Oldenburg Mario Stevens streckte erst die Faust in die Höhe, riss sich dann die Reiterkappe vom Kopf und winkte anschließend ins begeisterte Publikum: Mit einem furiosen Ritt und einem ganz starken Nervenkostüm stürmte der 35-jährige Molberger am Sonntagnachmittag zum Großen Preis von Oldenburg – und damit dem wichtigsten Sieg beim Agravis-Cup in der großen EWE-Arena.

„Einen schöneren Tag hätte ich mir nicht wünschen können“, sagte Stevens nach dem internationalen Dreisternespringen mit starker Konkurrenz. Als letzter Reiter ging der Lokalmatador auf seinem erst achtjährigen Wallach Landano in den Stech-Parcours und wusste, dass es die 35,89 Sekunden des Niederländers Gert Jan Bruggink zu schlagen gilt. Stevens spielte seine ganze Erfahrung aus und startete auf Landano eher verhalten, drehte aber im letzten Teil richtig auf und lag letztlich den Wimpernschlag von drei Hundertstelsekunden vorn.

„Das ist Wahnsinn. Landano habe ich selbst gezüchtet. Das Pferd hat eine richtig gute Zukunft“, sagte Stevens. Auch, wenn er sich bei seinem Heimturnier für den Großen Preis viel vorgenommen hatte, gab der glückliche Sieger, der sich über ein neues Auto freuen durfte, zu: „Ich habe nicht mit dem Erfolg gerechnet. Ich wollte es versuchen, aber als Gert Jan Null geritten ist, wusste ich, dass es schwierig werden würde.“

Kommentar

Das Turnier in Oldenburg hat bei nationalen und internationalen Reitern inzwischen einen festen Platz im Terminkalender. Wenn es im Großen Preis ums große Geld geht, sattelt die Springelite allzugern auf. Die Aufwertung zu einem CSI-3-Sterne-Event trägt ihren Teil dazu bei, dass sich das in Zukunft nicht ändern wird.

Um für diese noch besser aufgestellt zu sein, haben die Macher in der Dressur einen Schritt nach vorn gemacht. Der Louisdor-Preis bringt talentierte Pferde aus ganz Deutschland in die Huntestadt – und mit ihnen ein qualitativ hochwertiges Teilnehmerfeld.

Apropos Zukunft: Den Vertrag mit den Weser-Ems-Hallen hat Turnierchef Kaspar Funke im vergangenen Jahr bis 2022 verlängert, der Kontrakt mit Titelsponsor Agravis in diesem Jahr bis 2019. Während viele Hallenreitturniere in Deutschland vom Aussterben bedroht sind, sitzt das Event in Oldenburg fest im Sattel.

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Turnier sitzt

fest im Sattel

Bruggink (36), bereits dreimal Sieger des Großen Preises, musste sich danach die Sprüche des Siegers gefallen lassen. „Ich war halt deutlich schneller“, frotzelte Stevens zu dem Niederländer. „Ich bin zweimal Zweiter geworden – also zweimal erster Verlierer. Aber so ist das. Ich bin trotzdem super happy“, sagte Bruggink. Am Freitag hatte der Niederländer auf Vampire im Preis der Oldenburger Wirtschaft nur seinem Landsmann Robert Vos den Vortritt lassen müssen. Hier waren es knapp zwei Zehntel, die Bruggink zu langsam war.

Ohnehin präsentierte sich das Siegerpodest des Großen Preises am Sonntag zu Sprüchen aufgelegt. „Die beiden Herren hätten ja mal ein bisschen langsamer machen können“, flachste Nicole Persson. Die Schwedin schaffte es mit einem ebenfalls fehlerfreien Ritt in 36,28 Sekunden mit Balounito auf den dritten Platz.

Das furiose Finale von Stevens passte indes in das gelungene Vier-Tage-Event. Veranstalter Kaspar Funke zeigte sich hochzufrieden, sprach am Abschlusstag davon, dass insgesamt etwa 27 000 Zuschauer den Weg in die große Arena gefunden hätten – im vergangenen Jahr waren es 24 500 gewesen. Die Steigerung resultiere vor allem aus den vergleichsweise volleren Rängen am Freitag und Samstag sowie der erneut sehr gut besuchten Kür der Vereinsmannschaften am Donnerstagabend.

Lars Blancke
Redakteur
Sportredaktion

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