Berlin „Auf Los geht’s los“ mit dem vergangene Woche gestorbenen Joachim Fuchsberger, „Wünsch Dir was’ mit dem im Juli gestorbenen Dietmar Schönherr, „Dalli Dalli“ mit dem unvergessenen Hans Rosenthal oder auch Shows mit Rudi Carrell („Am laufenden Band“), Peter Frankenfeld („Musik ist Trumpf“) oder Hans-Joachim Kulenkampff („Einer wird gewinnen“): Die goldene Ära der Fernsehshows mit vielen Millionen Zuschauern ist lange vorbei. Heute schwächeln Shows im deutschen Fernsehen. Ein TV-Format ist in der Krise.

Jüngstes Beispiel ist etwa das frühzeitige Aus der aus Israel importierten App-Show „Rising Star“, die RTL wegen enttäuschender Quoten am Donnerstag nach sieben statt zehn Folgen beendet.

„Niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun“ – Sätze wie dieser über „Wetten, dass..?“ in den 80er Jahren, geschrieben von Florian Illies im Kindheitsnostalgie-Bestseller „Generation Golf“, gehören der Vergangenheit an. Heute sitzt die ganze Familie so gut wie gar nicht mehr gemeinsam vor dem Bildschirm.

Stattdessen nimmt das ZDF „Wetten, dass..?“ zum Jahresende nach 33 Jahren aus dem Programm. Vor wenigen Jahren – mit Thomas Gottschalk – hatte die große Abendshow am Sonnabend noch zuverlässig mehr als zehn Millionen Zuschauer pro Ausgabe. Dann kam Markus Lanz und der Quotenabsturz. Am 4. Oktober kommt die Show aus der Sommerpause zurück. Noch drei Ausgaben soll es geben. Im Dezember ist mit der 215. Show Schluss.

Die Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher meint: „Die derzeitige Quotenkrise diverser Showformate basiert auf dem ständigen Wiederaufbereiten sattsam bekannter Erfolgsmuster und fehlenden Innovationen. Senderübergreifend werden die immer gleichen Formate recycelt, was zu Ermüdungserscheinungen bei den Zuschauenden führt.“ Insbesondere Castingshows seien davon betroffen. Selbst die seit Jahren andauernde Ausdifferenzierung des Zielpublikums habe wenig echte Innovationen hervorgebracht. Zwar gebe es ein Interesse an neuen Show-Ideen, doch etwa die Einbeziehung des Internets sei trotz App-Shows eher halbherzig.

Doch vielleicht wünscht sich das Publikum mehr wahre Emotion statt geleckter Moderatoren, pompöser Bühnen und Showtreppen.

Absurderweise wird das Bedürfnis nach dem echten Leben vor allem von fiktionalen Filmen oder Sendungen wie dem Dschungelcamp „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ (RTL) erfüllt, in dem Promis entzaubert werden. In die gleiche Kerbe schlug – mit relativ ordentlichem Zuschauerzuspruch – jüngst auch „Promi Big Brother“ auf Sat.1. Klassische Shows in künstlichem Hallen- oder Studio-Ambiente gelten dagegen als Hort inszenierter Gefühle.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.