Oldenburg Gert-Jan Bruggink verliert ungern Zeit. Nicht die schlechteste Eigenschaft für einen Springreiter, der im Parcours stets flott unterwegs ist. „Rufen Sie mich doch auf dem Handy an, dann kann ich im Stall weiterarbeiten“, bittet er freundlich – auf Deutsch mit nettem niederländischen Akzent. Er hat gut zu tun, denn schon an diesem Wochenende steht das nächste Turnier in seinem Terminkalender: Der Agravis-Cup in Oldenburg von diesem Donnerstag bis Sonntag. Als Titelverteidiger reist der 35-Jährige an. Dreimal (2004, 2013 und 2015) triumphierte er bereits beim Großen Preis (Sonntag, 14.30 Uhr), dem Höhepunkt des Wochenendes.

Stark im Stechen

„Das liegt wohl am Publikum. In Oldenburg geht immer etwas ab“, lobt er Fans und Atmosphäre in der großen EWE-Arena. Bruggink weiß, wie’s geht. Dass er mittlerweile zu den Publikumslieblingen in Oldenburg zählt, verdankt er jedoch nicht Worten, sondern Taten. So wie im Vorjahr, als er in einem spannenden Stechen im letzten Moment seinem Landsmann Jur Vrieling noch den Titel wegschnappte.

In Erinnerung blieb auch sein spektakulärer Nullfehler-Ritt im Jahr 2013. Bereits über dem letzten Hindernis riss der „fliegende Holländer“ die Siegerfaust nach oben. Im Stechen scheut er kein Risiko – frei nach seinem Motto: „Der Zweite ist der erste Verlierer.“ So sieht es auch Turnierchef Dr. Kaspar Funke: „Er reitet hier immer um sein Leben.“

Doch nicht nur in Oldenburg feierte der frühere niederländische Meister Erfolge. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen verpasste er mit der Oranje-Equipe nur knapp die Bronze-Medaille. Bei aller reiterischer Klasse weiß er, worauf es außerdem ankommt: Auf eine gute Verfassung der Pferde.

Das Zusammenspiel funktionierte in Oldenburg meistens einwandfrei. 2004, in der Weser-Ems-Halle, gewann Bruggink auf seinem Hengst Marome. 2013 zeigte sich Stute Andrea in Bestform, 2015 Wallach Vampire. Das Sieger-Gen liegt offenbar in der Familie. „Marome ist der Vater von Andrea und Vampire“, erklärt Bruggink. In diesem Moment kommt der Züchter in ihm durch. Im Ort De Lutte, in der Grenzregion Twente, betreibt der Niederländer seinen Zucht- und Ausbildungsstall.

„Ich bin halt vom Pferdevirus befallen“, sagt er augenzwinkernd: „Das ist ein harter Job, sieben Tage pro Woche. Das verfolgt einen auch nachts.“ Mitleid erwartet er nicht. Hämische Kommentare wie „Hättest du mal was Richtiges gelernt“ muss er sich stattdessen häufiger gefallen lassen. Aber Bruggink hat die passende Antwort auf Lager: „Habe ich ja“, begegnet er den Sticheleien selbstbewusst.

Gelernter Architekt

Denn Bruggink ist gelernter Architekt, schloss 2004 sein Studium ab, ehe er sich komplett dem Reitsport und der Zucht widmete. „Dort habe ich noch Ziele“, sagt er, ohne sie zu konkretisieren. „Das Nächste ist erstmal die Titelverteidigung beim Agravis-Cup“, lässt er sich aus der Reserve locken. Dem Sieger von 2015, Vampire, gönnt er dieses Mal eine Pause. Die Konkurrenz sollte sich jedoch nicht zu früh freuen. Bislang hat Bruggink in Oldenburg stets aufs richtige Pferd gesetzt.

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