Mit dem im Frühjahr 2016 erschienenen Album "Future" landete Christopher von Deylen - besser bekannt als Schiller - einen lupenreinen Hattrick.

Nach den Vorgänger-Alben "Sonne" und "Opus" eroberte er auch mit der neuen CD Platz eins der deutschen Charts. Nicht schlecht für ein Musikprojekt, das Ende der 90er Jahre eigentlich für Clubs konzipiert wurde. Am 27. September startet Schiller in Dresden seine Tournee.

Gegründet hat von Deylen das Pop- und Ambient-Musikprojekt Schiller Ende der 90er Jahre mit dem DJ Mirko von Schlieffen. Seit 2003 ist er allein für die Klänge und Inszenierungen des nach dem deutschen Dichter-Fürsten benannten Musikprojektes verantwortlich. Was nicht verwundert. Denn von Deylen ist - das gibt er unumwunden zu - kein ausgeprägter Team-Spieler. "Die Fäden habe ich sehr gerne selbst in der Hand. Das ist schon so", sagt der mittlerweile zwischen Kalifornien und Deutschland pendelnde Künstler.

Schiller sei deshalb auch mehr oder weniger eine One-Man-Show. Eine Solo-Darbietung, bei der aber während der Tournee etwa 50 Menschen mitarbeiten. Sie alle dürften gut instruiert sein. Denn der 45-Jährige hat höchst genaue Vorstellungen, wie die Konzertreise klingen und wie sie optisch umgesetzt werden soll.

"Ich werde auch bei dieser Tournee die Tourpässe und Backstage-Pässe wieder selbst gestalten", sagt er. Das ist für ihn keine lästige Kleinarbeit, sondern Teil des Jobs. "Ich bin da so drin. Wer sollte das denn sonst machen? (lacht) Es muss ja alles zu einem bestimmten Gesamtbild passen, und das kann ja nur ich definieren", sagt von Deylen und ergänzt, dass sein Perfektionsanspruch auch Grenzen habe: "Ich muss mich da manchmal vor mir selbst schützen. Es darf ja nicht soweit gehen, dass ich dem Koch die Bratpfanne aus der Hand reiße und ihm erkläre, wie man ein Spiegelei brät." Bevor er aber zehn Telefonate führe, 20 Mails verschicke und sich nachher 40 Mal an den Kopf fasse, mache er vieles gleich selbst.

Vor diesem Hintergrund ist es eine kleine Sensation, dass er sich für die anstehende "Future"-Tour erstmals einen renommierten Licht-Designer ins Boot holte: den Briten Vince Foster. Von Deylen hat einen Partner gesucht, mit dem er einen neuen optischen Weg gehen kann. Foster, der durch seine gleichermaßen spektakulären wie geschmackvollen Licht-Inszenierungen für Phil Collins, Peter Gabriel und Kylie Minogue zu den Größen der Zunft zählt, bringt ideale Voraussetzungen mit. Handwerkliche Perfektion, Erfahrung, Fantasie, Flexibilität und: "Er kannte Schiller vorher nicht. Das ist ein Glücksfall", sagt von Deylen. So könne er viel unbefangener an die Aufgabe herangehen. "Natürlich musste ich mich anfangs schon ganz schön am Riemen reißen, dass ich ihm nicht zu sehr in seine Ideen reinrede", sagt von Deylen.

Auf die Frage, was Christopher von Deylen mit dem Dramatiker und Namensgeber seines Projekts Schiller gemeinsam habe, muss der Musiker kurz überlegen. Ein Schluck aus der Kaffeetasse, dann hat er die gesuchte Formulierung: "Ich glaube, es ist der Freiheitsgedanke, den wir beide teilen. Der muss sich gar nicht so sehr im Werk finden, sondern mehr in der übergeordneten Freiheit des Individuums. Und in dem Bewusstsein, dass es Freiheit nicht umsonst gibt. Da hängt ein Preisschild dran - und jeder Mensch muss selbst entscheiden, ob er gewillt ist, diesen individuellen Preis der Freiheit zu bezahlen." Ein philosophischer Ansatz, der Friedrich von Schiller vielleicht sogar gefallen hätte.

Tourdaten: 27.09. Dresden; 28.09. Rostock; 29.09. Hamburg; 30.09. Hannover; 01.10. Köln; 02.10. Bielefeld; 03.10. Erfurt; 05.10. Oberhausen; 06.10. Frankfurt; 07.10. Mannheim; 08.10. Stuttgart; 09.10. Freiburg; 10.10. Zürich; 12.10. München; 13.10. Leipzig; 14.10. Berlin

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