Salzburg (dpa) - Die diesjährige Mozartwoche in Salzburg trägt erstmals ganz die Handschrift von Rolando Villazón. Der 46-jährige mexikanische Tenor, seit 2017 künstlerischer Leiter des Festivals, will nicht nur gestalten, sondern auch selbst auf der Bühne stehen.

"Ich sehe meine Rolle nicht in erster Linie als Interpret, sondern mehr als Botschafter und Kurator. Das heißt aber nicht, dass ich gar nicht singen werde - immer da, wo es passt, werde ich es mit größtem Vergnügen tun", sagte Villazón der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld der Mozartwoche (24. Januar bis zum 3. Februar.)

Frage: Was verbindet Sie besonders mit dem Schaffen Wolfgang Amadeus Mozarts? 

Antwort: Interessanterweise war die erste Oper, die ich als junger Student am Konservatorium in Mexiko gesungen habe, eine Mozart-Oper: "Il re pastore". Danach habe ich mich eher dem romantischen Repertoire zugewandt, was sicher auch daran lag, dass dieses Repertoire in Mexiko sehr beliebt ist. Vor bald neun Jahren kam Mozart dann zurück in mein Leben – und das mit voller Macht. Ich war eingeladen, den Don Ottavio in Mozarts "Don Giovanni" zu singen und aufzunehmen. Zur Vorbereitung habe ich Mozarts Briefe gelesen und dabei einen wahren Freund fürs Leben gefunden. 

Frage: Sie haben österreichische Vorfahren und sprechen gut deutsch. Spielte das eine wesentliche Rolle bei der Übernahme der künstlerischen Leitung der Mozartwoche?

Antwort: Es hat sicher nicht geschadet. Aber ich glaube, es ging mehr um meine Ideen, meine Vision für die nächsten fünf Jahre. Und meine ehrliche Begeisterung.

Frage: Welche Schwerpunkte wollen Sie in den nächsten Jahren bei der Mozartwoche setzen?

Antwort: Ich habe mich gleich zu Beginn entschieden, zu den Wurzeln der Mozartwoche zurückzukehren und nur Mozarts Musik zu programmieren – Mozart pur. Es wird jedes Jahr einen musikalischen Schwerpunkt geben. 2019 geht es vor allem um Chorwerke und Arien mit obligatem Solo-Instrument. Neben den klassischen Konzerten mit den größten Mozart-Interpreten der Gegenwart entwickeln wir auch neue Format wie ein Mozart-Kabarett, eine Mozart-Pantomime und viel Tanz. Es gibt Lesungen von Mozarts Briefen, Symposien, Gespräche – wir wollen möglichst viele Menschen einladen, Mozart mit uns zu erleben und zu entdecken. Alle sollen Mozart feiern!

Frage: Wenn Sie von "Mozart pur" sprechen, ist das wörtlich gemeint? Gilt das auch für die nächsten Jahre Ihrer künstlerischen Leitung?

Antwort: Absolut, ja. Die nächsten fünf Jahre widmen wir uns ausschließlich Mozart.

Frage: Welche Rolle wird die historische Aufführungspraxis bei der Mozartwoche spielen?

Antwort: Eine große. Es werden jedes Jahr herausragende Interpreten und Ensembles der historischen Aufführungspraxis zu Gast sein – in diesem Jahr zum Beispiel Philippe Herreweghe und sein Collegium Vocale Gent und Christophe Rousset mit seinen Talens Lyriques. Ich möchte alle Facetten der Mozart-Interpretation erkunden.

Frage: Werden Sie auch selbst als "Star" regelmäßig in Programmen der Mozartwoche zu erleben sein, wie es etwa Cecilia Bartoli bei den Pfingstfestspielen zu tun pflegt?

Antwort: Ich sehe hier meine Rolle nicht in erster Linie als Interpret, sondern mehr als Botschafter und Kurator. Ich arbeite an jedem Programm mit und möchte das gesamte Publikum mit meiner Neugierde und meiner Begeisterung anstecken und durch die Mozartwoche begleiten. Das heißt aber nicht, dass ich gar nicht singen werde – immer da, wo es passt, werde ich es mit größtem Vergnügen tun.

Frage: Wird es bei der Mozartwoche auch Inszenierungen aus Ihrer Hand geben?

Antwort: Das kann gut sein!

Frage: Sie wollen am 27. Januar, Mozarts Geburtstag, dem großen Komponisten ein Ständchen singen. Was beinhalten die von Ihnen dargebotenen mexikanischen Serenatas? Was verbindet diese Stücke mit Mozart?

Antwort: Es geht mir darum, eine von mir sehr geliebte mexikanische Tradition mit nach Salzburg zu bringen. In Mexiko singen wir den Menschen, die wir lieben, zum Geburtstag ein Ständchen. Und Mozart liebe ich sehr – deshalb soll er nicht ein Ständchen, sondern gleich drei bekommen: an seinem Geburtshaus, seinem Wohnhaus und am Mozartplatz. 

Frage: Sind Sie als Sänger, Regisseur und musikalischer Conférencier derzeit "ausgebucht"?

Antwort: Ja, so ziemlich. Aber es ist mir sehr wichtig, auch Zeit mit meiner Familie zu verbringen – deswegen baue ich immer wieder Zeit zu Hause in meinen Kalender ein.

Frage: Schreiben Sie an einem neuen Buch?

Antwort: Ja, ich bin gerade dabei, meinen dritten Roman fertig zu schreiben.

Frage: Fühlen Sie sich stimmlich wieder voll bei Kräften? Trauen Sie sich noch alle wichtigen Rollen Ihres Fachs zu?

Antwort: Ich bin fachlich noch nie besonders festgelegt gewesen – ich habe schon vor über zehn Jahren an Monteverdi und Händel gearbeitet. Da hätte mich niemand mit diesem Repertoire assoziiert. Ich singe die Sachen, die mich begeistern und inspirieren. Und ich bin ja gerade erst 46 – ich werde noch viele, viele Jahre auf der Bühne stehen und verschiedenstes Repertoire singen.  

Frage: Planen Sie, auch als Dirigent in Erscheinung zu treten, etwa wie Ihr großer Kollege Placido Domingo?

Antwort: Das kann ich mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, auch wenn es mir schon angeboten wurde.

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