LONDON Im Sattel bewies Sandra Auffarth Nerven wie Drahtseile, hinterher verlor sie beinahe den Blick fürs Wesentliche: Als die Vielseitigkeitsreiterin aus Ganderkesee (Kreis Oldenburg) nach ihrem Doppel-Erfolg in London in der Mixed-Zone im Greenwich Park den Journalisten glücklich strahlend Rede und Antwort stand, war es Sönke Lauterbach, Generalsekretär der Reiterlichen Vereinigung (FN), der die 25-Jährige an die bevorstehende Siegerehrung erinnerte.

Lauterbachs Intervention kam noch zum richtigen Augenblick: Die Olympia-Debütantin erreichte rechtzeitig die Zeremonie im Stadion und nahm strahlend ihre zwei Medaillen in Empfang: Gold mit der Mannschaft, Bronze im Einzel.

Es war der krönende Abschluss des erfolgreichsten Tages in der Karriere von Sandra Auffarth. Mit der deutschen Equipe um Michael Jung (Horb/Sam), Ingrid Klimke (Münster/Abraxxas), Dirk Schrade (Sprockhövel/King Artus) und Peter Thomsen (Lindewitt/Barny) sicherte sie sich zunächst im Sattel von Opgun Louvo Platz eins in der Team-Wertung. Die Deutschen siegten mit 133,70 Strafpunkten vor Großbritannien (138,20) und Neuseeland (148,50).

Mit einem fehlerfreien Ritt machte Welt- und Europameister Jung an seinem 30. Geburtstag den Olympiasieg vorzeitig perfekt und sicherte der deutschen Olympia-Mannschaft die erste Goldmedaille bei den Spielen in London. Bereits 2008 hatte die deutsche Vielseitigkeits-Equipe in Hongkong Gold geholt.

Auch Auffarth und Schrade blieben ohne Abwürfe. „Diese drei Nullfehlerritte waren super für uns“, sagte Bundestrainer Hans Melzer. „Das ist ein wunderbares Team. Das spürt man“, erklärte Chef de Mission Michael Vesper. „Das fühlt sich toll an – und dann noch das erste Gold für das gesamte deutsche Team“, schwärmte FN-Sportchef Dennis Peiler: „Wir sind alle wie im Rausch.“

Auffarth ritt im ersten Spring-Umlauf wie entfesselt und qualifizierte sich mit 44,80 Punkten als Fünfte für das Einzelfinale. Dort wiederholte die 25-Jährige aus Ganderkesee ihr Kunststück und ritt vor 23 000 Zuschauern, unter ihnen die Prinzen William und Harry, mit einer erneuten Nullrunde noch auf den Bronze-Rang. „Das ist supertoll. Im zweiten Durchgang lief es noch besser als im ersten“, sagte Auffarth und lachte. Grund zum Strahlen hatte auch Michael Jung. Er gewann Gold vor der Schwedin Sara Algotsson-Ostholt.

Für die deutsche Mannschaft begann nach der Siegerehrung für Jung und Auffarth der Party-Marathon mit einer kurzen Feier im Stall. Danach wurde Jung auf die Schultern genommen und zum Stamm-Pub der Reiter getragen.

Dort war auch Auffarth an der Reihe: Zwei Männer ließen die Ganderkeseerin hochleben. Nach einem Abstecher ins Olympische Dorf landete das Team im Deutschen Haus.

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Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
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