen. „Die Dressur ist immer die Grundlage“, erklärte Jung. „Wenn man da führt, müssen die anderen hinterher reiten.“

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